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Maschinenbauer Woll beginnt in Saarbrücken Werkserweiterung nach Jahr mit Protesten von Umweltschützern

Werkserweiterung in Saarbrücken-Gersweiler beginnt : Nach langen Widerständen: Spatenstich beim Maschinenbauer Woll

Nach einem Jahr voller Widerstände startete am Donnerstag in Gersweiler die Erweiterung des Maschinenbauers Woll. Dafür gab es Bedingungen. Und prominente Gäste klatschten Beifall.

Christina Woll (33) fiel am späten Donnerstagnachmittag der buchstäbliche Stein vom Herzen. „Ich freue mich, und wir sind alle erleichtert, dass es losgeht. Der lang ersehnte Moment ist endlich da“, sagte die Enkelin des Firmengründers Walter Woll beim formellen ersten Spatenstich für die Betriebserweiterung der Woll Maschinenbau GmbH in Saarbrücken-Gersweiler bei strahlendem Sonnenschein. Sie ist seit Jahresanfang 2021 Geschäftsführerin zusammen mit Peter Hirschmann und David Seiler. Christina Woll stieg in stürmischen Zeiten in die Geschäftsführung des international renommierten Sondermaschinenbauers auf. Denn seitdem die Pläne zur Werkserweiterung in der Krughütter Straße öffentlich wurden, gab es mächtig Gegenwind von Umweltschützern. Der Protest-Grund: Für die Erweiterung musste Wald abgeholzt werden (die SZ berichtete mehrfach). Die Bürgerinitiative „Pro Wald“ gründete sich und wollte den Neubau auf dem der Stadt gehörenden Waldgelände verhindern.

Der Abholzungsplan übersprang schließlich alle Hürden auf der kommunalpolitischen Ebene. Der Bauantrag wurde, so Christina Woll, Anfang Februar dieses Jahres gestellt. Seit Anfang Juli 2021 liege eine Teilbaugenehmigung auf dem Tisch, so dass – nachdem zwischen Stadt und Unternehmen eine Einigung über den Erweiterungsbau erzielt wurde – die Baumaschinen mit der Aufbereitung des Geländes beginnen konnten. Die Einigung beinhaltet eine Verkleinerung der geplanten Halle von ursprünglich 100 mal 100 Metern auf 100 mal 60 Meter. Aufgrund der Neugestaltung der Baupläne mussten statt 2,4 Hektar nur 1,88 Hektar wald abgeholzt werden.

Die Zahl der gefällten Bäume wird eins-zu-eins andernorts neu angepflanzt. So im Deutsch-Französischen Garten (DFG) und unweit des jetzigen Firmengeländes. Das Gebäude bekommt eine Dachbegrünung und eine Photovoltaikanlage. Schließlich muss das Unternehmen auch Öko-Punkte in bar an die Stadt bezahlen. Von den ersten Ideen zur Erweiterung bis zum Spatenstich für das 20 Millionen-Euro-Investment vergingen rund drei Jahre, ein Jahr mehr als angenommen, sagte Architekt Oliver Brünjes. „Man hat uns manche Knüppel bei diesem Objekt zwischen die Beine geworfen“, sagt er. Die Erweiterung umfasst neben einer großen Montagefläche auch neue Bürokapazitäten, Besprechungsräume und einen neuen Empfangsbereich für die Kunden. „Wir bekennen uns mit dieser Investition zum Standort und zur Sicherung von Arbeitsplätzen im Saarland“, betont die Woll-Geschäftsführung.

Die saarländische Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) betonte, dass man den Begriff der Nachhaltigkeit nicht einseitig als ökologische Komponente betrachten dürfe, Nachhaltigkeit habe auch eine soziale und oft eine wirtschaftliche Komponente. Unter diesem Gesichtspunkt, so appellierte sie an die Gegner des Projektes, müsse eine solche Erweiterung gesehen werden. Denn es gehe letztlich um Arbeitsplätze, mit denen Menschen das Geld für ihre Familien verdienten. „Ich kämpfe für einen erfolgreichen Strukturwandel in diesem Land, und wir müssen wie in diesem Fall einen gemeinsamen Weg finden, wie es funktionieren kann.“ Mit Woll habe man ein Familienunternehmen „wie man es sich nur wünschen kann“.

„Heute ist ein großer Tag für die Familie Woll und das Unternehmen. Woll ist eine Perle“, sagte der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU). „Die Hürden, die hier zu nehmen waren, waren nicht ganz einfach“, sagte er, ohne im Detail auf die Widerstände einzugehen. Im Übrigen sei Saarbrücken die waldreichste Landeshauptstadt in Deutschland und sei unter den „Top ten“ der waldreichsten Städte in der Republik, erklärte Conradt. Die Politik trage Verantwortung, damit Unternehmen auch die Voraussetzungen für eine Erweiterung ihrer Tätigkeit vorfänden, so der Oberbürgermeister.

Woll ist ein florierendes Unternehmen und sieht gute Wachstums-Perspektiven. „Unsere Auftragslage ist gut. Wir sind etwa in der Medizintechnik aktiv, einem Feld mit großem Wachstumspotenzial“, sagte Christina Woll zur SZ. Aktuell beschäftigt Woll rund 270 Mitarbeiter. Der Erweiterungsbau werde für zusätzliche Umsatzerlöse und neue Arbeitsplätze sorgen, betonte Christina Woll. Wie viele neue Arbeitsplätze entstehen werden, sei allerdings derzeit nicht zu beziffern. Im Pandemiejahr 2020 betrug der Umsatz 55 Millionen Euro, im Jahr zuvor 60 Millionen. Je nach Projektfertigstellung können die Umsätze etwas schwanken. Mit der Fertigstellung des Neubaus rechnet Christina Woll im Sommer 2022, man sehe sich jetzt allerdings auch steigenden Bau- und Materialpreisen gegenüber. Allein die Planungskosten für die Erweiterung lagen bei rund einer Million Euro.

Das Unternehmen wuchs aus kleinsten Anfängen zu einem Hightech-Unternehmen heran, das Industrieanlagen unter anderem für Kunden aus der Pharma-, Medizintechnik, Energie- und Autobranche herstellt: Es wurde 1960 von Schlosser- und Industriemeister Walter Woll (gestorben 2015 im Alter von 87 Jahren) als Bauschlosserei Walter Woll in Saarbrücken gegründet.

Walter Woll hatte schon früh den Plan, mit seinem Unternehmen handwerklicher Zulieferer für die Industrie zu werden. Denn viele Unternehmen hatten zwar Produktideen, aber Probleme bei der Umsetzung. Da sprang Woll ein. Sogar, wenn es um Zuckerguss ging. Für einen industriellen Backwarenhersteller baute er vor etlichen Jahren zwei Maschinen, die den Zuckerguss gleichmäßig auf die Rückseite des beliebten Backwerks „Amerikaner“ aufbrachten. Da war der Handwerksmeister Walter Woll in seinem Element. Er hatte nichts dagegen, wenn man ihn einen „Daniel Düsentrieb“ nannte, aber „einen ohne Chaos, denn ich bin Perfektionist“, fügte er hinzu.