1. Saarland
  2. Saarbrücken

Klimawandel: Zement und Beton erzeugen viele Treibhausgase

Serie Was schadet unserem Klima? : Graue Aussichten für die Zukunft

Unser Planet heizt sich auf. Schuld daran: der Mensch. Doch wo entstehen die Treibhausgase und wie können sie reduziert werden? Diesen Fragen geht die SZ in einer neuen Serie nach. Teil 4: Bauen.

Die deutsche Industrie steht durch die Klimakrise vor großen Herausforderungen. Doch anders als der Verkehrssektor konnte sie zum Ziel „Klimaneutralität“ bereits einiges beitragen. Seit 30 Jahren sinken die Treibhausgas-Emissionen der Industrie langsam, aber stetig: Von 284 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr 1990 auf zuletzt 178 Millionen Tonnen (Stand 2020) – eine Reduzierung von gut 37 Prozent.

Im nächsten Schritt sollen die Emissionen bis 2030 nun auf 140 Millionen Tonnen sinken. Was in Anbetracht der vorherigen Entwicklungen leicht machbar erscheint, bedeutet allerdings harte Arbeit. Die größten CO2-Einsparungen passierten in den 90er Jahren (von 284 auf 208 Millionen Tonnen), seitdem geht es nur noch im Schneckentempo voran.

Besonders dem energieintensivsten Sektor, der Stahlindustrie, steht – auch im Saarland – eine gewaltige Umstellung des Produktionsprozesses bevor. Statt Kohle soll demnächst Wasserstoff die Hütten antreiben. Damit das klimaschonend funktionieren kann, muss dieser allerdings wiederum „grün“, also mittels erneuerbaren Energien erzeugt worden sein.

Dennoch: Für diese energiebedingten Emissionen existieren praktikable Lösungen. Großes Sorgenkind der Industrie ist dagegen eine Branche, der in vielen Aufzählungen der klimaschädlichsten Sektoren oft vergessen wird. Zwar ist Zement mit etwa 20 Millionen Tonnen CO2 nur für einen kleinen Teil der Gesamtemissionen Deutschlands verantwortlich – das entspricht gerade einmal 2 Prozent. Global gesehen liegt der Anteil dieses Industriezweigs jedoch bei satten 8 Prozent. Der Grund für diesen Unterschied sind vor allem riesige Bauvorhaben und Infrastrukturprojekte in Schwellenländern, für die Millionen Tonnen von Zement gebraucht werden. Der Bedarf ist dort seit der Jahrtausendwende regelrecht explodiert.

Damit ist Zement für mehr Treibhausgase verantwortlich als der gesamte weltweite Flugverkehr. Anders als bei Stahl und anderen Branchen gibt es hier allerdings kaum Einspar-Potential: Laut dem Kompetenzzentrum Klimaschutz in den energieintensiven Branchen ist nur etwa ein Drittel (35 Prozent) der Emissionen bei Zement energiebedingt, könnten also durch die Nutzung alternativer Energie vermieden werden. Fast zwei Drittel des CO2 entsteht dagegen durch den Herstellungsprozess an sich.

Die Grundlage der Zement-Produktion ist Kalkstein: Dieser wird erst fein gemahlen und dann zusammen mit Ton, Sand und Eisenerz bei Temperaturen von bis zu 1450 Grad gebrannt. Das Ergebnis sind „Klinkermineralien“, welche anschließend erneut fein gemahlen und mit Gips gemischt werden. Das so entstandene Pulver ist das, was man schließlich von Baustellen kennt (und das mittels Zugabe von Wasser, Kies und Sand zu frischen Beton verarbeitet werden kann).

Während dieses Prozesses finden chemische Reaktionen statt, bei denen der Kalkstein große Mengen an CO2 freisetzt: etwa 600 Kilogramm pro produzierter Tonne Zement. Eine Alternative gibt es dafür bisher nicht. Zwar laufen derzeit überall auf der Welt intensive Forschungen, die auch bereits zu Ergebnissen führten. Doch nichts davon ist bisher wirklich serienreif – oder klingt als Idee fast zu schön, um wahr zu sein: Beispielsweise ist ein „Öko-Zement“, der von einer Schweizer Firma entwickelt wird, sogar in der Lage, CO2 aus der Atmosphäre zu binden. Dafür ist allerdings das vulkanische Mineral Olivin nötig, welches nur in bestimmten Erdregionen vorkommt.

Ein weiterer Lösungsansatz sieht vor, den Kalk im Zement zumindest teilweise zu ersetzen. Die davor in Frage kommenden Stoffe – beispielsweise Hüttensand oder Flugasche – sind jedoch Abfallprodukte anderer Industriezweige, welche mit einer Umstellung auf eine klimaschonende Produktion nicht mehr zur Verfügung stehen würden. Auch die Reduktion des Zementanteils im Beton oder die Verwendung von Leichtbeton (mit einem hohen Luftanteil) ist nur bis zu einem gewissen Grad möglich.

Was also tun? Dass Zement so beliebt ist, hat einen Grund, ein Nachfolger des Baustoffs hat es also schwer. Mit am erfolgsversprechendsten könnte sich daher „Carbon Capture and Storage“ (CCS) erweisen. Bei dieser Technologie wird das durch die Produktion freiwerdende CO2 aufgefangen, bevor es in die Atmosphäre gelangt – dafür müsste es dann allerdings einen geeigneten (unterirdischen) Lagerplatz geben. Bis dahin können die Emissionen nur durch zwei Arten gesenkt werden: Einerseits, indem weniger gebaut wird – andererseits mit der Nutzung eines ganz anderen Baustoffs, der dafür sogar CO2 bindet: Holz.

Lesen Sie auch: In Saarbrücken geht der Trend zum Holzhaus