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Pfarrer Benedikt Welter verlässt Saarbrücken und geht nach Trier

Der „oberste Katholik“ Saarbrückens geht nach Trier : Pfarrer verlässt Saarbrücken nach 16 Jahren: „Groß geworden in einer Kirche, die es nicht mehr gibt“

Benedikt Welter verlässt nach 16 Jahren als Pfarrer und Dechant Saarbrücken. Er arbeitet künftig in Trier als Domkapitular und Chef des Diözesan-Caritasverbands.

Es ist schon viele Jahre her, aber Benedikt Welter erinnert sich noch gut an diesen Satz von Felix Genn: „Saarbrücken“, habe der damals fürs Saarland zuständige Trierer Weihbischof gesagt, „ist die säkularste Stadt des Bistums“. Also die aus kirchlicher Sicht weltlichste Stadt, in der die Religion keine große Rolle spiele. Felix Genn ist inzwischen Bischof von Münster. Und Benedikt Welter glaubt nach 16 Jahren in Saarbrücken sagen zu können: „Das sehe ich nicht so.“

2005 kam Welter als Pfarrer nach St. Jakob in Alt-Saarbrücken. Fünf Jahre später wurde er vom Bischof zum Dechant für das ganze Dekanat Saarbrücken ernannt. Zum Jahreswechsel verlässt der 1965 in Neuwied geborene Priester Saarbrücken, um in Trier unter anderem die Leitung des Diözesan-Caritasverbands zu übernehmen. Der Abschied kommt mit einem Jahr Verspätung, denn eigentlich sollten bereits vor einem Jahr die neuen „Pfarreien der Zukunft“ entstehen, Großpfarreien mit neuer Leitungsstruktur.

Benedikt Welter war in der Bistums-Synode ein engagierter Streiter für diese Reform. Die Kirche müsse der Realität ins Auge sehen, findet Welter. Und die sei nunmal schwierig. „Die Austrittszahlen steigen, auch wenn wir das in Saarbrücken innerhalb der Pfarreien nicht so sehr merken, weil die sehr lebendig sind und die Arbeit der Kirche ein Echo findet“, sagt er. Aber weniger Mitglieder bedeutet weniger Geld. Dazu kommt der Mangel an Priestern. Für ihn sei deshalb klar: „Es ist ein Erneuerungsprozess notwendig.“

„Den ersten Versuch der Umsetzung der Synode ist uns römisch verhalt worden“, bedauert Welter. Durch den Einspruch des Papstes seinen die „Pfarreien nochmal gestärkt worden“. Dennoch fürhre kein Weg daran vorbei, die Kirche auch in Saarbrücken anders zu organisieren. Einen ersten Schritt ist man 2013 durch die Zusammenlegung der Dekanate Saarbrücken und Sulzbach gegangenen. Zum 1. Januar nun werden die vier Sulzbacher Pfarreien zu einer zusammengelegt. Die drei Pfarreien im Scheidter Tal auch. In St. Johann hat es bereits Zusammenlegungen gegeben, am 1. Januar fusionieren dort nun auch noch die beiden verbliebenen Pfarreien.

Es sei wichtig, dass das nicht einfach von oben verordnet wird. Der Bischof habe das nach intensiven Beratungen innerhalb der Synode, an der Vertreterinnen und Vertreter aller Bereiche des kirchlichen Lebens teilgenommen haben, beschlossen. „Wir müssen nun alle mitnehmen auf diesem Weg: Leute um die 70, die in einer Kirche groß geworden sind, die es nicht mehr gibt, und junge Menschen, die diese Kirche gerade erst für sich entdecken“, sagt Welter. Klar sei: „Es gibt nicht das eine Rezept, das garantiert: Wenn wir das machen, wird alles wieder gut.“

Wichtig sei für ihn die Erfahrung, dass sich all’ die Menschen, die um den richtigen Weg der Kirche im Bistum Trier im Allgemeinen und in Saarbrücken im Besonderen, „treffen auf Grundlage des Glaubens“. Und da sei für ihn die „Botschaft von einem menschgewordenen Gott“ der zentrale Ansatz. Die Vielfalt der Menschen und ihrer Ansätze sei dabei kein Nachteil. „Die unterschiedlichen Milieus sind ein Rechtum“, sagt Welter.

So offen, wie man über die notwendigen Schritte zur Erneuerung des kirchlichen Lebens sprechen muss, müsse man auch über ein Thema sprechen, das insbesondere das Bistum Trier schwer belastet. „Als ich 2010 Dechant wurde, war das auch das Jahr, in dem es begonnen hat mit den intensiven Nachrichten über sexuelle Gewalt in der Kirche“, erninnert sich Welter. Der Name des langjährigen Burbacher Pfarrers Klaus Konstroffers „war einer der ersten, die damals genannt wurden“, sagt Welter. Noch bevor der Name öffentlich wurde, habe er damals Oberbürgermeisterin Charlotte Britz und Regionalverbandsdirektor Peter Gillo informiert. „Da liefen damals die Drähte heiß“, erinnert sich Welter. Für ihn sei klar: „Wir müssen offen damit umgehen. Wir müssen zeigen, dass wir an der Aufarbeitung dran sind und uns um Schutzkonzepte, also um Prävention kümmern.“ Das scheinen in Trier nicht alle verstanden zu haben.

Dass es gut für die Kirche ist, „als verlässlicher Gesprächspartner wahrgenommen zu werden“, habe sich in Saarbrücken gezeigt. „Die Stärke der katholischen Kirche in Saarbrücken ist, dass wir gut vernetzt sind“, glaubt Welter. Man arbeite mit anderen Religionsgemeinschaften, mit der Politik, mit sozialen Organisationen zusammen, weil es ein gemeinsames Ziel gebe: Menschen, denen es nicht so gut geht, zu helfen. So sei es möglich, dass Menschen mit und ohne einen Glauben zusammenfinden, um etwa arme Menschen mit Lebensmitteln zu versorgen oder sich wie in der „Bunt statt Braun“-Bewegung gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass zu stellen.

„Das, was Menschen hilft“, verbinde die Kirche mit vielen Menschen, die ansonsten keinen Berührungspunkte zum Katholizismus haben. Daher teile er die Einschätzung von Felix Genn nicht. „Ich habe nie den Eindruck gehabt, dass uns als Kirche nicht aufgetan wurde, wenn wir irgendwo angeklopft haben“, sagt Welter. Auch deshalb bleibe er von Trier aus Saarbrücken verbunden. Und weil das Grab seines Vaters in dieser Stadt ist. Und weil er auf dem Halberg beim SR weiterhin seine Beiträge als „Wort zum Sonntag“-Prediger aufzeichen werde.

Das Dekanat leitet künftig Clemens Grünebach. Er kümmert sich auch um die Pfarrei St. Jakob, bis man in Trier einen neuen Pfarrer für Alt-Saarbrücken gefunden hat.