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Backstage Jörg Mathieu: Er macht Indie-Konzerte nicht nur in Saarbrücken

Backstage: Eine Serie hinter den Kulissen des Pop-Geschäfts : Jörg Matthieu sucht Orte für Indie-Musik – und findet sie auch

Wenn an diesem Wochenende Musik-Fans aus Saarbrücken ins pfälzische Saarburg pilgern, dann hat das auch was mit Corona zu tun.

Jörg Mathieu hat im Kulturbereich verschiedene Standbeine – ein großer Vorteil gerade in unsicheren Corona-Zeiten. Zum einen gibt er seit siebeneinhalb Jahren das Filmmagazin „35mm“ heraus, das sich mit dem klassischen Film bis ins Jahr 1965 beschäftigt.

Indiera Promo fördert Indie-Musik

Zum anderen versucht er mit seiner Agentur Indiera Promo der Indie-Musik ein Zuhause in unserer Region zu geben. Der 52-jährige ist in Dudweiler und St. Ingbert aufgewachsen, jetzt lebt er wieder in Dudweiler. Als Druckvorlagenhersteller arbeitete er lange in der Werbebranche. 2008 machte er sich selbständig mit einem Magazin, das sich ums Thema Familienrecht drehte. „Das stagnierte dann irgendwann, also habe ich eine andere Leidenschaft aufleben lassen.“

Zeitschrift für klassischen Film

Mathieu, der sich von klein auf sehr fürs Kino begeisterte, sondierte den Zeitschriftenmarkt für diesen Bereich. „Die Frage war dann, wo gibt es noch eine Lücke in dem völlig übersättigten Markt? Das einzige, wofür noch keine Zeitschrift existiert hat, war der klassische Film.“ Das „35mm“-Heft trage sich mittlerweile gut. Aufgrund vieler Anfragen von Lesern („Warum macht ihr bei 1965 Schluss?“) hat Mathieu jetzt noch ein weiteres Filmmagazin herausgebracht namens „70mm“. Darin geht es um die Zeitspanne von 1966 bis 1975. „Das ist ein Jahrzehnt, mit dem wir uns zwar schwer tun, das aber filmhistorisch sehr spannend ist. Die Testausgabe von 70mm haben uns die Leute aus der Hand gerissen.“

Aber sein Herz schlägt eben für die alten Filme. Insbesondere der Stummfilm hat es Mathieu sehr angetan. Diese Leidenschaft brachte ihn über Umwege zu seinem zweiten Standbein als Kulturschaffender, der Konzertagentur Indiera Promo. Das kam so: „Wir haben als Magazin 35mm die Cinefonietage ausgerichtet. Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, was es bedeutet, eine Veranstaltung zu machen und Künstler zu buchen – das hat mir total Spaß gemacht, ich habe gemerkt, dass mir das liegt.“

Erstes Event beim Colors of Pop

An den Cinefonietagen wurden Filme gezeigt, während Bands oder Einzelmusiker dazu spielten. Während des Colors of Pop-Festival vor vier Jahren organisierte Mathieu zum ersten Mal ein Musikevent mit mehreren Bands seiner Wahl: „Das war im Garelly-Haus auf zwei Etagen: Eine reine Musikbühne und eine mit Film und Musik.“ Was die Musik betrifft, war der Promoter allerdings wählerischer als beim Film. Da schaute er nicht auf eine Marktlücke, sondern setzte von Beginn an auf die Musik, die er liebt: Independent, genannt Indie. Stilistisch gesehen ist das ein weites Feld: Das geht von Post-Punk über Dark Wave bis zu Alternative Rock (aus diesem Genre heraus entwickelte sich einst der Begriff Indie).

Seither versucht Mathieu, Bands solcher Couleur ins Saarland und umgebende Grenzland zu locken. Dabei betrieb er sogenanntes Location-Hopping: Überall, wo ihm Clubbetreiber oder Kneipenbesitzer einen Raum zur Verfügung stellten, veranstaltete er kleine Konzerte oder Festivals. „Mein Anliegen ist es immer, Dinge zu machen, die sonst keiner macht. Ich will nicht in fremden Teichen fischen. Bei anderen steckt auch mehr dahinter, monetär und an Manpower. Es gibt natürlich auch immer Gründe, warum so was wie ich niemand macht – vielleicht, weil es hier keinen interessiert. Aber diese Erfahrung will ich selbst machen. Mir etwas auszureden ist auch chancenlos.“

Anfangs sei er ins kalte Wasser gesprungen, da er keine Ahnung als Konzertveranstalter hatte. „Aber man wächst rein. Man muss sich die Chance geben, Fehler nur einmal zu machen und professioneller zu werden.“ So habe er anfangs mit den Bands gar nicht verhandelt und von daher viel zu hohe Gagen gezahlt. Aber Misserfolge werfen Mathieu, der von sich sagt, genügsam zu leben und nicht viel zu brauchen, nicht aus der Bahn.

„Incredibell Sound Festival“ am Wochenende

Natürlich weiß er mittlerweile, dass es im Saarland nicht unbedingt leicht ist, genügend Publikum für Indie-Musik zu finden. Besser als Einzelkonzerte funktionierten Festival, zeige seine Erfahrung. Das nächste findet jetzt am Wochenende im rheinland-pfälzischen Saarburg statt. Beim „Incredibell Sound Festival“ spielen freitags und samstags elf Bands in der Kulturgießerei, dazu gibt es noch eine Kunstausstellung von Ellen Baumbusch.

Die Musiker kommen aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Schweiz, Italien, Luxemburg, Kanada, Schweden und Russland. „Mit den aktuellen Coronabestimmungen im Saarland hätte ich das nicht machen können, Rheinland-Pfalz ist da etwas lockerer. Theoretisch dürften 180 Leute kommen, da es dort ganz viel Platz hat.“

Zukunft im Alten Bahnhof Völklingen

Für die Zukunft hätte Mathieu aber gerne einen festen Ort für seine Konzertveranstaltungen. Den hat er in Form des Alten Bahnhofs in Völklingen auch schon gefunden, doch derzeit dürften dort nur 20 Zuschauer rein. Fürs im November stattfindende Blackwater-Festival geht er deswegen in den Hirsch in St. Arnual. Den Alten Bahnhof in Völklingen will Mathieu dann ab nächstem Jahr nutzen, ein Konzerttermin im Mai steht bereits fest.

Karten fürs Incredebell Sound Festival gibt es auf der  Homepage https://www.indierapromo.de/shop/