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Der neue Baudezernent will die Lebensqualität in Saarbrücken steigern

Interview Patrick Berberich : „Ich fürchte mich nicht“

Patrick Berberich, 42, ist seit einigen Wochen Baudezernent der Landeshauptstadt. Der Jurist und Bauingenieur arbeitet an einer Post-Corona-Strategie für Saarbrücken. Wie sieht die aus?

Herr Berberich, Sie sind Jurist und Bauingenieur. Was sind Sie denn mehr? Mehr Jurist? Mehr Ingenieur? Vielleicht doch Stadtplaner? Der ein oder andere zweifelt ja daran, dass Sie das auch können.

BERBERICH: Die Tätigkeit als Baudezernent ist von großem Verständnis für übergreifende Themen geprägt. Das betrifft zum einen die Bauthemen. Aber beim Umsetzen ist es von großer Bedeutung, den rechtlichen Rahmen einzuhalten. Das eine wird in das andere einfließen. Es ist dann ein Gesamtpaket aus beidem.

Sie hatten zu Beginn Ihrer Amtszeit unter anderem gesagt, es sei eine Ihrer Aufgaben, eine tragfähige Post-Corona-Strategie zu entwickeln. Was ist damit gemeint?

BERBERICH: Eine tragfähige Post-Corona-Strategie geht natürlich auch darauf ein, welche Auswirkungen Corona insgesamt auf die städtebauliche Entwicklung hat. Das bezieht sich zwangsläufig auf den innerstädtischen Bereich. Es wird dazu führen, dass ein größerer Bedarf entsteht,  Freiräume zu schaffen im innerstädtischen Bereich, wo die Verdichtung relativ hoch ist. Hier besteht der Anspruch, Räume zu haben, in denen man sich gut frei bewegen kann, die eine besondere Aufenthaltsqualität haben. Durch Corona  ist  natürlich auch eine nicht ganz einfache Situation für die Gewerbetreibenden entstanden. Das hat auch dazu geführt, dass es im innerstädtischen Bereich Leerstände gibt. Darum müssen wir uns dann kümmern.

Es ist sicherlich ein guter Plan, mehr Freiräume in der Stadt zu schaffen oder zu erhalten. Wie passt das zu dem Plan, Baulücken zu füllen?

BERBERICH: Es sind  sind Freiräume und Grünflächen entstanden, weil Flächen, die dafür vorgesehen sind, noch nicht  bebaut wurden. Sie sollten bebaut werden, damit nicht am Rande gebaut werden muss.

Das hört sich so an, als gäbe es mit Ihnen als Baudezernent keine Neubaugebiete.

BERBERICH: Das ist nicht richtig. Saarbrücken wird wachsen. Wir werden Bedarf an zusätzlichen Wohnungen haben, und wir haben unterschiedliche Zielgruppen, die wir auch bedienen möchten.

Welche Zielgruppen sind das? 

BERBERICH: Das ist einmal der Bereich betreutes Wohnen, in dem es einen höheren Bedarf geben wird. Aber auch bei Neubauten steigt der Bedarf. Es werden auch viele Familien nach Saarbrücken ziehen wollen.

Man könnte unbenutzte Büroflächen zum Wohnen umwidmen. Gehört das auch zum Plan?

BERBERICH: Soweit das Baurecht – und jetzt sind wir beim juristischen Teil meines Berufes –  das zulässt, können diese Grenzen auch tatsächlich soweit es eben geht ausgenutzt werden. Zur Post-Corona-Strategie gehört auch, dass frühere gewerbliche Flächen für Wohnungen genutzt werden sollen.

So einfach ist das aber doch nicht.

BERBERICH: Wir brauchen einen Investor. Wir wollen solche Prozesse im Rahmen der Bauleitplanung positiv begleiten. Wenn der Bebauungsplan eine solche Nutzung nicht vorsieht, würden wir mit einem Investor darüber sprechen, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, um eine Wohnnutzung zu ermöglichen.

 Sie sind im September als Baudezernent angetreten und haben es gleich mit einem recht großen Projekt zu tun: dem Kongress- und Messezentrum. Das Projekt wird als Modellprojekt zur Stadtentwicklung vom Bund gefördert und muss bis Ende 2026 fertig sein. Noch ist es aber nicht begonnen, zudem soll zunächst ein Architektenwettbewerb laufen. Das erzeugt ja einen zeitlichen Druck. Kann man den Zeitrahmen ausdehnen? Was sagt der Jurist Berberich dazu?

