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Saarbrücken will Host Town für die Special Olympics 2023 sein

Weltweit größte Sportveranstaltung für Menschen mit geistiger Behinderung : Saarbrücken will Gastgeber der Special Olympics 2023 sein – so stehen die Chancen

Saarbrücken will von einem Welt-Sportereignis in Berlin profitieren. Die Chefetage der Stadtverwaltung hat einen Plan vorgelegt. Der Stadtrat muss noch zustimmen.

Uwe Conradt und Claudia Kohde-Kilsch sind politisch selten einer Meinung. Ein Vorhaben der Stadtverwaltung bringt aber beide ins Schwärmen, den christdemokratischen Oberbürgermeister und die solzialdemokratische Stadtverordnete, die sich vor ihrem Wechsel zur SPD in der Linken engagiert hat: Die Landeshauptstadt Saarbrücken will sich für das „Host Town Program‟ der Special Olympics World Games in Berlin 2023 bewerben. Das heißt, Saarbrücken will Gastgeber für eine der Delegationen aus aller Welt sein, die zu einem ganz besonderen Sportereignis nach Deutschland kommen.

Deutschland wird im Juni 2023 erstmals Gastgeber der Special Olympics World Games sein, der weltweit größten inklusiven Sportveranstaltung für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung. Das „Host Town Program“ ist ein Projekt, mit dem die internationalen Sportlerinnen und Sportler willkommen geheißen werden. 170 internationale Delegationen – in einer Größe von 6 bis 400 Mitgliedern – nehmen an dem Wettbewerb teil. Bevor sie nach Berlin kommen, wird jedes Nationenteam von einer Stadt oder Gemeinde irgendwo in Deutschland empfangen. „So lernen die Delegationen aus den verschiedensten Regionen der Welt vor dem Wettbewerb das Land, Bürgerinnen und Bürger kennen“, lautet der Plan der Initiatoren in Berlin.

Die sogenannten Host Towns sollen den viertägigen Aufenthalt vom 11. bis 14 Juni dabei „nach ihren Vorstellungen und lokalen Gegebenheiten“ gestalten. Das könne ein Willkommensfest auf dem Rathausplatz sein, aber auch gemeinsame Sportaktivitäten oder Ausflüge zu Sehenswürdigkeiten. „Das Programm ist, was Ihr draus macht“, rufen die Initiatoren den interessierten Kommunen zu. Ein „absolutes Highlight“ stehe aber schon fest: Das Special Olympics Feuer zieht auf seinem Weg nach Berlin durch die Host Towns, also auch durch Saarbrücken. Sofern die Berliner die Saarbrücker Bewerbung annehmen.

Daran zweifelt im Rathaus niemand ernsthaft. „Saarbrücken ist eine weltoffene und inklusive Stadt. Das können wir als ‚Host Town‘ der Special Olympics World Games zeigen und Konzepte zur Inklusion aktiv umsetzen‟, sagt Oberbürgermeister Uwe Conradt. Er will ein „weltoffenes Saarbrücken einem überregionalem Publikum zeigen“.

Davon spricht auch Tobias Raab (FDP), der städtische Dezernent für Wirtschaft, Soziales und Digitalisierung. „Die Landeshauptstadt setzt damit ein starkes Signal für ein respektvolles Miteinander. Außerdem würde uns die Teilnahme die Möglichkeit bieten, Saarbrücken einem überregionalen Publikum zu präsentieren und den Bereich Tourismus und Wirtschaft weiter zu stärken‟, sagt er.

Das Ganze soll kein kurzes viertägisches Showprogramm werden. In den Kommunen sollen durch das Projekt inklusive Strukturen und Netzwerke gestärkt werden, die über die Weltspiele hinaus bestehen bleiben. Die Landeshauptstadt Saarbrücken könnte hierbei auch auf bereits bestehende und bewährte Strukturen zurückgreifen, heißt es im Rathaus. Die Bewerbung ist allerdings noch nicht abgeschickt. Über sie entscheidet der Stadtrat.

Daran, dass der Rat dem Plan der Rathaus-Chefetage zustimmen wird, gibt es aber keinen Zweifel. Auch die SPD-Opposition lobt das Vorhaben. „Mit der Bewerbung als Host Town schenkt unsere Stadt dem Behindertensport die Aufmerksamkeit, die er verdient hat“, sagt die SPD-Stadtverordnete und und ehemalige weltklasse-Tennisspielerin Claudia-Kohde-Kilsch. Damit folge die Stadtverwaltung der Initiative der SPD-Fraktion, die einen entsprechenden Antrag in den Sport- und Sozialausschuss eingebracht hat.

Kohde-Kilsch, die seit vielen Jahren als Bundestrainerin im deutschen Rollstuhltennis arbeitet, sagt, dass sie wisse, wie wichtig der Sport für die Inklusion ist. „Teamgeist, Zusammenhalt, Freundschaft – der Sport vermittelt für uns alle wichtige Werte. Besonders für unsere Athleten mit Beeinträchtigung bietet der Sport einen wichtigen Beitrag zur Teilhabe. Die Special Olympics sind eine großartige Gelegenheit, um für mehr Inklusion und Gleichstellung zu werben“, erklärt sie.

Unterstützung für den Antrag kam dabei unter anderem von der SPD-Bundestagsabgeordneten Josephine Ortleb: „Saarbrücken ist ein sportliches Zentrum der Region. Sport schafft Zusammenhalt und Verbindung. Gerade ein inklusiver Sport muss stärker gefördert werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich die Akteure des Behindertensports auch aktiv in die Bewerbung einbringen würden", sagt sie.