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Quierschied:Karin Lawall, SPD-Politikerin und Ex-Bürgermeisterin im Gespräch

Gespräch mit Karin Lawall : Ex-Bürgermeisterin von Quierschied: „Ich möchte weiterhin etwas bewegen“

Obwohl sie seit fünf Jahren nicht mehr Bürgermeisterin von Quierschied ist, kann bei Karin Lawall von Ruhestand keine Rede sein.

„Viele andere Menschen in unserer Gemeinde und in unserer Gesellschaft engagieren sich ehrenamtlich in den unterschiedlichsten Bereichen. Das tut einfach gut und macht eine Gemeinde lebendig und eine Gesellschaft lebens- und liebenswert“, sagt sie voller Überzeugung. „Es gibt auf vielen Ebenen etwas zu tun, und es sind viele Themen, die mich umtreiben, wenn ich an die Zukunft denke. Der Klimawandel, die Pandemie, der Strukturwandel und die Digitalisierung – das sind alles globale Themen, die uns gerade eine ganz schwierige Zeit bereiten – und meine Sorge um die Zukunft wächst. Um so wichtiger ist es, gerade jetzt vor Ort für soziale Nähe und Zusammenhalt zu sorgen, Vertrauen und Sicherheit zu bieten. Das kann im Kleinen passieren als Nachbarschaftshilfe oder über Beiräte, Vereine oder Kirchengemeinden“, erklärt sie – und man spürt, dass sie es genau so meint.

Lawall selbst ist im Vorstand des örtlichen Sozialverbands VdK tätig sowie in der SPD, als Kassenprüferin beim Kneipp-Verein, Fördermitglied unter anderem bei der Freiwilligen Feuerwehr, im Turnverein, und sie unterstützt mit ihrer Mitgliedschaft zahlreiche weitere Organisationen in ihrer Gemeinde.

Auch die Situation von Menschen in armen Ländern sei für sie immer ein wichtiges Thema gewesen, daher sei sie auch aktiv im Sulzbacher Verein „Hilf Benin“. Überörtlich ist sie im Beirat für Entwicklungszusammenarbeit tätig und im Vorstand des Vereins „Hilf Benin!“. Hier berät sie über Förderungen sogenannter NGOs, nicht staatlicher Hilfs- und Entwicklungsorganisationen, in Entwicklungsländern und unterstützt Projekte des Fairen Handels. Seit über 50 Jahren SPD-Mitglied, war sie während dieser Zeit mehr als 30 Jahre in unterschiedlichen Positionen engagiert, als Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Quierschied und in der Gemeinderatsfraktion.

Zusätzlich blickt sie zurück auf Tätigkeiten auf Kreis- und Landesebene. Beispielsweise war sie Landtags-Vizepräsidentin und Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Landtag. Politikerin ist sie mit Leib und Seele und mit sehr viel Herzblut – bis heute.

Ihre derzeitige Position im Bundesausschuss des Sozialverbandes VdK als geschäftsführendes Landesvorstandsmitglied und Landesschatzmeisterin nimmt daher eine besondere Rolle in ihrem Leben ein. In diesem Amt kann sie sich als Sprecherin der Arbeitsgruppe „Familienpolitik“ politisch einmischen und Finger in Wunden legen. „Gerade bei den Themen Kinderarmut, Situation von Eltern schwerstbehinderter Kinder, Inklusion, Teilhabe oder bei den Problemen Alleinerziehender gibt es so viel zu verbessern. Hier möchte ich weiterhin etwas bewegen“, sagte sie.

Besonders Kinder und Jugendliche liegen Lawall am Herzen. „Ihnen gehört die Zukunft, und es ist gut, wenn sie Ihre Interessen wahrnehmen und politisch mitmischen und sich hörbar machen in der Politik. Daher begrüße ich auch sehr die ,Fridays for Future’-Bewegung.“

Ihr größtes persönliches Glück seien aber ihre Familie und ihre Enkel. „Sie sind ein Geschenk, und ich möchte, dass sie gesund bleiben und eine gute Zukunft haben.“ Auf dem Foto in ihrem Bücherregal sieht man die Familie, von der sie spricht. Zwei Jungs und ein Mädchen im Alter von sieben, neun und elf Jahren strahlen einem entgegen. Sie nehmen ihre Oma oft und gern in Anspruch. „Ich bin froh, dass sie in der Nähe wohnen und mich mehrmals wöchentlich besuchen. Oft machen wir gemeinsame Ausflüge oder Wanderungen. Sie lernen, dass es auch anders geht in unserer Konsumgesellschaft.“ Nicht zuletzt hat Karin Lawall in ihrem „Ruhestand“ auch noch Zeit für gemeinsame Freizeitaktivitäten mit ihren Freundinnen. „Ich habe einen erfüllten Ruhestand und bin immer noch neugierig.“