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Robert Schuman Kunstpreis 2021. Florian Huth ist in Saarbrücken dabei

Robert Schuman Kunstpreis. Florian Huth ist in Saarbrücken dabei : Florian Huth macht Kunst aus Google Earth

Die Teilnahme am Kunstpreis Robert Schuman kam für den Künstler überraschend. Seine Kunst ist in der Stadtgalerie zu sehen.

Für den Künstler Florian Huth war es eine ziemlich große Überraschung, von Katharina Ritter, der Leiterin der Stadtgalerie, für den Kunstpreis Robert Schuman nominiert zu werden. Schließlich hatte er erst von Februar bis Juni dieses Jahres seine Werke in der Saarbrücker Stadtgalerie zeigen können. „Aber ich habe mich natürlich sehr gefreut. Denn ich kannte den Preis aus meiner Zeit in Saarbrücken“, erklärt er.

Der Kunstpreis Robert Schuman ist der wichtigste Kunstpreis der Großregion. Er wird alle zwei Jahre von den vier Städten Trier, Metz, Luxemburg und Saarbrücken ausgeschrieben. In diesem Jahr findet die dazugehörige Ausstellung in Saarbrücken statt, neben der Stadtgalerie auch im Saarländischen Künstlerhaus.

Und Florian Huth ist es gelungen, mit seiner erneuten Präsentation nochmal zu überraschen. Denn er zeigt sieben Bäume, sowie zwei weitere Skulpturen, allesamt entstanden aus digitalen 3D-Daten. „Ich wähle etwas bereits Existierendes aus und überführe es in ein eigenes, neues Werk“, erläutert er.

Die Kunstwerke von Florian Huth basieren auf Fotografien und werden zu dreidimensionalen Werken. Das, was sich erstmal ausgefallen anhört, ergibt sich erstaunlich konsequent aus seinem Lebenslauf. Denn Florian Huth, in Saarbrücken geboren, machte nach der Schule eine klassische Fotografenausbildung in Saarbrücken. „Ich habe schon relativ früh gerne und viel fotografiert, allerdings haben mich Porträts oder Architekturen weniger interessiert. Es war immer die künstlerische Fotografie, die ich bevorzugte“, sagt er.

Daher ging er nach der Ausbildung im Jahr 2006 an die Hochschule in München, wo er bis heute lebt. Er studierte Fotografie, widmete sich der analogen Dokumentarfotografie, sein Thema wurden die Alpen, deren unberührte Natur im Gegensatz zur Architektur.

Nachdem er sein Bachelor gemacht hatte, studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in München zusätzlich in der Bildhauerklasse von Olaf Metzel. „Es war aber weniger das klassische Bildhauerhandwerk, als vielmehr die Beschäftigung mit Objekt und Raum, die im Mittelpunkt des Studiums stand“, erklärt er dazu.

Mit einer Serie zum G7-Gipfel im Jahr 2015 auf Schloss Elmau gewinnt er den Förderpreis für Fotografie der Landeshauptstadt München. 2019 schließt Florian Huth sein Studium als Meisterschüler ab, arbeitet seither freischaffend. Für seine künstlerische Arbeit hat er diverse Preise, Stipendien und Artists in Residences erhalten, das sind Förderaufenthalte für Künstler in anderen Städten oder Regionen.

„Ich arbeite viel mit Barbara Herold, die in Saarbrücken an der Hochschule der Bildenden Künste studierte, als Künstlerduo zusammen zum Thema Natur und Digitalität“. Und zusätzlich hat er sich auch auf seine beiden Ausstellungen in der Saarbrücker Stadtgalerie vorbereitet. „Die erste Ausstellung war toll, ich mag die Räume der Stadtgalerie sehr, aber leider war ein Großteil der Laufzeit die Ausstellung wegen Corona geschlossen“.

So war die Freude, jetzt seine Werke nochmal hier zeigen zu können, umso größer. Aber auch umso schwieriger. Denn schon beim Aufbau erklärte er, dass er nicht genau das Gleiche nochmal zeigen wollte. Und so hat er einige Werke in kurzer Zeit neu erschaffen.

Und bei Florian Huth ist das nicht so einfach. Denn zuerst stehen umfangreiche Recherchearbeiten an, bevor die digitalen Objekte in skulpturale, dreidimensionale Werke übersetzt werden.

Und für seine aktuellen Skulpturen hatte er eine ganz besondere Idee. „Meine Idee war, ganz gezielt nach Kunstwerken im öffentlichen Raum bei der Online-Plattform Google Earth zu suchen. Da ich mich viel mit Kunst im öffentlichen Raum beschäftigt habe, wollte ich einfach wissen, wie Kunstwerke bei Google Earth dargestellt werden“, erklärt er.

Durch die digitale Umwandlung der ursprünglichen Luftbildaufnahmen entsteht eine starke Reduzierung der Bilder, sie werden unscharf, verpixelt. Für Florian Huth haben sie dadurch eine besondere digitale Ästhetik. Das brachte ihn dazu, sich sieben Bäume aus Josef Beuys Werk „7000 Eichen“ in Kassel auszusuchen, und die Erscheinung der Bäume bei Google Earth dreidimensional nachzubilden.

Das Ergebnis sind wundersame, etwas grobe, kantige Holzskulpturen, die noch an Bäume erinnern, aber auch etwas an Holzspielzeug. Auch eine verblüffende Styrodurfigur nach Serkan Özkayas goldenem David in Louisville, Kentucky, eine Kopie des berühmten Originals von Michelangelo, ist in der Ausstellung zu sehen.

Und für Saarbrücken hat Florian Huth auch eine Skulptur nach Richard Serras Kunstwerk „Torque“ auf dem Uni-Campus in Saarbrücken geschaffen. Daraus wurde eine (kleine) geschlossene, kantige, rostige, aber faszinierende Stahlskulptur. Da man das Original bei Google Earth leicht finden kann, wird man verblüfft sein, wie genau Florian Huth diese Abbildung umgesetzt hat.

Die Ausstellungen sind bis 9. Januar in der Stadtgalerie und im Saarländischen Künstlerhaus zu sehen.
www.florianhuth.de
https://stadtgalerie.saarbruecken.de/ausstellungen/archiv/florian_huth