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Göttelborn: Drogeriemarkt Thewes schließt nach über 50 Jahren

Bewegung in Göttelborns Ortsmitte : „Klein-Karstadt“: Drogeriemarkt Thewes schließt nach über 50 Jahren

Während Altes sich verabschiedet, wächst im Quierschieder Ortsteil Göttelborn viel Neues. Stimmen dazu haben wir an einem traditionellen Treffpunkt der Bürger, im Drogeriemarkt Thewes, aufgefangen.

Göttelborn ist irgendwie anders als die anderen Gemeinden und Städte im Sulzbach- und Fischbachtal. Während man oben am Ortsausgang nach Holz und zur Göttelborner Höhe auf exakt 444 Meter häufig schon Anfang November im Schnee stecken bleiben kann, kann es derweil auf der anderen Seite Richtung Merchweiler staubtrocken sein. Zwischen diesen beiden Eckpunkten liegt nicht nur ein gewaltiger Höhenunterschied, sondern auch eine langgezogene Hauptstraße, die auf den ersten Blick keinen wirklichen Mittelpunkt erkennen lässt. Ein typisches Langdorf.

Die etwa 2000 Einwohner leben dort in der wie an der Perlenschnur gezogenen Häuserkette, und steigen zum Einkauf des alltäglichen Bedarfs meist in ihre Autos, um ihr Glück in Merchweiler oder in Quierschied zu suchen. In Göttelborn selbst war bis vor gar nicht so langer Zeit kein Discounter oder Lebensmittelladen ansässig. Immerhin gibt es inzwischen den netto-Discounter. Ganz oben, gegenüber der Tankstelle, wo es zur Autobahn Richtung Saarbrücken geht.

„Kommen sie früh um 9 Uhr, wenn wir öffnen, dann ist noch nicht so viel los“, erklärt Beate Thewes vorab am Telefon. Seit 1966 steht ihr Ehemann, Horst Thewes, bereits in dem Laden in der Hauptstraße 146. Damals noch als Bub, später dann, nach erfolgreicher Lehre zum Drogisten, als Nachfolger seines Vaters, der den Drogeriemarkt 1946 eröffnete. Beate Thewes kam 1972 aus Hühnerfeld herüber. „Wer einmal nach Göttelborn gekommen ist, der bleibt auch hier“, betont Beate Thewes. „Die Leute kennen einander, sind aufgeschlossen und freundlich.“

Und sie reden gerne und viel, wie sich vor Ort herausstellt. „Jeder kennt hier jeden und man tauscht sich eben aus“, erzählt Horst Thewes. „Das ist hier schon immer so gewesen, dass die Göttelborner alle Neuigkeiten hier bei uns auf die Theke legen. Das hat uns auch den Spitznamen Klein-Karstadt eingebracht“, lächelt der 75-jährige. Im Laden selbst ist bereits alles weihnachtlich geschmückt und es gibt einfach nichts, dass es dort nicht zu kaufen gibt. Zum eigentlichen Kerngeschäft der Drogerieartikel gesellten sich mit der Zeit Tabakwaren, Zeitschriften, Schulhefte und Büroartikel, kleine Präsente, Haushaltswaren und zuletzt eine Toto-Lotto- und Hermes-Paketannahmestelle.

Nach über 50 Jahren vor Ort hat das Ehepaar natürlich jeden Wandel in Göttelborn miterlebt. Im nächsten Jahr im März soll aber Schluss sein. „Wir haben lange die Stellung gehalten, nun ist es gut“, meint Beate Thewes. „Mit uns ist auch unsere Stammkundschaft in die Jahre gekommen, viele sind auch gestorben, es läuft nicht mehr so. Die meisten tätigen ihre Einkäufe in den Supermärkten. Viele schauen zwar noch hier rein und finden alles sehr schön, am Ende aber kaufen sie es woanders oder bestellen im Internet.“ „Schöne“ neue Welt eben. Was sie von der sogenannten neue Dorfmitte halten, möchten wir wissen. „Na ja, was man so hört, sind diese Eigentumswohnungen drüben, die die Firma Laux baut, ja schon alle verkauft“, schaltet sich da ein Kunde ein, der gerade seinen Tippschein abgibt. „Das Restaurant Martinis läuft ja normalerweise auch recht gut“, ergänzt Horst Thewes. Ob aber die Neugestaltung des Platzes, den sie als „Konzertwald“ preisen, nun ganz plötzlich sehr viele Leute anziehen wird, da sind sich die Eheleute nicht sicher. „Sehen sie“, meint Beate Thewes. „Auch als damals die vielen Bergleute unten noch zur Grube strömten, verirrte sich hier oben in die Hauptstraße kaum jemand. Das ist auch seit der Erschließung des Campus auf dem ehemaligen Grubengelände nicht anders.“

Ob es beim gut gemeint und nett gestaltet bleiben wird, bleibt abzuwarten. Wohnen allerdings scheint in Göttelborn angesagt. „Wohnen am Konzertwald“ war der Slogan, mit der die Firma Fertigbau Laux GmbH, die in dem neuen Gebäude schräg gegenüber des „Klein-Karstadt“ baut, die Werbetrommel rührte. Das ging auf, denn alle 15 Wohneinheiten sind an die Frau oder an den Mann gegangen. Denn die gute Lage Göttelborns, zwischen den beiden Autobahnzugängen und zu den vielen Einkaufsläden im nahen Merchweiler sprechen für den kleinen Quierschieder Ortsteil. Die alte Mitte, die rund um den Drogeriemarkt Thewes, wird bald der neuen weichen. Ob sie dann ebenso sehr ihre symphatischen Spuren in den Menschen hinterlassen wird, wie etwa die Familie Thewes das für über 50 Jahre getan hat, kann niemand wissen. Den Göttelborner Bürgern ist es zu wünschen.