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„Outdoor Escape Room“ nennt sich ein ganz neuer Anbieter in Saarbrücken

Serie Abenteuer in der Region : Auf den Spuren des „Gedankendiebs“

„Outdoor Escape Room“ nennt sich ein ganz neuer Anbieter, der das echte Saarbrücken mit virtueller Realität verknüpft und so eine ganz neue Welt erschafft. In dem Spiel muss der böse „Gedankendieb“ besiegt werden.

Escape Room – geht es dabei nicht darum, mit viel Geschick aus einem Raum auszubrechen? Und wie soll das dann draußen funktionieren? „Wir haben den Begriff bewusst paradox gewählt“, erklärt Carolin Woirgardt, die das Spiel mit zwei Partnern entwickelt hat. „Der Name Escape Room hat sich einfach für Spiele durchgesetzt, bei denen man mit dem Lösen von Rätseln zu einem Ziel kommt. Bei uns passiert das eben draußen.“ Auch wenn ihr neues Spiel „Der Gedankendieb“ schon ab dem Alter von acht Jahren funktioniert, richtet es sich im Grunde an alle Altersklassen.

Ich habe zu dem Termin zwei junge Männer Anfang 20 mitgebracht – keine schlechte Idee, denn Leon und Kayra verfügen über viel Erfahrung mit Rätselspielen. Das soll sich noch als nützlich herausstellen. Wir treffen uns in Saarbrücken auf dem Nanteser Platz. Woirgardt übergibt uns ein Tablet und eine Tasche, an der ein Lautsprecher befestigt ist. In der Umhängetasche finden wir Gegenstände, die wir später noch brauchen werden. Doch zunächst bekommen wir eine Einführung, die uns die Symbole auf dem Tablet und den Spielablauf erklärt.

Wenn wir mal nicht weiterkommen sollten, können wir auf den Blitz tippen – dann gibt es Tipps, wie das Rätsel leichter zu lösen ist. Die Sicherheitshinweise enden mit dem Scherz, dass wir uns nicht unbegleitet in aktive Vulkane abseilen sollen – das dürfte auch schwierig werden hier in der Umgebung des Saarbrücker Schlosses. Und los geht’s!

Was sofort beeindruckt: „Der Gedankendieb“ verfügt über Objekte der sogenannten Augmented Reality („Erweiterte Realität“). Konkret bedeutet das, dass ich auf das Tablet schaue und dort exakt die gleiche Umgebung wie in echt erkenne. Nur, dass da anstelle eines Baumes ein verwunschenes Eintrittskartenhäuschen erscheint. „Was kostet der Eintritt für den Jahrmarkt?“, ist dann das erste Rätsel, das gelöst werden muss.

Die ganze Geschichte dreht sich um eben diesen Jahrmarkt, auf dem unter anderem Wahrsagerinnen, Gaukler und eine Geisterbahn auftauchen. Am Ende des Spiels erscheint hinter der Ludwigskirche sogar ein ganzes Karussell – natürlich nur auf dem Tablet, aber dennoch täuschend echt. Der böse Gedankendieb, den es zu besiegen gilt, hat viele wichtige Dinge des Jahrmarkts entwendet, sodass es scheint, als läge ein böser Fluch darauf. Die Spieler dringen also in eine Welt der Magie ein mit ganz typischen Protagonisten. Dass der junge Mann auf dem Promofoto der Webseite www.outdoorescaperoom.de (dort kann das Spiel gebucht werden) eine gewisse Ähnlichkeit mit Harry Potter aufweist, kann von daher kein Zufall sein. So wie sich in dessen Romanen die Zeitungsfotos bewegen, so klappt das auch, wenn wir das Tablet auf die „Luna Gazette“, die Jahrmarkt-Zeitung aus der Spieltasche, richten. Dann fängt eine abgebildete Figur an zu reden und bringt den Spielverlauf voran.

