1. Saarland
  2. Saarbrücken

Mit Drahtseil von der Saar zur Zugspitze - Geschichte der Firma Heckel

Kostenpflichtiger Inhalt: Heckel-Drahtseil und Seilbahnen gab’s sogar in Paris und Caracas : Mit Drahtseil von der Saar zur Zugspitze

Aus einer Seilerei von 1784 entstand die Drahtseilfabrik Heckel, dann auch die Seilbahnen bauende Ernst Heckel GmbH.

Der Stammbaum der Familie Heckel reicht weit zurück. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts wurde Stammvater Marcus Heckel geboren. Von seinem Nachfahren Johann Heckel, geboren 1731, ist bekannt, dass er von Beruf Seiler war. Sein Sohn Johann Georg Heckel gründete im Jahr 1784 eine Seilerei, einen handwerklichen Betrieb, ursprünglich im St. Johanner Neugässchen.

Trotz der bescheidenen Anfänge sollten sich aus dieser Seilerei gleich zwei große Industriebetriebe entwickeln. Georg Friedrich Heckel, geboren 1796, übernahm den väterlichen Betrieb, aber erst dessen Sohn Georg Peter Heckel, geboren 1822, stellte die Fabrikation gegen Mitte des 19. Jahrhunderts von Hanfseilen auf Drahtseile um. Er erkannte den Nutzen von stabilen Drahtseilen für den Bergbau und den Transport, wusste um deren große Tragfähigkeit.

Die Nachfrage nach Drahtseilen der Fa. Heckel stieg rasant an, und um 1850 zog die Firma in die Martin-Luther-Straße, in den heutigen Bereich zwischen Tankstelle und ehemaligem Siemensgebäude.

Im Jahr 1866 erweitere man in der Firma das Portfolio auf Drahtgewebeseile, nach 1870 expandierte man stark, da die Nachfragen nun auch aus dem Erzbergbau in Lothringen, sowie den Kaligruben aus dem Elsass hinzukamen. Neben Drahtseilen wurden nun auch Transportanlagen für schwere Massen hergestellt. Als Georg Peter Heckel im Jahr 1904 starb, wurde die Firma „Georg Heckel GmbH, Drahtseilfabrik und Drahtwerk“ bereits von seinen Söhnen Georg Julius, geboren 1856, und Ernst Ferdinand, geboren 1861, geführt. Ernst Heckel, der in Karlsruhe an der Technischen Hochschule studiert und seine Fachkenntnisse in den USA erweitert hatte, gelang es, die Errichtung einer Abteilung für den Bau von maschinellen Streckenförderungen durchzusetzen, deren Leiter er 1896 wurde. Er brachte den Bau von Transportanlagen weiter voran, auch um bei deren Bau durch die Verwendung von Drahtseilen des väterlichen Betriebs den Umsatz weiter zu steigern.

Ab 1904 begann er mit der Planung zum Bau von Drahtseilbahnen, auch hier wurden Seile der eigenen Firma benötigt. Dies war bereits der Grundstein für sein eigenes Unternehmen, die „Gesellschaft für Förderanlagen Ernst Heckel GmbH“, die er im Jahr 1905 gründete. Um seine Firma aufzubauen, benötigte Ernst Heckel ein großes Gelände mit Eisenbahnanschluss. Fündig wurde er in Rohrbach, die Verwaltung verblieb vorerst in St. Johann. Nun konnte die Firma von Ernst Heckel Turmseilbahnen zur Aufschüttung von Halden in Völklingen, in Lothringen, im Elsass und in Nordfrankreich herstellen. Der Erfolg der Fa. Ernst Heckel spiegelte sich auch im prachtvollen, neuen Gebäude für die Verwaltung in der Graf-Johann-Straße, ein Jugendstil-Kleinod, das im Zweiten Weltkrieg komplett zerstört wurde.

Bis 1914 hatte die Firma 200 Arbeiter beschäftigt, für die sich Ernst Heckel engagierte. So wurden fünf Doppelhäuser mit je vier Wohnungen in Rohrbach errichtet, sowie eine evangelische Schulstelle. Daneben betätigte sich Ernst Heckel auch als Mäzen, gründete 1912 den Saarbrücker Orchesterverein, 1913 einen Theaterverein und unterstützte die hiesige Theater- und Musikszene.

Trotz aller Erfolge musste er im Jahr 1927, wohl wegen der Weltwirtschaftskrise, seine Firma an die Felten & Guilleaume Carlswerk AG, Köln verkaufen, die wiederum später zum Arbed-Konzern gehörte. Das Großunternehmen hatte nun Fabriken an der Saar und in Baden, sowie technische Büros in Berlin, Paris, London oder Charleroi.

