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Ausbildungszentrum der HWK: Vor Baubeginn kommt Kampfmittelräumdienst

HWK investiert in Alt-Saarbrücken : Neues Ausbildungszentrum der Handwerkskammer: Vor Baubeginn kommt der Kampfmittelräumdienst

Erste Überlegungen für eine neue Bildungsstätte der Handwerkskammer des Saarlandes gab es bereits 2011. Baubeginn soll nun Anfang 2022 sein. Doch vorher kommt der Kampfmittelräumdienst.

Nach zehn Jahren Planung und Vorbereitung kann die Handwerkskammer (HWK) des Saarlandes mit dem Bau ihres neuen Ausbildungszentrums beginnen. Lange Zeit war nicht klar, ob es in Saarbrücken stehen würde. Neunkirchen bot sich als Standort an. Die Vorteile dort: mehr Platz und eine gute Autobahnanbindung. 2018 fiel dann die Entscheidung für die Landeshauptstadt; Verwaltung und Ausbildungszentrum der Handwerkskammer bleiben somit an einem Ort. Von Anfang des kommenden Jahres an soll gebaut werden.

Zuvor allerdings wird der Kampfmittelräumdienst das Gelände im unteren Alt-Saarbrücken  in Augenschein nehmen. Luftaufnahmen vom Baufeld legten nahe, dass  hier Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg liegen könnten.

Die Baukosten für das neue Ausbildungszentrum belaufen sich auf rund 45 Millionen Euro. 60 Prozent Förderung kommt vom Bund (zirka 27 Millionen Euro), 10 Prozent Förderung vom Land (zirka 4,5 Millionen Euro) und die Handwerkskammer steuert 30 Prozent Eigenmittel, rund 13,5 Millionen Euro, bei.

Das untere Alt-Saarbrücken, in dem sich schon lange Verwaltung und Ausbildungszentrum der HWK befinden, wird sich durch den Neubau weiter verdichten. Wo jetzt Parkplätze sind und eine Freifläche zum Pingusson-Gebäude hin, steht dann das neue Gebäude direkt neben der Westspange. Von der Hohenzollernstraße her sollen die Räume einsehbar sein. Eine gläserne Werkstatt also.

Die Handwerkskammer, erläutert Hauptgeschäftsführer Bernd Reis, werde von 41 auf 35 Lehreinheiten abspecken. Platz braucht sie dennoch für eine moderne Ausbildung. Damit sind auch mehrfunktionale Räume gemeint, in denen Theorie und Praxis machbar sein soll. An den Ausbildungsberufen, die die HWK anbietet, ändere sich nichts, sagt Reis. Da sind noch immer Elektroberufe, da ist die Bürokommunikation, die Augenoptik, ausgebildet wird auch in den Bereichen Friseur/Kosmetik, Augenoptik und Bäcker/Konditoren.

Der Bereich Metall ist derzeit im Keller untergebracht. Sobald das neue Gebäude bezogen werden kann, soll hier eine Tiefgarage entstehen. Parkplätze sind jetzt schon rar im unteren Alt-Saarbrücken, etliche werden durch den Neubau zusätzlich  wegfallen.

Die Ausbildung im Bereich Elektro und Metall hält Reis für „überragend“. Sie müsse langfristig gesichert werden. Allerdings sei der Bereich Elektro inzwischen hochtechnisiert, die Teilnehmer benötigten einen mittleren Bildungsabschluss, wenn nicht gar das Abitur.

Das sind dann die inhaltlichen Herausforderungen. Zunächst muss das neue Gebäude entstehen. Den Architektenwettbewerb hatte die Gerber Architekten GmbH mit Sitz in Dortmund, Hamburg und Köln, zudem in Riad und Shanghai gewonnen; sie werden auch bauen. Und damit, wie Oberbürgermeister Uwe Conradt es einmal formulierte, „den Bildungsstandort Alt-Saarbrücken aufwerten“.

Das dreigeschossige Gebäude mit einem Zwischengeschoss rückt recht nahe an den denkmalgeschützen Pingusson-Bau ran. Um sich ausdehnen zu können hatte die Handwerkskammer dem Land eine Stück der Fläche abgekauft. 

Während der Überlegungen und Planungen zum neuen Ausbildungskomplex der HWK war immer wieder die damals noch vorgesehene Brücke zum neuen Kongresszentrum an der Congresshalle ins Gespräch gebracht worden. Für die Überlegungen von Hauptgeschäftsführer Bernd Reis spielt sie keine Rolle. Er sieht das neue Ausbildungszentrum im Zusammenhang mit der ganz in der Nähe ansässigen Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Die HWK also als Teil des Hochschul-Campus´.  Auch im Zusammenhang mit der Möglichkeit, zunächst eine Ausbildung zu machen und dann zu studieren.

Die Brücke als Verbindung von Alt-Saarbrücken nach St. Johann ist inzwischen ohnehin in den Plänen der Stadt für ihr neues Kongresszentrum nicht mehr enthalten: zu teuer, zu schwierig umzusetzen.

Ganz einfach hingegen, sagt Bernd Reis, könne man das neue Ausbildungszentrum der HWK mit dem Park des Pingusson-Gebäudes verbinden. Der bleibt der Öffentlichkeit zumeist verschlossen, böte aber den Bewohnern des Viertels doch so viele Möglichkeiten. Und auch der Handwerkskammer. Die Mensa der neuen Ausbildungsstätte ist zum Park hin ausgerichtet. 

 Gedanklich gibt es hier also schon Verbindungen zwischen Alt und Neu. Bis zum Herbst 2024 soll die neue Ausbildungsstätte der Handwerkskammer fertig sein. Das ist der sehr ambitionierte Plan der HWK, sich in einem recht engen Viertel der Landeshauptstadt auf bestmögliche Weise modern und zukunftsweisend auszurichten.