1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Landeshauptstadt
  4. Nachrichten aus Saarbrücken

„Halle 4“: Saarbrücken hat jetzt einen neuen Coworking-Space

Im ehemaligen Fridel-Feinkostmarkt : Größter Coworkingspace des Saarlandes: Welche bekannten Start-ups jetzt einziehen

Im ehemaligen Fridel-Feinkostmarkt von Globus in Saarbrücken ist der bislang wohl größte Coworkingspace des Saarlandes entstanden. Hier gibt es auf 1800 Quadratmetern eine Kapazität von rund 100 Arbeitsplätzen – mit Kaffee-Bar, Tiefgarage und Dachterrasse. Welche bekannten Start-ups sind schon eingezogen?

Von außen konnte man das Gewerbegebäude in der Saarbrücker Halbergstraße Nummer 4 bis jetzt noch immer für den Fridel-Supermarkt halten, den es einmal beherbergte. Zumal das Fridel-Firmenschild immer noch oben am Gebäude prangte. Doch innen hat sich der rote Backsteinbau in den vergangenen Monaten gewaltig verändert. Bernd Pohl hat hier mit seinen Mitstreitern den bislang wohl größten Coworkingspace des Saarlandes mit 1800 Quadratmetern und einer Kapazität von um die 100 Arbeitsplätzen geschaffen. „Halle 4“ heißt er und soll besonders IT-Start-ups, die sich mit New Work, neuen Arbeitsformen, und digitalen Themen befassen, flexible Räume und eine passende Gemeinschaft bieten. Am 10. September (der 9. ist schon ausgebucht) können Interessierte nach einer Anmeldung an Gruppenführungen durchs Haus teilnehmen.

Die Halle 4 ist nach der Fase 15 mit der kleinen Dependance Fase 19 (neuer Name: Werk 15, Hütte 19) im Saarbrücker Fasanerieweg nun schon der zweite Coworkingspace, den die „We Start Spaces GmbH“ getreu ihrem Namen eröffnet. Weil das Raumangebot im Fasanerieweg nicht mehr ausreichte, habe man die Chance genutzt, sich noch näher an der City zu erweitern, sagt Pohl, der im Werk 15 auch mit seinem eigenen Unternehmen „Testfabrik“ residiert. Pohl gehört zusammen mit dem früheren Betreiber des Coworkingspaces Ligatura, dem Grafik-Designer Oliver Jungmann, zu den vier Gesellschaftern von „We Start Spaces“ und ist der Geschäftsführer. Zur Verstärkung hat er sich Tamay Zieske, zuvor als Projektleiter im ehemaligen Kreativzentrum.saar und als Gründungsberater an der Kontaktstelle für Technologie- und Wissenstransfer der Saar-Uni tätig, als Community-Manager ins Boot geholt.

 Alexander Löffler (l.) von Pxio und Sebastian Leber von Elexir besprechen sich an der Bar von "Halle 4" . An der Bar sollen Kontakte untereinander entstehen, damit die Start-ups in fruchtbaren Austausch kommen.
Alexander Löffler (l.) von Pxio und Sebastian Leber von Elexir besprechen sich an der Bar von "Halle 4" . An der Bar sollen Kontakte untereinander entstehen, damit die Start-ups in fruchtbaren Austausch kommen. Foto: Silvia Buss

Unter der neuen Dachmarke „Fase.Network“ bietet „We Start Spaces“ nun ihrer Klientel verteilt auf die beiden Standorte insgesamt 2450 Quadratmeter Fläche zum Arbeiten. In der ehemaligen Feinkostmarkthalle, die trotz einer eingezogenen zweiten Ebene großzügig und luftig wirkt, findet man nun etwa 25 „Office Boxen“, also voll ausgestattete, abschließbare Büros verschiedener Größe für ein bis vier Personen, dazu vier Meeting-Räume für vier bis 16 Personen, alles aus Holz, Glas und Metall mit gelben Akzenten im aktuellen Industrial-Design.

