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Köllertal: Plötzlich keine Blitzer mehr – Säulen in Püttlingen, Heuweiler, Riegelsberg weg

Abbau der Säulen : Und plötzlich ist das gesamte Köllertal eine blitzerfreie Zone

Alle stationären Blitzer-Säulen in Püttlingen sind abgebaut. Und was ist mit dem gemeinsamen mobilen Blitzer von Heusweiler und Riegelsberg? Auch der kommt nicht zum Einsatz.

„Blitz!“ – Bei Autofahrern sind sie äußerst unbeliebt, jene teuren Fotos, die zu Punkten in Flensburg und Führerscheinverlust führen können. Seit etwa zehn Jahren gab es in der Hauptverkehrsachse durch Püttlingen und Köllerbach und somit durchs Köllertal zwei fest installierte Blitzer-Säulen. Doch die sind seit ein paar Tagen abgebaut. Aber nicht nur das: Auch die anderen vier Säulen im Püttlinger Stadtgebiet sind verschwunden. Und das mobile Gerät, das sich Riegelsberg und Heusweiler Mitte 2016 gemeinsam zugelegt hatten, ist, wie jetzt bekannt wurde, seit März nicht mehr im Einsatz. Damit ist das Köllertal derzeit ein „Kommunal-Blitzer-freier-Raum“. Die Betonung liegt auf „Kommunal“, Geschwindigkeitskontrollen durch die Polizei kann es durchaus geben.

In Püttlingen seien die Blitzer-Säulen abgebaut worden, weil der Dienstleistungsvertrag mit der zuständigen Firma zum 30. September ausgelaufen ist, so die Erklärung der Püttlinger Stadtverwaltung. Hatten sich womöglich die Konditionen des Dienstleisters verschlechtert, so dass man den Vertrag deshalb nicht verlängern wollte? „Dies ist nicht der Fall, ausschlaggebend war das Ende der Vertragslaufzeit“, heißt es aus der Pressestelle.

Aber könnte jetzt nicht das Durchschnitts-Tempo in der Ortsdurchfahrt wieder nach oben schnellen? Oder hat es inzwischen womöglich einen dauerhaften „Lerneffekt“ bei den Autofahrern gegeben? Die Antwort dazu: „Ziel der Einrichtung der Blitzer-Säulen war es, das Geschwindigkeitsniveau zu senken und damit die Verkehrssicherheit zu erhöhen.“ Nach nun über acht Jahren entsprechender Verkehrsüberwachung könne man davon ausgehen, „dass dieses Ziel erreicht wurde. Insbesondere an den ehemals kritischen Bereichen an den Ortseingängen haben die Verkehrsteilnehmer ihr Fahrverhalten nachhaltig angepasst, so dass Verkehrsverstöße dort verschwindend gering geworden sind.“

Die Erfahrungen hätten zudem gezeigt, dass auch nach mehrwöchigen Unterbrechungen an den einzelnen Messstellen „keine merkliche Veränderung des Geschwindigkeitsverhaltens eintritt“. Die Zahl der Verstöße sei Jahr für Jahr deutlich zurückgegangen, so Rebecca Polizzi, in der Stadtverwaltung unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Im Jahr 2020 seien an den insgesamt elf Messstellen – fünf Säulen in zwei Richtungen, eine Säule in eine Richtung – an 366 Tagen insgesamt etwa 3000 Geschwindigkeits-Übertretungen festgestellt worden.

Als das „stationäre Blitzen“ Mitte 2011 zunächst als Modellversuch begonnen hatte, wurden noch pro Tag und nur an einem einzigen Gerät in der Püttlinger Bahnhofstraße 130 bis 190 Autos erfasst, die mit über 60 Stundenkilometer unterwegs waren (erlaubt sind 50). Wie zu Beginn, so war auch zuletzt, im Jahr 2020, das „Blitzen“ keine Möglichkeit für die Stadt, um Kasse zu machen: Bei der Ermittlung der Kosten für die Blitzer-Säulen müssten auch die Personal- und Sachkosten berücksichtigt werden. „In der Summe“, so Rebecca Polizzi, „waren die Gesamtausgaben höher als die Gesamteinnahmen in Höhe von 61 355,86 Euro.“

An den bisherigen Messpunkten sollen nun nach und nach „Geschwindigkeitsdisplays“ angebracht werden, die also ohne zu „blitzen“ den Vorbeifahrenden ihre Geschwindigkeit vor Augen führen. Die Stadt Püttlingen habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wird jetzt die Geschwindigkeit wieder verstärkt mobil überwacht? „Grundsätzlich“, so die Antwort der Stadtverwaltung, „obliegt die Verkehrsüberwachung der Vollzugspolizei.“ Ob diese nun mehr kontrolliere, sei nicht bekannt.

Ein mobiles Überwachungsgerät hatten sich zunächst alle drei Köllertal-Kommunen gemeinsam angeschafft. Mitte 2016 war ein neues fällig, das sich dann nur noch Heusweiler und Riegelsberg teilten. Warum das jetzt ausgemustert wurde, erklärt der Riegelsberger Pressesprecher Rouven Winter: Bei mehreren Geräte der auch im Köllertal genutzten Marke sei, nach Überprüfungen, durch verschiedene Gerichte in Deutschland festgestellt worden, „dass beim Einsatz dieses Gerätes die Möglichkeit von ungenauen Messwerten besteht“. Daher sei das gemeinsame Gerät von Heusweiler und Riegelsberg seit vorigen März nicht mehr im Einsatz.

Irgendwann könnte es wieder kommunale Blitzer geben: Derzeit befänden sich alle drei Köllertal-Kommunen im „konstruktiven Austausch“, um eventuell wieder ein gemeinsames Verkehrsüberwachungs-Konzept zu erstellen.

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