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Wie die Besitzerin eines Fastnachtsgeschäftes mit der Pandemie zu kämpfen hat

Kostenpflichtiger Inhalt: SZ-Serie Menschen im Regionalverband : Vom Virus mit voller Breitseite getroffen

16 Jahre lang hat Beate Klein ein Fastnachtsgeschäft aufgebaut. Wegen Corona steht sie jetzt vor dem finanziellen Aus.

„Beate, wir haben ein Problem.“ Nicht selten fangen so die Telefonate an, die Beate Klein in ihrem Fastnachts-Bekleidungsgeschäft „Der kleine Pfeiffer“ in Quierschied entgegennimmt. Fastnachtsvereine brauchen auf den letzten Drücker noch irgendwelche Artikel oder es muss etwas an den Kostümen für eine ganz Gruppe geändert werden. „Ein Verein hatte mal die Federn für die Hüte der Tanzmädchen vergessen. Also haben wir einen Tag vor dem Auftritt bis in die Nacht im Laden gesessen und haben Federn an die Hüte genäht. Ich kenne die ganzen Probleme auf den letzten Drücker. Ich war lange genug dabei“, erzählt Beate Klein. Sie ist Fastnachterin durch und durch und hat früher selber in der Garde getanzt, die Garden trainiert oder in der Bütt Reden geschwungen. 26 Jahre war sie zudem im Tanzturnierausschuss des Verbandes Saarländischer Karnevalsvereine.

Eigentlich hatte Beate Klein sich zur Köchin ausbilden lassen, schulte danach aber zur Bürokauffrau um, wie sie erzählt. Während der Umschulung hat sie schließlich Birgit Pfeiffer kennengelernt. Mit ihr zusammen hatte sie die Idee von dem Fastnachts-Bekleidungsgeschäft. Das eröffneten im Jahr 2004 unter dem Namen „Der Kleinen Pfeiffer“ – eine Anspielung auf die Nachnamen der beiden Frauen. Im Jahr 2013 schied Birgit Pfeiffer aus Altersgründen dann aus. Beate Klein führt das Geschäft seitdem weiter und konnte durch ihre Bekanntheit in der Fastnachtsszene immer mehr Kunden gewinnen. Bis März dieses Jahres lief ihr Geschäft, doch dann kam das Coronavirus und der große Knall. „Man kann fast schon sagen, dass von heute auf morgen gar nichts mehr los war. Es war ein riesiger Schock für mich“, blickt die 55-Jährige zurück.

Im „kleinen Pfeiffer“ gibt es auch exklusive Markentanzschuhe und eigene Tanzschuhkreationen für Mariechen. Beate Klein hat auch eine besondere Tanzstrumpfhose entwickelt. Zudem gibt es so gut wie alles, was man an Fasching zum Verkleiden braucht. „Ich habe Waren im Wert von etwa 50 000 Euro im Geschäft, und es kommen keine Kunden mehr“, sagt sie und wirkt dabei etwas verzweifelt. „Es wurde alles abgesagt, und keiner braucht mehr diese Sachen. So wie es aussieht, wird jetzt auch noch die Fastnacht abgesagt oder findet nur in ganz kleinem Rahmen statt. Das werde ich nicht überleben“, sagt Beate Klein und senkt den Kopf.

Das Coronavirus zerstört gerade ihre Existenz. Auf die Frage, ob sie Hilfe bekommt oder sie vielleicht weniger Miete zahlen muss, bricht sie in Tränen aus. „Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen und habe immer pünktlich meine Rechnungen bezahlt. Und jetzt stehe ich alleine da. Ich habe laufende Kosten von 3500 Euro und habe im Juli 300 Euro eingenommen“, sagt sie. Lange kann sie diese Situation nicht mehr durchhalten. „Wenn das so weiter geht, verliere ich alles. Wir versuchen noch einen Monat das Online-Geschäft anzukurbeln. Wenn es nicht klappt, muss ich alles aufgeben. Ich werden nicht riskieren, dass am Ende noch unser Privathaus drauf geht“, sagt die 55-Jährige Familienmutter voller Verzweiflung.

Sie ist nicht alleine von der gesamten Situation hart getroffen worden. Sie musste zwei Mitarbeiterinnen entlassen. „Eine Frau ist eine alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern. Es ist einfach nur schrecklich. Ich glaube, bis Jahresende wird es mehr als die Hälfte der mittelständigen Unternehmen nicht mehr geben. Ich kenne viele, die am Ende sind.“ Sie macht den Karnevalsvereinen und den vielen Fasebooze im Saarland keinen Vorwurf: „Ich kann alle verstehen. Wer kauf sich denn jetzt Kostüme oder Kleider für eine ganze Garde, wenn er nicht weiß, ob es überhaupt eine Session gibt. Die Vereine müssen auch auf ihr Geld achten, ich kenne das.“ 

Sie hat zwar noch Hoffnung, macht sich aber schon den Plan B. „Ich muss hier wohl schließen und mir eine andere Arbeit suchen. Es ist sehr traurig, nach all der Zeit des Aufbaus. Aber wenn es nicht mehr geht, dann geht es nicht mehr“, sagt die saarländische Obernärrin, die vom Coronavirus volle Breitseite getroffen wurde.