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Glasfaser im Saarland: Telekom startet Turbo-Internet Ausbau in drei Kommunen

Glasfaser-Ausbau : In diesen drei Kommunen im Saarland will die Telekom jetzt Turbo-Internet ermöglichen

Die Telekom will den Ausbau des superschnellen Internet im Saarland vorantreiben. Am Donnerstag wurde der Startschuss für den Ausbau des Glasfasernetzes gegeben. Welche Kommunen sollen zuerst von den Gigabit-Leitungen profitieren?

Und dann wurden noch Fotos gemacht. Der Pressesprecher der Telekom, Johannes Maisack, drückte geistesgegenwärtig dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans, dem Saarbrücker  Oberbürgermeister Uwe Conradt, dem Chef der Staatskanzlei, Henrik Eitel (alle CDU), sowie den Telekom-Managern Srini Gopalan und Ferri Abolhassan telekom-farbene Schutzhelme auf den Kopf. Spaten wurden gereicht, nagelneu mit rotem Schaufelblatt, sodann schritten die Herren zum vor der saarländischen Staatskanzlei drapierten Sandhaufen und vollführten den symbolischen Spatenstich für das Glasfaser-Projekt, das die Telekom im Saarland jetzt angehen will.

Der Ministerpräsident war mit dem Einsatz eines Mitstreiters am Sand aber nicht zufrieden. Als ein Kamerateam draufhielt, rügte Hans den Telekom-Geschäftsführer und gebürtigen Saarbrücker Ferri Abolhassan: „Ferri, du muschd rischdisch scheppe!“ Und es wurde richtig geschippt.

Auf der Pressekonferenz auf dem Ehrenhof vor der Staatskanzlei stellten Land, Stadt Saarbrücken und die Telekom am Donnerstag Pläne für den Ausbau des  Glasfasernetzes im Saarland vor. Für Hochgeschwindigkeits-Internetanschlüsse, die zehnmal schneller als jetzige gute Leitungen sind, will die Deutsche Telekom zunächst in Saarbrücken, Homburg und Neunkirchen sorgen. Dort sollen bis in die Haushalte und Firmen hinein Glasfaserleitungen mit Übertragungsraten von 1000 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), was einem Gigabit entspricht, verlegt werden. Das kündigte Srini Gopalan, der Deutschland-Chef der Telekom an.

In den kommenden sechs Jahren sind 120 000 Anschlüsse geplant, davon 90 000 in Saarbrücken. Doch auch die ländlichen Regionen sollen nach und nach versorgt werden. Die Telekom wird bei diesem Projekt in Vorleistung treten. Sie verlegt die Glasfaserkabel in den Kommunen, ohne vorher bereits eine bestimmte Anzahl von Kunden gewonnen zu haben. Auch in Gewerbegebieten richtet die Telekom Glasfaser-Netze ein, ohne bereits im Voraus Verträge mit den ansässigen Firmen und Betrieben abzuschließen.

 „Ferri, du muschd rischdisch schippe!“, ermahnte Ministerpräsident Tobias Hans (Mitte) beim Spatenstich zum geplanten Glasfasernetz der Telekom im Saarland den Telekom-Manager Ferri Abolhassan (2. von links). Der hatte aus Sicht von Hans im Gegensatz zu den Mitstreitern Henrik Eitel, Chef der Staatskanzlei (links), sowie Srini Gopalan, Deutschlandchef der Telekom (2. von rechts), und Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (rechts) nicht genug Einsatz gezeigt. Foto: BeckerBredel
„Ferri, du muschd rischdisch schippe!“, ermahnte Ministerpräsident Tobias Hans (Mitte) beim Spatenstich zum geplanten Glasfasernetz der Telekom im Saarland den Telekom-Manager Ferri Abolhassan (2. von links). Der hatte aus Sicht von Hans im Gegensatz zu den Mitstreitern Henrik Eitel, Chef der Staatskanzlei (links), sowie Srini Gopalan, Deutschlandchef der Telekom (2. von rechts), und Saarbrückens Oberbürgermeister Uwe Conradt (rechts) nicht genug Einsatz gezeigt. Foto: BeckerBredel Foto: BeckerBredel

Anders handhabt das zum Beispiel die Deutsche Glasfaser, ein Unternehmen, zu dem auch die Saarlouiser Telekommunikationsfirma Inexio gehört. Im März hatte die Deutsche Glasfaser angekündigt, über 300 000 der insgesamt rund 495 000 Haushalte im Saarland mit Glasfaseranschlüssen bis in die Wohnung versorgen zu wollen. Allerdings wird das nur umgesetzt, wenn vorab bereits mindestens 30 Prozent der potenziellen Kunden einen Vertrag abschließen. Im Mai gab das Unternehmen bekannt, in Friedrichsthal vorerst keine Glasfaserkabel zu verlegen, weil dort zu wenige Bürger einen Vertrag abschließen wollten.

