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Die Orgel der Kirche Liebfrauen in Püttlingen und ihr Organist Claus Bär

Serie: Große Orgeln in unserer Region : Diese Königin kommt aus Lothringen

Die Orgel der Püttlinger Liebfrauenkirche ist ein hochwertiges Instrument der Orgelfirma Haerpfer & Erman. Ihr Organist Claus Jakob Bär spielt aber noch auf anderen Hochzeiten.

Claus Bär schaut hoch hinauf zum Kirchengewölbe, lässt Blicke zu den Seitenschiffen schweifen und weiß dabei mancherlei zu erzählen: Verschiedene Stile haben ihre Spuren an und in der Püttlinger Liebfrauenkirche hinterlassen, die in leicht erhöhter Position über dem Zentrum der saarländischen Gemeinde ruht.

Das um 1890 in neugotischer Formensprache errichtete Gotteshaus hat eine wechselvolle Geschichte. Seit den 1920er-Jahren wurde hier nahezu ständig umgebaut und restauriert, und in den 50er- und 60er- Jahren führten Erweiterungsmaßnahmen sogar zu grundlegenden Veränderungen des Gebäudes.

Zu den liebenswerten optischen Besonderheiten der Liebfrauenkirche gehört heute eine bolivianische Skulptur, die sich – in freundlicher Transparenz freilich – quadratisch vor dem Arbeitsplatz von Claus Bär ausbreitet, dem Spieltisch der Orgel.

Als Herr über ein hochwertiges Instrument der Orgelfirma Haerpfer & Erman, eine Zierde der Liebfrauenkirche, verfügt der Kirchemusiker über optimale Möglichkeiten, das Gotteshaus mit mächtigen aerophonen Klängen zu füllen – sei es nun bei Messen oder Konzerten. Doch ist der Püttlinger Claus Jakob Bär als Organist nicht nur für die denkmalgeschützte Liebfrauenkirche zuständig, sondern für alle drei Gotteshäuser des Kirchengemeindeverbands (KGV).

Obendrein leitet Bär als Chordirektor die drei Kirchenchöre des KGV, die Chorgemeinschaft Fidelio Püttlingen und den Polizeichor des Saarlands; außerdem ist er künstlerischer Kopf des Förderkreises Kirchenmusik St. Sebastian.

Zu Bärs Pflichten in Sachen Chorarbeit, Gottesdienstgestaltung, Konzertplanung und Durchführung kommt die Instrumentenpflege aller drei KGV-Orgeln, und zwar in Zusammenarbeit mit der allgegenwärtigen Orgelbau-Firma Mayer aus Heusweiler.

Ursprünglich, so erzählt Bär, besaß die Liebfrauenkirche ein Instrument der bekannten Bonner Firma Klais: „Die alte Orgel wurde im Jahr 1902 als Opus 220 erbaut und verfügte über 21 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal; sie befand sich auf der Empore.“

Anno 1954 folgte das heutige Instrument der französischen Orgelschmiede Haerpfer & Erman „unter Verwendung einiger Teile der Vorgängerorgel“, so Bär. Die im grenznahen Boulay (deutsch schlicht Bolchen) beheimatete Firma Haerpfer & Erman („Manufacture Lorraine des Grandes Orgues“) existierte von 1863 bis 1999 und belieferte bevorzugt Lothringen, das Saarland und die Pfalz.

Die H&E-Orgel in Liebfrauen, die sich in der Apsis hinter dem Altar befindet und 1995 einen neuen Spieltisch erhielt, „verfügt über 45 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal“, so Claus Bär. „Das Kegelladen-Instrument ist im Chorraum hinter dem Hochaltar aufgestellt; die Spiel- und Registertraktur ist elektropneumatisch.“

Die Klangcharakteristik kennzeichnet der Hausorganist als „neobarock, als Symbiose aus französischer Romantik und einer an den Idealen des barocken Orgelbaus orientierten Klangästhetik.“ Das Instrument sei „durchaus fähig, Literatur diverser Epochen zu interpretieren“, und „klanglich sehr ausgewogen“, lobt Bär: „Die Disposition ist ideal für den relativ großen Kirchenraum der Liebfrauenkirche – ich schätze an dieser Orgel sehr die Diversität der Klangfarben und Möglichkeiten, die das Instrument im Gottesdienst wie auch zur Begleitung des Chores und bei Konzerten bietet.“

Und in dieser Hinsicht gab’s in der Liebfrauenkirche bereits allerlei Gelegenheiten. Bär berichtet von zahlreichen Chor- und Orgelkonzerten, besonders mit den Püttlinger Musikern Kantor Gerhard Speicher und Leo Krämer. Außerdem fanden Konzerte mit regionalen und internationalen Gastorchestern statt, unter anderem dem RSO Saarbrücken (heute: Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslauern), mit den Sofioter Solisten aus Bulgarien oder der Estnischen Philharmonie Tallinn.

Wegen der Pandemie war nun lange Pause. „Aber die konzertlose Zeit wurde genutzt“, so Bär: „Die Orgel wurde im Sommer 2020 renoviert: Reinigung aller Pfeifen, Reparatur der Magazinbälge, Erneuerung der Elektrik und mehr – rechtzeitig zu Weihnachten 2020 waren Reinigung und Renovierung abgschlossen.“

 Organist Claus Bär am Spieltisch der Orgel der Liebfrauenkirche in Püttlingen.
Organist Claus Bär am Spieltisch der Orgel der Liebfrauenkirche in Püttlingen. Foto: Kerstin Krämer/KERSTIN KRAEMER

An Maria Himmelfahrt wurde das generalüberholte Instrument von dem international gefragten Leo Krämer wieder konzertant eingeweiht. Leider sind in diesem Jahr keine weiteren Veranstaltungen mehr geplant, bedauert Claus Bär, doch ist der Liebfrauen-Organist selbstverständlich bei den regelmäßigen Gottesdiensten an den 45 Registern „seiner“ stattlichen Königin der Instrumente aktiv.