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Bauprojekt-Zoff: Frau aus Scheidt schildert Kettensägen-Angriff – Kritik an Polizei

Sie gibt nicht auf : Bauprojekt-Streit eskaliert – Frau aus Scheidt schildert Kettensägen-Angriff und kritisiert Polizei

Sie habe nicht den Eindruck, dass die Polizei den Fall ernst genug nehme, sagt die Bürgerinitiativen-Sprecherin, die in Saarbrücken-Scheidt bedroht wurde. Aber viele Menschen geben ihr gerade das Gefühl, dass sie nicht alleine ist. Auch die Stadt äußert sich zum eskalierten Streit um das Bauprojekt.

Ja, sie sei mit einer Kettensäge bedroht worden. In ihrem Haus im Eduard-Mörike-Weg sind Scheiben mit Steinen eingeworfen und die Fassade ist beschmiert worden. Sie wurde als  „Drecksau“ beschimpft. Und ja, sie habe Angst. Sie habe „auch Angst, dass meinem Mann etwas passiert oder meinen Hunden etwas passiert“, sagt die Frau, die sich seit gut einem Jahr in der ersten Reihe der Bürgerinitiative Scheidt gegen ein geplantes Bauprojekt in der Nachbarschaft engagiert. Aber sie sagt auch ganz klar: „Ich ziehe mich nicht zurück.“

Bis vor einer Woche hatte die engagierte und streitbare Scheidterin kein Problem damit, dem Widerstand gegen ein Wohnbauprojekt auf dem Gelände der sogenannten  Brandvilla am Hermann-Löns-Weg ein Gesicht zu geben. Nach den Anschlägen auf sie und ihr Haus halten sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter aus der Bürgerinitiative es allerdings für besser, nicht mit Namen in der Zeitung zu stehen. „Die Bürgerinitiative macht weiter“, betont die Frau. Aber man sei erstmal vorsichtig.

 Das Gelände am Hermann-Löns-Weg in Scheidt, wo eine abgebrannte alte Villa steht, soll neu bebaut werden. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative.
Das Gelände am Hermann-Löns-Weg in Scheidt, wo eine abgebrannte alte Villa steht, soll neu bebaut werden. Dagegen wehrt sich eine Bürgerinitiative. Foto: BeckerBredel

Vorwürfe der Bürgerinitiative Scheidt: Nimmt die Polizei die Bedrohung nicht ernst?

Von der Polizei erhalte sie nach den Vorfällen von vergangenen Mittwoch und vom Wochenende „keinen besonderen Schutz“, sagt die Frau. Sie habe auch nicht den Eindruck, dass die von ihr geschilderten Vorfälle im Waldstück an der Villa und der Vandalismus an ihrem Haus von der Polizei so ernstgenommen werden, wie sie sind. Sie habe Zigarettenstummel auf dem Gelände gefunden, an der Stelle, an der diejenigen, die Steine geworfen und das Haus mit blauer Farbe besprüht haben, den Zaun aufgeschnitten haben, um aufs Gelände zu kommen. Die Polizei habe sich für diese Zigarettenstummel nicht interessiert. „Ich hatte den Eindruck, für die bin ich nur eine hysterische Bürgerinitiativen-Tussi“, erzählt die Frau.

Um so wichtiger sei es, dass es „viel Unterstützung aus der Politik“ gebe. Vertreterinnen und Vertreter einiger Parteien hätten sich bei ihr gemeldet, um sich zu erkundigen, was passiert sei und wie sie helfen könnten. „Das gibt einem das Gefühl, nicht allein zu sein“, sagt die Frau. Seit Tagen stehe das Telefon nicht mehr still.

Mit Kettensäge angegriffen – Stadt äußert sich

Als sie am vergangenen Mittwoch die Geräusche einer Kettensäge aus dem Waldstück, in dem gebaut werden soll, hörte,  sei sie dorthin gegangen, um zu sehen, was dort geschieht. Sie fragte den Mann, der dort Bäume fällen wollte, nach einer Genehmigung. Der Mann sei aggressiv geworden und habe sie einen Hang heruntergestoßen, berichtet die Scheidterin. Weil sie sich nicht habe einschüchtern lassen, habe der Mann sie mit einer Kettensäge angegriffen. Zum Glück habe er sie nicht ernsthaft verletzt. Die Polizei, die Stadtverwaltung und das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz wurden eingeschaltet.

Wie die Stadtverwaltung am Montag bestätigte, liegt für das Gelände bislang keine Baugenehmigung vor. Das Verfahren stehe noch am Anfang. Auch die Abrissarbeiten der Villa sind in Abstimmung mit dem Landesamt eingestellt worden. „Dass kritische Stimmen mundtot gemacht werden, ist auf keinen Fall zu akzeptieren. Es handelt sich um eine Straftat. Wir haben keinen Zweifel daran, dass die Polizei ihr Möglichstes tun wird, um die Tat aufzuklären“, sagte Stadtpressesprecher Thomas Blug.

„Angriff auf unsere Demokratie“ in Scheidt

Am Dienstag hat sich auch das Bürgernetzwerk ProBI zu Wort gemeldet. Die Bürgerinitiative Scheidt, die Gründungsmitglied dieses Netzwerks ist, sei „auf fürchterliche Art und Weise angegriffen worden“, sagt Netzwerks-Sprecher Peter Rhiem. „Wir machen uns große Sorgen und sind teilweise verzweifelt über die ungeheuren Vorgänge. Die rücksichtlose Vorgehensweise der Täter bringt uns in große Angst“, schreibt er.

„Wir sind als engagierte Bürger angetreten, um den betroffenen Bürgern und Anwohnern bei ihren Belangen eine öffentliche Stimme zu geben. Unser Kreis setzt sich gerade für die ehrliche und offene Bürgerbeteiligung ein. Für eine offene Gesellschaft“, heißt es in der Stellungnahme des Netzwerks. Die Mitglieder der Bürgerinitiativen seien es „mittlerweile leider auch gewohnt, dass auch aggressive Meinungen über die neuen Internet- Medien“ Stimmung gegen Bürgerinnen und Bürger machen, die sich engagieren. Was der Frau von der Scheidter Initiative  passiert sei, habe  „eine so große Brutalität und so einen Hass an den Tag gebracht, dass wir uns dem mit aller Vehemenz entgegen stellen“, schreibt Rhiem. Was in Scheidt passiert sei, „ist nichts anderes als ein Angriff auf unsere Demokratie, unsere gesellschaftlichen Grundwerte“. Man werde sich aber nicht mundtot machen lassen. Im Gegenteil, die Initiativen wollten ihre „Stimme noch lauter“ erheben.