1930 wurde von der Fa. Ernst Heckel die erste Personendrahtseilbahn mit Großkabine im Breisgau errichtet, 1935 die Standseilbahn von Montmatre in Paris, 1955 die Seilbahn von Caracas, lange Zeit die größte Großkabinenseilbahn der Welt. Eine Seilbahn der Firma existiert noch heute und sogar in Saarbrücken. Denn im Jahr 1960 wurde die Seilbahn im Deutsch-Französischen-Garten von der Fa. Heckel erbaut. Der sicher spektakulärste Auftrag der Firma Ernst Heckel in Deutschland war ab 1961 (später mit Partnern) der Bau der Eibsee-Seilbahn zur Zugspitze hinauf – die Bahn überwand mit knapp 2000 Metern von allen Pendelbahnen der Welt den größten Höhenunterschied innerhalb einer Sektion (2017 wurde sie durch die Nachfolge-Seilbahn ersetzt).

 Nach verschiedenen Übernahmen durch unterschiedliche Firmenkonsortien kam die frühere Firma Ernst Heckel im Jahr 1987 an die Krupp Fördertechnik GmbH, die den Seilbahnbereich dann aufgab. Somit endete die Geschichte des Saarbrücker Unternehmens, das ursprünglich weltweit tätig war.

Aber was wurde aus der Firma Georg Heckel? Sie expandierte um die Jahrhundertwende ebenfalls stark, das Gelände in der Martin-Luther-Straße wurde zu klein, daher zog der Betrieb im Jahr 1938 auf ein Gelände nach Burbach, auch mit Gleisanschluss. Bis in die 1960er Jahre erwirtschaftete dieser Zweig des Familienbetriebs, der bis zu 800 Mitarbeiter hatte, Gewinne.

Im Jahr 1965 wurde die Fa. Georg Heckel an die Neunkircher Eisenwerke verkauft, ab da liefen die Geschäfte wohl auch infolge der Stahlkrise schlechter. 1977 kam die Firma zu Arbed-Saarstahl, seither verdichteten sich Gerüchte über eine Schließung des Werks.

Als die Mitarbeiter damals aus der Saarbrücker Zeitung erfuhren, dass die Firma in Saarbrücken geschlossen und Draht nur noch in Köln gefertigt werden sollte, traten einige Mitarbeiter in einen Hungerstreik. Vorerst mit Erfolg, aber 1982 gab es erneut Anzeichen einer Werksschließung. Die Mitarbeiter kämpften vor Ort um den Erhalt der Firma, besetzten sogar kurzerhand den Betrieb, auch die Ehefrauen der Arbeiter engagierten sich stark. Aber nichts half, im März 1983 wurde die Fa. Georg Heckel geschlossen – 199 Jahre nach ihrer Gründung.

Die Landeshauptstadt Saarbrücken erwarb das Gelände, heute befindet sich dort das SITZ, das Saarbrücker Innovations- und Technologiezentrum. Die Firmen der Brüder Heckel sind schon lange Geschichte, heute erinnern nur noch die Georg-Heckel-Straße in Burbach, sowie die Ernst-Heckel-Straße in St. Ingbert-Rohrbach an sie.

 Minister Werner Klumpp (links) spricht am Wirtschaftsministerium mit Arbeitern der Firma Georg Heckel, die um ihre Existenz bangen.
Minister Werner Klumpp (links) spricht am Wirtschaftsministerium mit Arbeitern der Firma Georg Heckel, die um ihre Existenz bangen. Foto: Werner Wunderlich
 Das Verwaltungsgebäude der einstigen „Georg Heckel GmbH, Drahtseilfabrik und Drahtwerk“ 1982 in Saarbrücken-Burbach. 
Das Verwaltungsgebäude der einstigen „Georg Heckel GmbH, Drahtseilfabrik und Drahtwerk“ 1982 in Saarbrücken-Burbach.  Foto: Julius C. Schmidt
 Die alte, 2017 ersetzte Seilbahn zur Zugspitze wurde ab 1961 von der Saarbrücker Ernst Heckel GmbH (später mit Partnern) gebaut.  
Die alte, 2017 ersetzte Seilbahn zur Zugspitze wurde ab 1961 von der Saarbrücker Ernst Heckel GmbH (später mit Partnern) gebaut.   Foto: picture alliance / dpa-tmn/Bayerische Zugspitzbahn/dpa
 1960 baute die Ernst Heckel Gmbh die kleine Seilbahn im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken (hier Sommer 2013).
1960 baute die Ernst Heckel Gmbh die kleine Seilbahn im Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken (hier Sommer 2013). Foto: BECKERBREDEL/bub/BECKERBREDEL/ck
 Ernst Heckel (1861 bis 1949, undatiertes Foto) gründete 1905 aus der Firma Georg Heckel heraus ein zweites Unternehmen.
Ernst Heckel (1861 bis 1949, undatiertes Foto) gründete 1905 aus der Firma Georg Heckel heraus ein zweites Unternehmen. Foto: tkf

Ihr imposantes Familiengrab, in dem sowohl Vater Georg Peter Heckel, als auch die Söhne Ernst und Georg Julius mit Familien beigesetzt sind, existiert heute noch auf dem Alten Friedhof St. Johann.