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Quierschied im Clinch mit der Deutschen Bahn

Streit um Brückenarbeiten am Bahnhof und ihre Folge : Quierschied im Clinch mit der Deutschen Bahn

Die Folgen der Brückenarbeiten am Bahnhof in Quierschied sind gravierend und langwierig. Eine Einigung mit der Deutschen Bahn Netz AG wegen barrierefreier Zugänge zu den Bahnsteigen konnte die Gemeinde nicht erreichen. Jetzt bereitet sich der Ort auf das Unvermeidliche vor.

Bei den Planungen zu den dringend notwendigen Brückenarbeiten am Bahnhof bleibt die Gemeinde Quierschied weiter außen vor. Bürgermeister Lutz Maurer hofft noch auf die Möglichkeit der Finanzierung eines barrierefreien Zugangs. „Dass die Bahnhofsbrücke in Quierschied saniert werden muss, das steht völlig außer Frage“, so Maurer gegenüber der SZ. Die Bauarbeiten rund um den Quierschieder Bahnhof sollen im September 2022 beginnen. Wie die DB Netz AG diese Baumaßnahmen allerdings von Beginn an eingestuft hat, und welche Konsequenzen diese Einstufung für die Gemeinde, etliche Gewerbetreibende und etwa 300 bis 400 Anwohner haben wird, darüber waren sie in Quierschied alles andere als angetan. Dass die DB Netz sich zudem nicht bereit erklärte, noch ein paar Euro mehr in die Hand zu nehmen, um die Zugänge zu den Bahnsteigen in Zukunft barrierefrei zu gestalten, das brachte dann das Fass zum Überlaufen. Mit der Begründung, es handele sich bei den anstehenden Arbeiten an der Eisenbahnbrücke nicht um eine Neubaumaßnahme, umging die DB Netz AG ein Planfeststellungsverfahren, das der Gemeinde und den Anwohnern mehr Einflussnahme und ein höheres Mitspracherecht bei der Ausführung der Baumaßnahmen ermöglicht hätte. Dabei war spätestens nach der Vorlage der Pläne durch die DB Netz klar, dass die Arbeiten zu erheblichen Beeinträchtigungen führen würden. „Die Baumaßnahmen werden sich mindestens über neun Monate hinziehen und mit hohen Lärmbelastungen und Einschränkungen für den Personen- und Autoverkehr einhergehen“, erklärt Maurer. „Wir waren und sind weiterhin der Meinung, dass die Bauarbeiten weit über eine einfache Sanierung hinausgehen und eher einem Neubau gleichkommen.“

Entsprechend legte die Gemeinde ein Veto ein und verhandelte mit der DB Netz AG bis zur höchsten Instanz. „Wir hatten selbst in den Reihen der DB Netz AG Fürsprecher, konnten uns aber letztendlich nicht durchsetzen“, so Maurer. „Es bleibt dabei, dass es kein Planfeststellungsverfahren geben wird und wir als Gemeinde somit keinen Einfluss auf die Baustellengestaltung haben.“ Weil nicht nur einfach die alte Brücke durch eine neue ersetzt wird, sondern vielmehr der gesamte Unterbau zunächst abgetragen werden muss, dann neue Verankerungen eingetrieben und ein neuer Unterbau angebracht werden müssen, wird es häufiger zu Vollsperrungen im Bereich Bahnhofstraße und Quierschieder Straße kommen. „Die Bauarbeiten gehen weit über eine bloße Sanierungsmaßnahme hinaus.“ Maurer: „Der direkte Weg von der einen Bahnhofsseite zur anderen wird dann vollends gekappt sein. Hiervon sind besonders die Anwohner in der Heinrich-Heine-Straße, in der Schillerstraße und in der Jägerstraße auf der anderen Seite des Bahnhofs betroffen. Außerdem die Fahrzeuge der Firma Willi Meiser GmbH, die in nicht geringer Zahl jeden Morgen vom Hof des Firmengeländes in der Straße Am Güterbahnhof ausschwärmen und die Beschäftigten und Kunden des Malerbetriebs Daniel GmbH. Besonders arg wird es den ,Kupferkessel’ treffen. Die beliebte Kneipe liegt dem kommenden Bauplatz direkt gegenüber und wird die Auswirkungen mehr als zu spüren bekommen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn werden erst die neuen Stützverankerungen eingetrieben, wird es nicht nur enormen Lärm, sondern vielmehr extremste Erschütterungen geben.“ Derweil hat die Bäckerei Götzinger, nach 92 Jahren Betriebstätigkeit, zum 19. Juli 2021 ihre Pforten geschlossen. Die Familie Strobel-Götzinger verweist auf einem Aushang an der Eingangstür explizit auf die „geplante Vollsperrung für mindestens neun Monate durch die Deutsche Bahn AG“ und führt diese, neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie, als zwingenden Grund für die Schließung ihres Geschäftes an.

Unterdessen versucht die Gemeinde Quierschied, das Beste für die Bürgerinnen und Bürger heraus zu holen. „Uns bleibt nichts weiter, als immer wieder darüber aufzuklären, was kommen wird und wie die Betroffenen sich gegenüber der DB Netz AG schadlos halten können“, so Bürgermeister Maurer. „Durch die zu erwartenden, heftigen Erschütterungen während der Baumaßnahmen können Schäden auftreten, die es gilt, nachzuweisen und geltend zu machen.“ Die Bürger sollen wissen, dass sie bei Lärmbelästigungen auf eine zeitweilige Unterbringung in einem Hotel pochen können. Die Gemeinde wird in regelmäßigen Abständen Informationsveranstaltungen anbieten. „Auf der anderen Seite wollen wir ja auch keinen Krieg gegen die DB Netz AG führen und weiterhin in Verhandlungen bleiben“, betont Maurer. „Uns geht es jetzt vor allem darum, im Zuge der Baumaßnahmen doch noch einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen zu verwirklichen. Wenn wir die Mittel dafür selbst aufbringen können, wäre die DB Netz AG eventuell bereit, den barrierefreien Zugang in die Pläne einzubeziehen.“ Diesbezüglich ist die Gemeinde Quierschied bereits an das Wirtschaftsministerium herangetreten und hofft zumindest in dieser Sache auf einen positiven Ausgang.