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Am Parking Day weichen Parkplätze in Saarbrücken Gärten und Spielflächen

Parking Day 2021 : Gemütliches Wohnzimmer statt trister Parkplatz

Beim Parking Day in Saarbrücken geht es am 17. September darum, wie Parkplätze mal nicht für Autos genutzt werden. Was die Organisatoren mit ihrer Aktion bewirken wollen.

 „Das Dilema steckt meist in einer Person“, sagt die Organisatorin des Aktionsbündnisses Parking Day, Petra Stein. Einerseits wolle man Autofahren, andererseits wünschten sich Menschen, dass sie mehr Platz für sich und ihre Kinder hätten.

Dass Autos viel Platz in Innenstädten wegnehmen, belegen auch Statistiken: 640 Autos pro 1000 Einwohner hat das Statistische Bundesamt 2019 im Saarland gezählt. Spitzenreiter im Vergleich zu den anderen Bundesländern. Jedes dieser Fahrzeuge benötigt einen Parkplatz, für die in der Stellplatzordnung eine Mindestgröße von 12,5 Quadratmetern festgelegt wird. Wenn jedes der 192 923 im Regionalverband Saarbrücken zugelassenen Fahrzeuge einen Platz sucht, wären das 241 Hektar Fläche, die nur als Parkplatz verwendet würden. Das entspricht etwa 337,75 Fußballfeldern. Dann kommen laut Pendleratlas täglich rund 73 000 Pendler dazu. Kämen die alle mit ihrem Auto, würden dazu nochmal 127,8 Fußballfelder hinzu. Zusammen gerechnet entspricht das etwa der siebenfachen Fläche des Deutsch-Französischen Gartens.

Das ist sehr viel Platz, der nur für Fahrzeuge benötigt wird, wenn man bedenkt, was damit alternativ gemacht werden könnte. Genau darauf wollen die Organisatoren des Parking Days, Petra Stein und Frank Schilz, in Saarbrücken aufmerksam machen. Der internationale Aktionstag findet jährlich am dritten Freitag im September statt. So auch dieses Jahr zum vierten Mal in der Landeshauptstadt. Die Parkplätze an beiden Seiten der Breiten Straße und der Malstatter Markt im Saarbrücker Stadtteil Malstatt sollen am 17. September Park- zu Aktionsplätze werden.

Am Parking Day weichen Parkplätze in Saarbrücken Gärten und Spielflächen
Foto: Tom Peterson

Alles begann im Nauwieser Viertel. „Ich fand Blechlawinen dort langweilig und trist“, erklärt Schilz. „Es macht mir große Freude mit anderen Menschen zu zeigen, was möglich ist – Parkplätze als Treffpunkt, Spielplatz, Grünfläche.“ Das mache für ihn die Freude aus, die Stadt zumindest temporär umzugestalten. Er sei keinesfalls ein Autogegner. Ihm gehe es um intelligentes Parkplatzmanagement. „Wo ich wohne, gibt es eine Tiefgarage. Somit stehen die ganzen Autos nicht auf der Straße.“ Autos sollten nicht verboten oder verbannt werden, sondern die wertvolle Fläche sinnvoll zu nutzen. „Es muss immer ein Gesamtkonzept sein“, ergänzt Stein. „Daher brauchen wir die Stadtplanung.“

Man könne nicht einfach die Autos aus der Stadt verbannen. Das sei den Organisatoren bewusst. „Dazu wird ein guter ÖPNV und gute Radwege benötigt, denn mobil sein, muss man ja weiterhin“, sagt Stein. Thomas Fläschner vom Fahrradclub ADFC erklärt: „Gute Radwege werden wir nur hinbekommen, wenn wir an die Parkplätze rangehen. Wenn es weniger Autos gebe und so Platz gewonnen werden könnte, käme das dem Fahrradverkehr zugute.“

Dass Parking Days schon erste Erfolge zeigen, sei im Nauwieser Viertel aber auch in anderen Städten weltweit zu sehen. „Wir bilden uns ein, dass wir etwas bewirken können“, erklärt Stein. Denn dort, wo alles begann, ist jetzt eine Fahrradzone. „In vielen anderen Städten wie im spanischen Sevilla sind aus den Pop-Up-Parkzonen feste Bürgertreffs entstanden“, berichtet Schilz. In Barcelona gebe es Stadtteile, in denen keine Autos mehr parken dürfen und die Plätze umgestaltet wurden. „Wir sind auch auf einem Weg. Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Auch in deutschen Städten gebe es nun Sommerstraßen, erklärt Stein. Überall habe es anfangs Skepsis gegenüber der Maßnahmen gegeben. „Doch mit der Zeit sind die Immobilienpreise gestiegen, weil plötzlich alle dort leben wollten. Wenn es mal umgesetzt ist, sehen die Leute, wie schön es ist.“

Auch in Saarbrücken-Malstatt erkennen die beiden Organisatoren bereits Bewegung. „Wir haben gesehen, dass wir in der Realität angekommen sind, als wir im vergangenen Jahr den Rundgang mit Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) gemacht haben“, sagt Schilz. „Mittelfristig muss Conradt sich daran messen, was umgesetzt wird“, so Stein. „Aber klar, das sind lange Prozesse, einen Stadtteil komplett umzugestalten.“ Dem Oberbürgermeister hätte das Aktionsbündnis auch erklärt, dass ihnen eine Bürger- und Bürgerinnenbeteiligung sehr wichtig sei.

Petra Stein und Frank Schilz vom Aktionsbündnis Parking Day werden im September die Parkflächen nicht alleine blockieren. Sie organisieren die Demonstration gemeinsam mit Gruppen wie dem Fahrradclub ADFC, Amnesty International und dem Naturschutzbund BUND. Aber auch Anwohner und Vereine aus Malstatt seien dazu eingeladen, einen Nachmittag lang Parkflächen umzugestalten. Jeder könne einen Beitrag dazu leisten, ein „Molscht der Zukunft“ zu schaffen. Es reichten schon kleine Aktionen, bei denen Besucher vorbeilaufen und kurz verweilen.

Im vergangenen Jahr hatte es Yi Gong gegeben. Diese Aktion werde auch am 17. September wieder angeboten. Frank Schilz berichtet von einer Gruppe, die in der Vergangenheit aus einem Parkplatz ein Wohnzimmer gemacht habe. 25 bis 30 Gruppen hätten sich für dieses Jahr bereits angemeldet. Es werde unter anderem einige Kinderangebote geben. Im Mittelpunkt stehe „das Molscht der Zukunft“. Damit sollen Ideen gesammelt werden, wie der Stadtteil Malstatt gestaltet werden könne, erklärt Petra Stein. Insgesamt könnte es in diesem Jahr 50 Aktionen geben, daher seien noch einige Plätze frei.