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Saarbrücken: Kultur-Lobbyist will neue Saarland-Halle im Bürgerpark

Neues Messe-, Kongress- und Kulturforum geplant : Kommt neue Saarlandhalle mit Tiefgarage in den Saarbrücker Bürgerpark?

Ein Polit-Rentner mischt die Debatte um ein neues Messe-, Kongress- und Kulturforum in Saarbrücken auf. Er schlägt vor: wenn man die Congresshalle eh umbaut, soll man doch gleich eine große Eventhalle anbauen, die die in die Jahre gekommene Saarlandhalle ersetzt. Dafür müsste die Politik allerdings eine „heilige Kuh“ schlachten.

„Haben wir eine Glaskugel? Können wir in die Zukunft schauen?“ Mit diesen Gegenfragen hat Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) Mitte Oktober bei einer Pressekonferenz in der Staatskanzlei Fragen zum ambitionierten Zeitplan für den Umbau der Saarbrücker Congresshalle zum Messe-, Kongress- und Kulturforum beantwortet. Kurt Bohr, der Mann der die Staatskanzlei unter Ministerpräsident Oskar Lafontaine zwischen 1991 bis 1996 leitete und seitdem vor allem als Kultur- und Sport-Lobbyist unterwegs ist, findet, dass man in Sachen Congresshalle keine Glaskugel, sondern endlich einen brauchbaren Plan braucht.

Der Plan den Bohr, inzwischen74 Jahre alt,  im Kopf hat, unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von den Vorstellungen, die die Staatskanzlei, das saarländische Wirtschaftsministerium und Saarbrückens Oberbürgerbürgermeister Uwe Conradt (CDU) bisher präsentiert haben: Für Bohr ist der Bürgerpark, der sich direkt an die Congresshalle anschließt, keine Tabuzone. Im Gegenteil: Wenn man „ein modernes, konkurrenzfähiges Kongresszentrum am Alten Hafen mit einer integrierten großen Eventhalle mit 8000 bis 10 000 Plätzen“ haben wolle, dann müsse man bereit sein, Teile des Bürgerparks zu bebauen.

 Kurt Bohr, ehemaliger Chef der Staatskanzlei.
Kurt Bohr, ehemaliger Chef der Staatskanzlei. Foto: BeckerBredel

Genau das schließt der Plan, den der Saarbrücker Stadtrat beschlossen hat und mit dem sich die Landeshauptstadt für ein Stadtentwicklungs-Modelprojekt des Bundes beworben hat, aus. Das Projekt sieht vor, dass die denkmalgeschützte Congresshalle saniert und mit einem Anbau erweitert wird. Der Anbau ist allerdings vor der heutigen Halle geplant. Der Bürgerpark, das haben der Oberbürgermeister und der Stadtrat immer wieder versichert, bleibe unangetatstet.

Auch das Umfeld des neuen Veranstaltungsortes soll „aufgewertet“ werden. Dazu gehöre, dass Straßen rund um die Halle sowie auf der anderen Saarseite so saniert werden, dass dort auch das Wohnen wieder attraktiver werde, sagte Conradt. Die Luisenbrücke soll ebenfalls erneuert und „zumindest halbseitig“ mit einer Fortführung der Kolonnaden von der Eisenbahnstraße aus überdacht werden. Die Viktoriastraße im Anschluss der Brücke auf St. Johanner Seite soll als Geschäftsstraße wieder attraktiver werden.

99 Millionen Euro soll das Ganze kosten. Der Bund soll die Hälfte, also 49,5 Millionen Euro übernehmen. Mit rund 60 Millionen Euro sei der Umbau der Congresshalle der größte Brocken. Die andere Hälfte der Kosten übernehmen das Land und die Landeshauptstadt im Verhältnis 80 zu 20. Das heißt: Das Land stellt Mittel in Höhe von 39,6 Millionen Euro zur Verfügung, die Landeshauptstadt 9,9 Millionen Euro. Die Unterlagen zu zwölf Teilprojekten werden vom Bund geprüft. Bis Ende 2026 soll das neue Messe-, Kongress- und Kulturforum  fertig sein. Dann endet nämlich der Zeitraum, innerhalb dessen der Bund das Modellprojekt fördert.

Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) und Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) überboten sich bei der Präsentation des Projekts Mitte Oktober geradezu mit Formulierungen zur Bedeutung der neuen Konstruktion. Auch Kurt Bohr, unter anderem Vorsitzender der saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik, glaubt, dass das neue Zentrum „Dreh- und Angelpunkt für die Dienstleistungswirtschaft der Landeshauptstadt und des gesamten Landes“ werden kann. Aber nicht in der Form, wie es zurzeit geplant werde.

„Der Ausbau des Kongresszentrums einschließlich Eventhalle ist Garant für einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung und die nachhaltige Stärkung der Finanzkraft Saarbrückens“, sagt Bohr. Anstelle des zurzeit geplanten Erweiterungsbaus biete sich aber „ein Anbau an die Congresshalle nach Westen an“. An der Westseite der Halle liegt der Bürgerpark. An der Westseite der Halle zu bauen biete „nachhaltig klare Vorteile“, glaubt Bohr. „Der Anbau nach Westen kann ohne größere Störungen und Behinderungen errichtet werden“, erklärt er. Der Plan, der jetzt vorliegt, sei zu kompliziert und führe dazu, dass die bisherige Congresshalle über die ganze Projektzeit nicht zu benutzen ist.

Baue man  großflächig im Bürgerpark, könne man danach auf die Saarlandhalle verzichten, sagt Bohr. „Nach Fertigstellung wird der hintere Teil des Neubaus die bisherige Saarlandhalle ersetzen. Die Saarlandhalle kann anschließend ohne Abbruchkosten anderen privaten Zwecken zugeführt werden, zum Beispiel als Sport- und Gesundheitszentrum“, schlägt er vor. Die Suche nach einem neuen Standort für eine große Eventhalle habe sich damit erledigt. Und in der Kombination mit der Congressehalle, an die eh angebaut werden soll, sei das Ganze dann wesentlich kostengünstiger als an zwei getrennten Standorten. Anders formuliert: wenn man eh schon umbaut, dann richtig.

Unter dem Anbau könne ein Parkhaus auf einer Fläche von  rund 24 000 Quadratmetern gebaut werden, sagt Bohr. So könne man  „allen Kongressbesuchern bequemen wetterunabhängigen Zugang zu den Begleitausstellungen und zu den Kongressveranstaltungen“ gewährleisten, sagt Bohr. Dass der Bürgerpark unter Schutz steht und auch der Architekt ein Urheberrecht geltend machen kann, sieht Bohr nicht als wirkliches Problem. Es gelte der „Vorrang überragender wirtschaftlicher Interessen“.

Die begründet Bohr auch so: „Besucher von außerhalb können in dem neuen Parkdeck und den Parkhäusern der unmittelbaren Umgebung ihre Pkw abstellen und vor den Konzerten in der Innenstadt bequem einkaufen oder essen gehen.“ Sollte eine neue Eventhalle nicht in der Innenstadt gebaut werden, „werden Besucher  anreisen und in aller Regel direkt nach der Veranstaltung wieder abreisen, ohne dass Einzelhandel und Gastronomie nennenswerte Umsätze erzielen“.