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Max-Ophüls-Festival: So entsteht ein cooles Festival-Bistro in Saarbrücken

Aus ehemaligem Karstadt-Restaurant entsteht cooles Festival-Bistro : Max-Ophüls-Festival: Warum es zum Ticketvorverkauf an reizenden Slips und BHs vorbeigeht

Ein kreatives Team hat derzeit alle Hände voll zu tun, damit aus dem ehemaligen Karstadt-Restaurant das beliebte „Lolas Bistro“ des Ophüls-Festivals wird. Die SZ durfte schon mal vor der Eröffnung rein.

Damit hat das Filmfestival Max Ophüls Preis (MOP) wohl den bundesweit schlüpfrigsten Ticketvorverkauf: Denn zur Kasse mit den begehrten Eintrittskarten geht es mitten durch die Damendessous-Abteilung, an reizenden Slips und BHs vorbei, im Galeria-Kaufhaus, früher bekannt als Karstadt. Was dahinter liegt, wird erst am Montag enthüllt, doch die SZ darf schon mal rein: in Lolas Bistro, den beliebten Filmfestivalclub, der nicht nur endlich wieder existieren darf, sondern auch noch einzieht in neue, stillgelegte Räume.

„Lolas Bistro“ – „Es gibt selten eine Location mit so einer langen Fensterfront“

Dabei hatte es ja kaum einer bemerkt, dass das Karstadt-Restaurant in der ersten Etage hinter den Dessous schon seit über einem Jahr geschlossen war. „Mein erster Gedanke war, eigentlich cool , es gibt ja selten eine Location mit so einer langen Fensterfront“, erinnert sich Oliver Häfele, der den Festivalclub mit seiner Firma clubgerecht umrüstet und einrichtet, an den Tag irgendwann im Dezember, als er das ehemalige Restaurant erstmals betrat. In der Tat zieht die lange Reihe an Fenstern, durch die man freie Sicht auf Saarbrückens verkehrsreichste und breiteste Brücke sowie die umstehenden Hochhäuser hat, sofort die Blicke auf sich. Die freie Durchsicht soll auch so bleiben, wenn hier abends der Bär tobt. So was gibt doch Großstadtflair, so was darf man doch nicht zukleben – das sehen auch Oli Häfele und Sebastian Jochum vom MOP-Festival-Team so.

Ansonsten herrscht in dem früheren Restaurant auf satten 600 Quadratmetern Fläche noch ein ziemliches kreatives Chaos aus gestapelten Möbeln, Kisten und Kabeln. Man fängt an zu grübeln: Gab es hier vorher wirklich schon so rustikale Holzsäulen, schwarze Kaffeehaus-Stühle, grüne Hängelampen und Schalensessel im Stil der 60er Jahre? Da muss Oli Häfele lächeln. Natürlich nicht! „Wir haben so gut wie alles rausgerissen“, sagt der Einrichter von Messe- und Party-Locations, der hier mit seinem Team schon seit eineinhalb Wochen von 8 Uhr bis 20 Uhr täglich arbeitet.

Stilistische Leitlinie für Lolas Bistro eine Mischung aus Industrial und Vintage

Nur der helle Boden, der aussieht wie feinstes Parkett, aber doch nicht ist, und einige größere und kleinere feste Einbauten sind laut Oli Häfele geblieben. Auch die Raumteiler und die Holzsäulen sind „made by Häfele“. Als stilistische Leitlinie für Lolas Bistro habe man eine Mischung aus Industrial und Vintage gewählt, erläutert er. Vintage bedeute hier Retro-Möbel und viel Holz, damit es nicht so kalt wirke. Schließlich sei das Restaurant ja auch kein technisches Gebäude wie damals die Hauptpost, betont er in Anspielung auf eine frühere Lolas-Bistro-Location.

 Blaue Herzen zieren schon die große Fensterfront. Hier werden sich in der nächsten Woche Filmemacher, Schauspieler und Kinofans treffen.
Blaue Herzen zieren schon die große Fensterfront. Hier werden sich in der nächsten Woche Filmemacher, Schauspieler und Kinofans treffen. Foto: Silvia Buss

Rund hundert Lampen und Lämpchen, zum Hängen, zum Stehen oder auch in Form von blauen Herzchen hat das Häfele-Team außerdem herbeigeschafft, um für gemütliche Stimmung zu sorgen. So wird man also bald sanft beleuchtet an langen Holztischen auf den Holzstühlen oder in den alten Eckbank-Nischen aus Restaurant-Zeiten vor der Fensterfront miteinander ins Gespräch kommen über Neues vom Film. Und das nicht nur abends von 18 Uhr bis 1 Uhr nachts, also nach einem anstrengend-schönen Kinotag. Dann, wenn auch getanzt werden darf auf dem vorteilhaft glatten Pseudo-Parkett, zu Musik von DJs, die hier ein eigenes Pult mit LED-Lichtspielen hingestellt bekommen haben. Wie schon bei der der letzten Vor-Corona-Ausgabe, öffnet Lolas Bistro vielmehr auch schon tagsüber, ab 10 Uhr früh. Dann könne man hier frühstücken oder auch gleich brunchen, mittags warm essen, nachmittags gebe es Kaffee und Kuchen und auch abends warme und kalte Gerichte, erläutert Oli Häfele.

Liegefläche für Lolas Bistro

Er führt uns in den Bereich, in dem früher der Self-Service des Kaufhausrestaurants war. Auch hier haben die Einrichter kräftig gewirkt. Sie haben zum Beispiel die alten Theken entfernt und durch neue mit Holz-Auflageplatten ersetzt. Christoph Lange, Häfeles Mit-Gesellschafter, ist gerade mit einem Helfer dabei, den einstigen Kassenbereich, der unter einer Platte verschwunden ist, mit schwarzem Tuch zuzutackern. „Das wird eine Liegefläche“, erklärt er und zeigt auf die bereit liegenden Riesensitzkissen. Wer weiß, vielleicht nutzt der ein oder andere Newcomer ja diese erhöhte Fläche vor Publikum als Bühne zur Selbstdarstellung. Der Promi-Faktor bei Lola erleichtert es Häfeles Assistentin Yvonne Neustädter, die zehn Servicekräfte, die hier im Einsatz sein werden, zu gewinnen. „Wir nehmen dafür Kräfte aus unseren anderen Cafés, die freuen sich da schon drauf“, sagt Neustädter. Was aber hat es denn mit diesem gläsernen Raum daneben auf sich, in dem nur lange Tische und Stühle stehen? Das sei mal die Kinderspielecke gewesen und werde nun der Raum für die Presseleute, klärt Häfele auf. Der MOP-Festivalfunk des Saarländischen Rundfunks mit den Filmtalks wird, um ein weiteres Rätsel zu lüften, in den benachbarten Pausenraum der Kaufhausmitarbeiter ziehen.