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Saarbrücken: Stadt entwickelt Konzept für autofreie Zone

Projekt für mehr Lebensqualität : Stadt entwickelt Konzept: Bekommt Saarbrücken jetzt autofreie Zonen?

Wie kann die Lebensqualität in Saarbrücken verbessert werden? Darüber wollen Politik und Stadtverwaltung mit den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch mit Vertretern aus Handel und Gastronomie ins Gespräch kommen. Eine Maßnahme scheint aber schon klar zu sein.

Die Saarbrücker Stadtverwaltung soll nach Bielefeld schauen. Das hat der Verkehrsausschuss des Saarbrücker Stadtrats am Mittwoch beschlossen. Ähnlich wie mit dem Projekt „Altstadt.raum” der Stadt Bielefeld, argumentieren CDU, Grüne und FDP, die den Antrag gemeinsam formuliert haben, „könnte die Lebensqualität für die Saarbrückerinnen und Saarbrücker durch Maßnahmen wie die Installation weiterer Sitzmöbel sowie von Spiel-und Sportgeräten in verkehrsberuhigten Bereichen, weiteren Flächen für die Außengastronomie oder die Begrünung von Flächen und Fassaden verbessert werden“.

Die Bielefelder haben ihr Projekt unter das Motto „Lieber ‚Versuch macht klug’ als ,Haben wir immer so gemacht’“ gestellt. In Bielefeld ist das so gelaufen: Erstmal haben Politiker und Verwaltungsleute in Online-Workshops darüber geredet, was das Ziel der Aktion sein soll. Man verständigte sich darauf, die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Bielefelder Altstadt zu stärken. Am Ende des Projekts will man sagen können: „Die Verkehrsberuhigung bietet viele Chancen, vorhandene Plätze und Straßen neu und anders zu nutzen. Durch eine Ausweitung der Außengastronomie beispielsweise oder durch die Platzierung von Spiel- und Sportgeräten und durch kulturelle Events. Daneben gibt es nun mehr Rückzugsorte mit neuen Sitzmöglichkeiten. Begrünung, Bäume und Blumen sorgen für ein entspanntes Flair.“

 Dann durften die Bürgerinnen und Bürger und Interessengruppen Vorschläge einreichen, mit denen sie glaubten, diesem Ziel näher zu kommen. Auch das lief übers Internet. Von der Verwaltung wurden die Vorschläge sortiert und die Politik hat dann entschieden, welche der Idee man testen will. Am Ende der Testphase sollen dann die Bürgerinnen und Bürger sowie die Interessengruppen, etwa der Handel oder die Gastronomie, wieder gefragt werden. Sie sollen sagen, wie sie die Ideen bewerten, nachdem sie nun getestet wurden.

 Mitten in Berlin ist inzwischen ein Teil der Friedrichstraße autofrei. Für Fahrradfahrer gilt ein Tempolimit.
Mitten in Berlin ist inzwischen ein Teil der Friedrichstraße autofrei. Für Fahrradfahrer gilt ein Tempolimit. Foto: dpa/Christoph Soeder

Konzept für autofreie Zone in Saarbrücken soll entwickelt werden

So ähnlich soll das in Saarbrücken auch ablaufen. Der Stadtrats-Verkehrsausschuss hat auf Antrag der Jamaika-Koalition die Verwaltung „gebeten, in einem öffentlichen Beteiligungsprozess die Ideen und Vorschläge von Bürgerinnen und Bürgern, Interessenverbänden, Gastronomie und Handel zur Stärkung der Aufenthaltsqualität zu sammeln“.

Ein ganz konkretes Anliegen haben aber CDU, Grüne und FDP in ihrem Antrag bereits formuliert: Auf Grundlage der eingebrachten Vorschläge soll die Stadtverwaltung, in dem Fall das Baudezernat, „ein Konzept für eine autofreie Zone mit konkreten verkehrsplanerischen und infrastrukturellen Maßnahmen“ entwickeln. Darüber hinaus wird die Verwaltung gebeten zu prüfen, „inwieweit ein solches Projekt zur Steigerung der Aufenthaltsqualität gefördert werden kann, und benennt geeignete Quartiere für die Umsetzung einer ersten autofreien Zone als Pilotprojekt“. In Bielefeld gab es von der Europäischen Union Geld aus dem Fonds für regionale Entwicklung.

In Bielefeld hat das Projekt zu etwas geführt, womit in Saarbrücken vor einigen Monaten bereits begonnen wurde: Es wurden Fahrradstraßen ausgewiesen, also Straßen, in den Autos zwar fahren dürfen, aber sich den Radfahrern anpassen müssen. Darüber werde heftig diskutiert in Bielefeld, heißt es auf der Internetseite des Projekts. Mitten in Bielefeld ist auch ein Sandkasten aufgestellt worden mit Bänken für Eltern, die ihren Kindern beim Buddeln zuschauen wollen. Die Stadt testet nacheinander und teilweise parallel die Ideen, die man für sinnvoll erachtet.

„Shoppen, genießen, flanieren, Kultur erleben“, so könne die Altstadt schöner werden, heißt es. Und: „Mehr Sitzgelegenheiten, mehr Grün“ bedeuten auch „mehr Lebensqualität“. Die Testphase sei dabei aber sehr wichtig. „Denn vom Schreibtisch aus kann man noch so gut planen, erst die Praxis zeigt, was funktioniert, wo nachgebessert werden muss und was sich als untauglich herausstellt“, erklärt die Bielefelder Stadtverwaltung ihren Bürgerinnen und Bürgern.

Man sei in so einem ambitionierten Projekt angewiesen auf Anregungen und Kritik, heißt es in Bielefeld, und selbstverständlich sei man in der Stadtverwaltung auch für Lob dankbar. In Saarbrücken ist schon bei einigen Aktionen gezeigt worden, wie es ist, wenn zum Beispiel Parkplätze zu Flächen für Gastronomie werden. Eine autofreie Zone zusätzlich zu den bestehenden Fußgängerzonen geht einen Schritt weiter. Vielleicht empfiehlt bald jemand den Verantwortlichen im Bielefelder Rathaus, mal nach Saarbrücken zu schauen.