„Dazu kommen noch mal gut 20 bis 30 flexible Einzelarbeitsplätze, die man tagesaktuell oder für eine Woche oder einen Monat buchen kann“, erklärt Pohl und zeigt um sich herum auf die offenen, noch leeren Bereiche, die auch für Veranstaltungen genutzt werden sollen. Flexibilität ist das Schlüsselwort, um zu beschreiben, was die Attraktivität von Coworkingspaces wie diesem für Start-ups, Freiberufler, Selbstständige und Remote-Worker, die mit dem Netbook von unterwegs aus oder im Homeoffice arbeiten, ausmacht. Sie müssen keine teuren Büroräume vorhalten, die sie nur gelegentlich nutzen. Und Start-ups können, wenn sie wachsen, Arbeitsplätze oder Räume hinzubuchen oder im Gegenzug reduzieren.

„Alles das sind keine Sachen, die man sich allein mieten muss, sondern die man sich mit anderen teilt, wodurch das Ganze vielseitiger wird und mehr Anmutung hat“, sagt Pohl. Doch es geht den Machern hier nicht nur um die Räume, auch den Austausch untereinander als Gemeinschaft, was die Einrichtung der Stelle des Community-Managers beweist. Entsprechend mieten Interessenten keine Räume oder Plätze, sondern werden Mitglied „wie in einem Fitnessclub“. Zu unterschiedlichen Tarifen, je nach beanspruchter Leistung. Hinzu kommt noch weitere Infrastruktur, die voll ausgerüsteten Konferenz-Räume, eine Kaffee-Bar mit Theker, der Veranstaltungsbereich, eine Tiefgarage, eine Dachterrasse, einen Biergarten. Ins Erdgeschoss wird das vegane Streetfood-Restaurant Venu Mangi (World food trip) einziehen und die Gebrüder Kalinski werden einen Foodtruck auf dem Hof aufstellen.

Community-Experte Tamay Zieske wird künftig „businessorientierte Events“ wie etwa das Saarland-Pitch (der Bank SiKB und des Gründerzentrums der Universität des Saarlandes) organisieren, Vorträge, aber auch mal etwas mit Musik, „alles, was die Community weiterbringt, intern oder extern vernetzt“. Auch wenn die neue Halle 4 erst am 9. September die Arbeit aufnimmt, so ist sie „schon ausgebucht“, wie Zieske und Pohl bekräftigen. Mit dabei ist etwa das hoch gehandelte IT-Start-up „Elexir“, das das Auto revolutionieren und zu einem „Smartphone auf Rädern“ entwickeln will (wir berichteten) und bisher im Zema, dem Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik, angesiedelt war.

„Wir brauchen, weil wir uns vergrößern und entwickeln wollen, mehr Platz und ein Ökosystem, und das gibt uns die Halle 4 hier“, sagt Mitgründer und Vorstand Sebastian Leber. Man brauche als Start-up, dem es um Innovation gehe, ein Netzwerk, das nicht nur punktuell, sondern im Tagesgeschäft, also ständig, Austausch mit anderen ermögliche, und das nicht nur in einer frühen Phase der Unternehmensgründung, ergänzt Leber. Und so etwas gäbe es in der Gründerförderungslandschaft hier eben noch nicht, wie der Jungunternehmer bemerkt.

Auch das Start-up Pxio, eine Ausgründung aus dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI), sieht in der Halle 4, so hört man den Geschäftsführer Alexander Löffler, ideale Bedingungen, um sich weiterzuentwickeln. Bisher hatte Pxio, das „Software für gemeinsam genutzte Displays in Meetingräumen“ entwickelt, damit man die Inhalte von allen Nutzern in Echtzeit auf alle Endgeräte streamen kann, seine Räume im DFKI. Die Halle 4 biete ihnen nicht nur die nötige Flexibilität, indem man hier zum Beispiel für Praktikanten Arbeitsplätze zeitlich begrenzt hinzubuchen könne, sondern auch den Austausch mit Fachkollegen aus dem Bereich Cybersicherheit, den Kontakt mit Start-ups und Dependancen von großen Unternehmern, die ja auch alle potenzielle Kunden seien, so Löffler. „Das Fase.Network ist auch unser Pilotkunde, indem wir unsere Software hier im gesamten Coworking als Infrastruktur installieren. Das macht es natürlich spannend, dass wir hier so viel Feedback für unser Produkt erhalten können“, resümiert der Geschäftsführer.

Kontakt und Infos unter www.fase.network