BERBERICH:  Ich gehe davon aus, dass wir den Zeitraum benötigen werden, und dass wir bei Bedarf dann die nötigen Gespräche mit dem Bund führen.

 Ich übersetze das jetzt mal so: Bis 2026 ist es nicht zu schaffen.

BERBERICH: Das Ziel ist, es bis 2026  zu schaffen. Und wenn wir es nicht schaffen sollten, dann müssen weitere Gespräche mit den Fördermittelgebern geführt werden.

Mit der Planung für das neue Zentrum hängt einiges zusammen. Unter anderem sind einige Hotels gebaut worden, sicherlich auch in Erwartung der Kongress- und Messegäste.

BERBERICH: Es war schon so, dass wir einen weiteren Bedarf an Hotels hatten. Wir sehen den Bedarf aber jetzt als gedeckt an. Es gibt eher noch Bedarf in speziellen Nischen, etwa im Wellness-Bereich.

Lassen Sie uns mal nach Alt-Saarbrücken schauen. Das untere Alt-Saarbücken  wird als  Hochschulstandort entwickelt, im Stadtteil ist es aber auch sehr eng…

BERBERICH: Ich  kenne ja den Bereich aus meiner vorherigen Tätigkeit in der Staatskanzlei. Da war ich ja als Referatsleiter zuständig für die Entwicklung der Hochschule für Technik und Wissenschaft. Ich sehe da eine wirklich sehr positive Entwicklung. 

Jetzt hat Saarbrücken ja auch noch eine Universität. Und die ist nach wie vor nicht gut an die Innenstadt angebunden. Was werden Sie tun?

BERBERICH: Das wird natürlich in naher Zukunft ein Thema sein. Die Rad-Infrastruktur zu verbessern, wird eines der Ziele sein.

Was ist Ihr persönlicher Schwerpunkt für diese Stadt?

BERBERICH: Dass die Menschen spüren, dass wir Baumaßnahmen voranbringen, die für die Menschen positiv sind. Das heißt für mich, die Schaffung von Lebens- und Aufenthaltsqualität.

 Das ist sicherlich wichtig, aber auch ein bisschen allgemein formuliert. Was braucht diese Stadt Ihrer Meinung nach ganz dringend und möglichst  schnell?

BERBERICH: Es gibt ganz konkrete Beispiele, die Erweiterung der Fußgängerzone am St. Johanner Markt ist eines. Dadurch werden wir die Aufenthaltsqualität deutlich steigern. Ein anderes Beispiel ist die Sanierung der Alten Brücke als Wahrzeichen der Stadt. Ich denke, dass die Stadt schon sehr viel zu bieten hat. Was fehlt, ist weiterer Wohnraum.

 Wie halten Sie es mit den Stadtteilen? Es gibt ja durchaus Stadtteile, in denen ist es um die von Ihnen angesprochene Lebens- und Aufenthaltsqualität noch nicht so gut bestellt.

BERBERICH: Natürlich wollen wir auch die Attraktivität der Stadtteile verbessern und auch dort Wohnraum schaffen und die Nahversorgung stärken. Die Einwohner sollen an der Entwicklung beteiligt werden.

 Ihre Vorgängerin und Ihr Vorgänger im Amt hatten jeweils ein Großprojekt. Einmal Stadtmitte am Fluss, dann das Stadion. Beides nicht ganz einfach. Sie haben in Ihrer Amtszeit nun das Messe- und Kongresszentrum vor sich. Vielleicht nicht ganz so kompliziert wie die beiden Großprojekte, aber auch nicht klein. Fürchten Sie sich schon?

BERBERICH: Nein, ich fürchte mich nicht. Das Vorhaben muss klar strukturiert sein. Im Kern des Projektes steht die Erweiterung der Congresshalle, die durch den Bauherren CCS, also die Congress Centrum Saar GmbH, umgesetzt wird. Wir haben die Federführung bei den umliegenden städtebaulichen Maßnahmen. Das muss gut aufeinander abgestimmt werden. Wir müssen auf Sicht fahren, Probleme angehen und sie zu guten Entscheidungen führen.