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Motorradunfall kann Günter Staub aus Schnappach nicht stoppen

Kostenpflichtiger Inhalt: Der Kämpfer aus Schnappach : Wie Günter Staub einen dramatischen Unfall überstand

Günter Staub ließ sich nach einem schweren Motorradunfall nicht entmutigen und ist heute begeisterter Dartsspieler.

Entspannt, locker und mit einem Lächeln im Gesicht läuft Günter Staub durch die Fischbachhalle zu seinem Platz. Sekunden zuvor hat der 58-Jährige das entscheidende Darts-Spiel mit seinem Doppelpartner verloren. Gille, wie ihn seine Freunde nennen, ist beim ersten großen saarländischen Darts-Turnier seit dem Coronavirus in der Doppelkonkurrenz ausgeschieden. „Halb so wild, wir haben alles gegeben. Im Einzel bin ich ja noch drin. Es gibt Schlimmeres im Leben“, sagt Günter Staub und grinst. Schlimmer wäre zum Beispiel, wenn der Hobby-Dartsspieler gar nicht mehr in der Lage dazu wäre, durch die Halle zu seinem Platz zu laufen.

Am 26. Mai 2016 verlor der Schnappacher bei einem Motorradunfall im Schwarzwald sein linkes Bein. Ein Datum, das mit schrecklichen Erinnerungen verbunden ist, und ein Datum, das Anlass zum Feiern gibt. „Ich feiere jedes Jahr am 26. Mai meinen zweiten Geburtstag. Dass ich heute hier stehe und bei dem Turnier mitspielen darf, ist ein Wunder“, sagt der 58-Jährige. Inzwischen ist er Rentner. Als er vor vier Jahren noch leitender Angestellter war, arbeitete er zwölf Stunden am Tag. „Ich war an dem Tag vielleicht überarbeitet und nicht richtig ausgeschlafen. Ich bin mit dem Motorrad nicht schnell gefahren, hatte aber einen Blackout und bin in einer Kurve einfach geradeaus gefahren. Eine Leitplanke hat mir sofort das linke Bein abgetrennt und dann bin ich einen steilen Abhang hinuntergestürzt“, erzählt Gille und hält sich sein rechtes Bein. „Das rechte war so zertrümmert, dass es eigentlich amputiert hätten werden müssen. Ich wurde viermal fünf Stunden lang operiert und werde heute noch jede Woche behandelt. Das Bein funktioniert zu einem Drittel wieder, darüber bin ich heilfroh“, sagt der Schnappacher.

Nach dem Unfall lebte er vier Wochen wie in Trance und bekam vor Schmerzen, Schmerzmitteln und Operationen kaum etwas von der Außenwelt mit. Danach setzte die Realität ein. „Ich war über meine Situation geschockt und hatte einen Tiefpunkt. Aber aufgeben ist nichts für mich. Ich bin eher ein Kämpfer. Als ich meine Familie und meine Enkel sah, hatte ich die Motivation, die ich brauchte.“

Günter Staub zählte in den 1980er-Jahren zu den stärksten Amateurfußballern des Saarlandes und spielte zehn Jahre in der höchsten Liga für den SC Viktoria Hühnerfeld. Beendet hat er seine aktive Karriere erst mit 50 Jahren, also vier Jahre vor dem Unfall. „Ich konnte so lange spielen, da ich nie verletzt war. Ich hatte erst mit 45 Jahren meine erste Zerrung. Ich bin heute dankbar für diese Zeit“, sagt Gille. Die Fußballer haben ihn nach dem Unfall unheimlich unterstützt. Auch dafür ist er dankbar.

Eineinhalb Jahre lang saß er im Rollstuhl. Danach dauerte es Monate, bis er mit seinem neuen linken Bein laufen konnte. Doch dann half er in Schnappach beim dortigen Darts-Club aus und warf ein paar Pfeile in einem Ligaspiel. „Das hat mir so gut gefallen, dass ich dabeiblieb. Es war eine neue Herausforderung, die ich annahm. Auch die vielen Dartsspieler haben mir sehr geholfen“, sagt der 58-Jährige, der mittlerweile auch in der zweithöchsten Liga des Saarlandes Darts spielt.

Das Wichtigste von allem bleibt aber seine Familie. Sie gibt ihm jeden Tag Kraft. Kraft, die er weitergibt. Seit zwei Jahren kümmert sich Günter Staub um Menschen, die einen ähnlichen Schicksalsschlag hatten wie er. Ein Mann aus Homburg zum Beispiel, der beide Beine verlor und aufgeben wollte. „Heute läuft er wieder mit zwei Prothesen. Er steht wieder voll im Leben. Aufgeben ist keine Option. Wir können alles schaffen, wenn wir wollen. Wir müssen es nur machen“, sagt der Kämpfer aus Schnappach und klopft dreimal auf sein neues Bein.