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Markus Brixius zwischen PopScene und Pop-Rat

Backstage: Kulturmenschen hinter den Kulissen : Der Mischmasch-Mensch von den „Apemen“

Sein Produkt hatte wohl jeder Kulturinteressierte schon mal in der Hand. Markus Brixius ist Herr der Popscene, des „total umsonsten“ Veranstaltungsheftes. So ganz umsonst könnte das bald nicht mehr sein. . .

Markus Brixius beschreibt sich selbst als Mischmasch-Mensch: „Ich kann von allem ein bisschen was, aber nichts richtig.“ Damit stellt er jedoch sein Licht etwas unter den Scheffel, gelingt es dem 47-Jährigen doch seit zwölf Jahren, das „total umsonste“ Eventmagazin Popscene herauszubringen.

Dass er in die Richtung Journalismus gehen will, war Brixius schon früh klar. Er engagierte sich medial schon in der Schulzeit und interessierte sich in seiner Jugend für Aufnahmegeräte wie Kassettenrekorder oder Super-8-Kameras. Zunächst nahm er den Umweg über eine Ausbildung als Radio- und Fernsehtechniker, ehe er dann in Saarbrücken Informationswissenschaften studierte.

Tontechnik wäre auch eine Option gewesen, denn aus Brixius’ einstiger Schülerband ging die bekannte Sixties-Combo The Apemen hervor, bei der er heute noch Gitarre spielt. „Der Plan war ursprünglich, ein bisschen Informationswissenschaft zu studieren und dann Ministerpräsident zu werden. Aber das hat leider nicht geklappt, da ist mir jemand zuvorgekommen“, meint Brixius augenzwinkernd.

Nach dem Studium arbeitet er als freier Mitarbeiter für die Saarbrücker Zeitung, vorwiegend für das angeschlossene Eventmagazin Potato. Als dieses im Jahr 2009 die Segel streicht, macht Brixius aus der Not eine Tugend und gründet sein eigenes Magazin, damals noch unter dem Namen Saarscene. 

Wie praktisch, dass er durchs Studium auch gute Kenntnisse im Onlinebereich besitzt – so ist die Vermarktung des Magazins im Internet für ihn kein Problem. Unter e-paper.popscene.club sind die alten Hefte übrigens noch alle abrufbar.

Brixius startet mit drei Mitarbeitern und kann den Verbreitungsbereich schnell erweitern. Das Wort „Saar“ ist dabei für Westpfalz und Trierer Gegend etwas hinderlich, und so entsteht parallel das Magazin Cityscene. Ab 2017 legt er die Hefte zusammen und nennt sie Popscene.

Das passt dann auch zum 2015 gegründeten saarländischen Poprat, dem Brixius von Anfang an angehört und dessen Schriftführer er ist. 2016 tut er sich mit dem Unternehmen Inszene Media zusammen, das wohl am ehesten für die CityCards-Gratispostkarten bekannt ist.

Nachdem Inszene ein Jahr lang für die Verteilung von Brixius’ Magazinen zuständig gewesen ist, erkennen beide Seiten, dass sich ein Zusammenschluss lohnen könnte. Mit Erfolg. Das Unternehmen ist mittlerweile von drei Mitarbeitern auf über zehn Festangestellte plus Freie angewachsen, Brixius ist einer der Gesellschafter.

Durch die Coronazeit ist Popscene bislang gut durchgekommen, auch wenn über Veranstaltungen nicht mehr berichtet werden konnte. „Wir haben dann mehr was über die Gastronomen gebracht, wenn die sich etwas Witziges ausgedacht haben.“

Bereits am 15. März 2020 startet Inszene einen Webshop mit Pandemie-Produkten, außerdem kann Brixius in diesem Jahr seine Kenntnisse mit Videos und Livestreams gut nutzen. „Corona ist Enthüllungs- und Beschleunigungsvirus zugleich“, meint er, die Krise habe an vielen Stellen aufgezeigt, wo’s hakt.

Viele der jetzt entstandenen Ideen werden die Pandemie überleben, davon ist er überzeugt. Bei seinem eigenen Produkt überlegt er sich, ob er es nicht online hinter eine Bezahlschranke legt. „Wir haben schon so viel Blödsinn gemacht, da würde ich nicht davor zurückschrecken, Popscene das ‚total kostenpflichtige Magazin‘ zu nennen.“

Eine der Corona-Ideen, dieses Mal allerdings nicht von Brixius ausgehend, ist der „Kulturtalk aus dem #UnionSquare“. Da sei die Union Stiftung auf ihn zugegangen, ob er den nicht moderieren möchte. Alle zwei Wochen werden auf Youtube nun Interviews mit saarländischen Künstlern oder Veranstaltern ausgestrahlt.

Den Anfang machte Brixius mit Benjamin Kiehn, der das Fantasie- und Rollenspiel-Konvent FaRK ins Leben gerufen hat. Letzten Samstag ging es mit der Homburger Malerin Julia Johannsen weiter, der Multimediakünstler Volker Schütz und der Rapper Manu Meta folgen. In der zweiten Staffel der Reihe darf man sich auf Julian Blomann (Baker Street/Hirsch und Crowdticket), die Fotografin Jennifer Weyland und den Produzenten Dominik Rivinius freuen.

Jeden zweiten Samstag um 18.30 Uhr führt Markus Brixius ein Interview mit einer Person des saarländischen Kulturlebens. Der nächste Talk ist am 10. April. Weitere Infos gibt es auf
www.unionstiftung.de