Wir, beziehungsweise meine jungen Begleiter, kommen gut vorwärts. Wird ein Rätsel gelöst, müssen wir zur nächsten Station laufen. Vom Nanteser Platz geht es hinter das Saarbrücker Schloss. Dort wartet unter anderem ein Rätsel auf uns, das in der Geisterbahn des Jahrmarkts spielt. Diese ist bereits seit Tagen defekt, weswegen nun auch noch die Geister auf dem Jahrmarkt ihr Unwesen treiben. Anschließend müssen wir bei der Tombola einige knifflige Fragen beantworten. Als Belohnung gibt es einen Gegenstand, der uns noch hilfreich sein wird.

Wir werden wieder in Richtung Nanteser Platz geschickt. In einer Gasse müssen wir plötzlich ein ganz analoges Rätsel lösen: In der Spieltasche befindet sich eine Schatulle, deren Schloss wir knacken müssen, um an weitere Gegenstände zu gelangen. Zum Glück schafft es der knobel-erfahrene Leon – ich hätte noch viel länger gebraucht. Dann geht es auf den Ludwigsplatz, wo besagtes Karussell erscheint. Eine sprechende Katze taucht auf dem Tablet auf und hilft uns weiter. Es gelingt uns schließlich, den Gedankendieb zu finden und ihm das Handwerk zu legen. Das Spiel hat knappe zwei Stunden gedauert – die sind jedoch im Nu verflogen.

Auch wenn Kinder vielleicht noch besser in so eine magische Welt eintauchen können, hat das Spiel doch auch uns Erwachsenen viel Spaß gemacht. „Unglaublich, was die Augmented Reality mittlerweile kann“, meint Leon hinterher. Seit Anfang Juli bietet Woirgardt das Spiel gemeinsam mit ihrem Partner David Seel an. Mit einem Freund aus der Schweiz haben sie das Spiel entwickelt und wollen es bald auch noch für andere Städte umsetzen. Laut den Machern basiert es auf einer in dieser Form bisher einzigartigen Technologie.

  Grübeln über dem Outdoor-Escape-Room-Spiel: Unser Autor Sebastian Dingler (l) mit Leon und Kayra.
Grübeln über dem Outdoor-Escape-Room-Spiel: Unser Autor Sebastian Dingler (l) mit Leon und Kayra. Foto: Sebastian Dingler
 Das Outdoor Escape Room-Spiel ist ein Spaß an der frischen Luft.
Das Outdoor Escape Room-Spiel ist ein Spaß an der frischen Luft. Foto: Sebastian Dingler
 Mit Hilfe der Jahrmarkt-Zeitschrift „Luna Gazette“ ist das Rätsel fast geschafft.
Mit Hilfe der Jahrmarkt-Zeitschrift „Luna Gazette“ ist das Rätsel fast geschafft. Foto: Sebastian Dingler
 Wie könnte es hier weitergehen, fragen sich die Spieler auf ihrem Weg durch Saarbrücken.
Wie könnte es hier weitergehen, fragen sich die Spieler auf ihrem Weg durch Saarbrücken. Foto: Sebastian Dingler
 Wo auf dem Nanteser Platz ein Baum steht, erscheint im Spiel ein Tickethäuschen. Die „Augmented Reality“ macht’s möglich.
Wo auf dem Nanteser Platz ein Baum steht, erscheint im Spiel ein Tickethäuschen. Die „Augmented Reality“ macht’s möglich. Foto: Sebastian Dingler
 Carolin Woirgardt hat das Spiel zusammen mit zwei Partnern entwickelt. 
Carolin Woirgardt hat das Spiel zusammen mit zwei Partnern entwickelt.  Foto: Sebastian Dingler
 Logo Abenteuer in der Region
Logo Abenteuer in der Region Foto: SZ

Es fällt auf, wie viel Mühe und Liebe zum Detail die Entwickler in das Spiel gesteckt haben: Die Sprecher könnten aus jedem Kinofilm stammen, Musik und Soundeffekte spiegeln die Welt des Jahrmarkts wider und die Figuren der virtuellen Welt wirken adäquat und echt. Derzeit arbeitet das Dreierteam nach eigener Aussage schon am nächsten „Outdoor Escape Room“. Darin soll es dann deutlich düsterer zugehen als auf dem Jahrmarkt. „Die Spieler müssen unter anderem einen Mordfall aufklären und eine Verschwörung aufdecken“, sagt Woirgardt. Mehr will sie aktuell noch nicht preisgeben.