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Trendsport Sackloch oder Cornhole erobert Quierschied und das Saarland

Cornhole im Saarland : Warum die Quierschieder die besten Sacklochspieler Deutschlands sind (mit Bildergalerie)

Sackloch – ein Spiel aus den USA erobert gerade Europa. Auch dank einiger Quierschieder, die mehr als Trendsetter sind.

Flutlicht-Atmosphäre, viele Emotionen, 64 bis in die Haarspitzen motivierte Spieler und etwa 100 Zuschauer - auf dem neuen Kunstrasen des SV Göttelborn war am vergangenen Wochenende richtig was los. Nicht etwa ein Fußballspiel weihte den neuen Platz ein, sondern Sackloch-Spieler.

Heher-Sacklochnight

Der SV Göttelborn lud zu einer weiteren Auflage der Heher-Sackloch-Nacht ein. „Es ist einfach ein absolut faszinierender Sport, der einen direkt beim ersten Mal spielen schon fesselt. So war es jedenfalls bei mir“, sagt Dieter Schwarz vom TV Quierschied. Er zählt zu den stärksten Sackloch-Spielern des Saarlandes und ging bei dem Turnier mit Doppelpartner Patrick Meyer an den Start. Das Sackloch-Spiel kommt aus den USA und heißt dort Cornhole. Zwei leicht schräg stehende Bretter werden im Abstand von acht Metern aufgebaut. Jedes Brett hat ein Loch und dort gilt es quadratische Säcke reinzuwerfen. Bleibt der Sack auf dem Brett liegen gibt es einen Punkt, fällt der Sack ins Loch gibt es drei Punkte. Jeder Spieler hat vier Säcke, die abwechselnd mit dem Gegner geworfen werden.

„Ja, das Ganze ist Konzentrationssache und Taktik spielt auch eine große Rolle. Das wichtigste ist aber, dass es Spaß macht“, sagt Stefan Stein. Er ist ebenfalls vom TV Quierschied und der amtierende Deutsche Sackloch-Meister im Einzel. Er ging bei der Heher-Sackloch-Nacht mit Peter Lessing an den Start. Beide hatten das Turnier im vergangenen Jahr gewonnen und zählten zu den Favoriten. Warum es im Saarland überhaupt Sackloch gibt und warum gerade der TV Quierschied mit vielen Deutschen Meistern so etwas wie der FC Bayern München des Sackloch-Sports ist, ist kurios.

Seit 2008 im Saarland

Die Geschichte geht so: Matthias Puhl und Uwe Thome aus Quierschied waren im Jahr 2008 mit Freunden am Bodensee zum Campen. Ein Freund war zuvor in den USA seine Tochter besuchen und entdeckte eher zufällig das Cornhole-Spiel. Er fand das so faszinierend, dass er sich die Maße der Bretter nahm, diese zu Hause nachbaute und schließlich mit an den Bodensee nahm. „Wir waren auch sofort angefixt, als wir das erste Mal spielten. Doof war nur, dass unser Freund früher heimfuhr und die Bretter wieder mitnahm“, erzählt Uwe Thome. Der Sackloch-Entzug war so groß, dass sich die Jungs am Bodensee etwas einfallen ließen. „Wir sind dort unten von Schreinerei zu Schreinerei gezogen und haben gefragt, wer uns zwei Bretter mit Loch anfertigen kann. Wir wurden immer komisch angeguckt, aber schließlich haben wir einen gefunden“, sagt Matthias Puhl.

Zurück im Saarland, infizierten die beiden ganz Quierschied und schließlich auch das ganze Saarland mit dem Hype. Sie bauten viele Bretter selbst, ließen sich den Namen Sackloch schützen und gründeten sogar eine Firma, die die Bretter, Säcke und alles, was man zum Sackloch-Spiel braucht, bis heute vertreibt. Im Jahr 2014 wurden die beiden mit dem TV Quierschied zum ersten Mal Deutscher Meister. Am vergangenen Wochenende übernahmen die beiden die Turnierleitung und organisierten quasi das ganze Turnier für den SV Göttelborn.

Ein Turnier, dass mit Hobby-Turnier völlig untertrieben beschrieben wäre. Es waren Spieler aus ganz Deutschland am Start. Zwei US-Soldaten von der Air-Base in Rammstein waren dabei sowie je ein Team aus Luxemburg und aus Holland. „Wir kommen aus der Nähe von Eindhoven, haben einen Fahrer dabei und schlafen im Hotel. Wir spielen seit vier Jahren und trainieren täglich bis zu vier Stunden“, sagte Karel Sleegers vom Team „Dutch Destroyers“, wie sich die Holländer nannten. Eine professionelle Vorbereitung hatten viele der Teams, obwohl es für den Erstplazierten nur Bier und Lyoner gab. „Es geht um den Reiz des Spiels. In Holland wird das Spiel auch immer populärer“, erklärt Karel Sleegers weiter. Er erzählte von Profispielern in den USA, die 30 000 Dollar pro Sieg bekommen und sehr gut davon leben können.

In Göttelborn gab es kein Geld, aber dafür Spannung pur. Das Turnier startete um 17 Uhr und das Finale war um ein Uhr in der Nacht. Die starken Holländer warfen im Achtelfinale das Sackloch-Team aus Auersmacher raus, scheiterten aber im Halbfinale mit 5:21 und 7:21 an den Quierschieder Dieter Schwarz und Patrick Meyer. „Wir trainieren einmal die Woche, mehr geht in unserem Alter nicht mehr. Aber wir sind auf den Punkt da, wenn wir müssen“, sagte der 58-jährige Dieter Schwarz nach dem Spiel und grinste.

Dieter Schwarz und Patrick Meyer gewinnen

 Ein Blick über den Platz. Auf der rechten Seite, zweiter von Rechts: Dieter Schwarz vom späteren Siegerteam.
Ein Blick über den Platz. Auf der rechten Seite, zweiter von Rechts: Dieter Schwarz vom späteren Siegerteam. Foto: Heiko Lehmann

In der oberen Turnierhälfte setzten sich die Quierschieder Stefan Stein und Peter Lessing gegen die US-Boys und die Luxemburger durch und standen um ein Uhr ebenfalls im reinen Quierschieder Finale. Und das ging unerwartet deutlich mit 21:12 und 21:11 an Dieter Schwarz und Patrick Meyer. „Das ist ein toller Erfolg und wir freuen uns auch. Aber es ist eine Momentaufnahme. Wenn wir das Finale jetzt noch einmal spielen würden, kann es umgekehrt ausgehen. Das ist das Schöne und auch das Faszinierende an dem Sport“, erklärte Dieter Schwarz nach dem Turniersieg. Sacklock im Saarland scheint auf dem Vormarsch zu sein und es gibt überall immer mehr Gruppen, die anfangen, mit Säcken auf Bretter mit Löcher zu werfen. Mit einem Unterschied – die besten kommen nach wir vor aus Quierschied.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Warum die Quierschieder die besten Sacklochspieler Deutschlands sind