Wie die Deutsche Glasfaser will auch die Deutsche Telekom möglichst ohne  Steuergelder auskommen. Ministerpräsident Tobias Hans erklärte am Donnerstag, für die Verlegung der Glasfaserkabel würden Fördermittel des Landes und des Bundes nur gewährt, wenn sich der Ausbau zum Beispiel in dünn bewohnten Regionen für die Unternehmen wirtschaftlich nicht rechnen würde. Das Saarland stelle bei Bedarf bis zu 100 Millionen Euro Fördergelder zur Verfügung, erklärte Hans. Der Bund fördert den Netzausbau in den Kommunen mit 50 bis 70 Prozent. Hans betonte auch, es sei wichtig, dass  Politik und Verwaltung in den Kommunen den Ausbau vorantrieben.

Der Saarbrücker Oberbürgermeister Uwe Conradt nannte den Glasfaserausbau „ein echtes Zukunftsprojekt“. Selbst in der Landeshauptstadt gebe es noch sogenannte weiße Flecken, Bereiche mit mangelhafter Internetanbindung. Um diese Flecken beseitigen zu können, sei eine staatliche Förderung sinnvoll, erklärte Conradt. Die Bundesregierung hat in dieser Woche auf eine Kleine Anfrage des  saarländischen Bundestagsabgeordneten und verkehrspolitischen Sprechers der FDP-Bundestagsfraktion, Oliver Luksic, mitgeteilt, dass es derzeit im Stadtverband Saarbrücken noch 1354 Haushalte und 78 Firmen gibt – was 0,8 beziehungsweise 2,5 Prozent der Gesamtzahlen entspricht –, die nicht mit einem Anschluss von mindestens 30 Megabit pro Sekunde versorgt sind. In Neunkirchen sind es 465 Haushalte und 41 Firmen (0,7 beziehungsweise 4,6 Prozent).

Der Breitbandatlas des Bundes listet zudem 14 Gewerbegebiete in verschiedenen Kommunen des Saarlandes auf, die beim Internetanschluss als unterversorgt gelten. Das ist der Fall, wenn weniger als 50 Mbit/s Übertragungsrate zur Verfügung stehen.   

Tobias Hans hatte schon bei anderer Gelegenheit darauf verwiesen, dass im Saarland auch Schulen mit Gigabit-Anschlüssen ausgestattet werden sollen. Bis Ende kommenden Jahres sollen 327 Schulen am schnellen Netz hängen. Viele Bürger zögern aber noch bei Gigabit-Verträgen. Denn derzeit reizen selbst Anwendungen mit hoher Datenübertragung 1000 Mbit/s bei Weitem nicht aus. Zum Beispiel benötigt Videostreaming in Ultra-HD (4K) rund 25 Mbit/s. Allerdings haben Home-Office und Home-Schooling in Corona-Zeiten gezeigt, dass giga-schnelle Anschlüsse vor allem Familien mit Kindern deutlich mehr Komfort bieten können. Wenn im Zukunft 8k-Fernseher mit 16-mal so vielen Pixeln wie das heutige Full HD sowie immer mehr ans Internet angeschlossene Haushaltsgeräte zum Einsatz kommen, kann sich in größeren  Haushalten ein Gigabit-Anschluss bezahlt machen.

Hausbesitzer, Wohnungseigentümergemeinschaften und Firmen müssen den Anschluss ans Glasfasernetz selbst bezahlen. Der Preis hängt auch von der Strecke ab, die noch zu überbrücken ist. Nach Angaben der Telekom liegen die Kosten für den Glasfaseranschluss bei rund 800 Euro. Telekom-Verkaufsmanager Ferri Abolhassan erklärte am Donnerstag jedoch, mit einer steigenden Zahl von Nutzern würden die Preise sinken.