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Streit in Saarbrücken: Schwimmschiff Vaterland bleiben nur noch neun Tage

Streit um Saarbrücker Vaterland geht weiter : Behörde fährt harten Kurs - dem Schwimmschiff bleiben jetzt nur noch neun Tage

Ein Saarbrücker Gastroberater würde das „Schwimmschiff“ gerne wieder flottmachen – und zurück an die Berliner Promenade holen. Doch das Wasser- und Schifffahrtsamt bleibt hart - in etwas mehr als einer Woche soll das Schiff beseitigt werden.

Das Schwimmschiff sanieren, den alten Liegeplatz einnehmen und dort als Restaurantschiff neu an den Start gehen: Das ist der Traum von Gastroberater Achim Sprengart aus Saarbrücken, der das Schwimmschiff „Vaterland“ gerne retten möchte (wir berichteten). Zusammen mit dem Ehemann der Eignerin, Lothar Steinacker, hatte Sprengart vor dem Wochenende das Wrack an der Schleuse in Burbach besichtigt und als erste Maßnahme einen Aufschub erbeten.

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Mosel-Saar-Lahn (WSA) hat nämlich zuvor eine verbindliche Frist gesetzt: Bis zum 3. September soll die Vaterland beseitigt sein. „In der kurzen Zeit können wir keinen Sachverständigen bekommen, der die Vaterland untersucht und klärt, ob sie reparabel ist“, sagte jedoch Sprengart und wünscht sich einen runden Tisch mit den Behörden.

Den wird es jedoch mit dem WSA nicht geben. Tobias Schmidt, der Fachbereichsleiter Schifffahrt beim WSA, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Frage der Reparaturfähigkeit und der Wiederverwendung als Restaurantschiff keine Aufgabe des WSA sei. „Wir als WSA sind da nicht mehr zuständig. Das Schiff ist vor einem halben Jahr gesunken, es war Zeit genug. Der Eigner wartete aber ausschließlich auf die Versicherung, das war zu wenig“, heißt es beim WSA. Die „Vaterland“ müsse bis zum 3. September von der Fläche des WSA entfernt werden. Dabei sei es für das WSA unerheblich, ob die „Vaterland“ verschrottet wird oder man sie auf eine anderes Grundstück umsetzt. Auf dem Gelände des WSA werde man das Wrack nicht längere Zeit tolerieren.

Hier weicht die Bundesbehörde nicht von ihrer bisherigen Linie ab. „Wenn die die ‚Vaterland’ auf ein anderes Grundstück bringen und dort liegenlassen dürfen, dann können sie sich Zeit lassen, das Wrack zu untersuchen und Konzepte zu erstellen“, sagt Schmidt und betont, dass das WSA hier keine Grundlage mehr für Gespräche sehe. Das Schwimmschiff, das nie ein richtiges Schiff gewesen sei, sondern eine sogenannte „schwimmende Anlage“, habe im zurückliegenden Verwaltungsverfahren alle Genehmigungen verloren und dürfe nicht mehr zu Wasser gelassen werden. Man habe erhebliche Zweifel, dass es nochmal genehmigungsfähig sei oder man einen genehmigungsfähigen Zustand mit wirtschaftlichem Aufwand herstellen könne. Daran glauben die Experten beim WSA nicht.

Der Liegeplatz am Willi-Graf-Ufer sei noch frei und entgegen anderen Gerüchte noch an niemanden sonst vergeben. „Bevor die Geschichte mit dem Schwimmschiff komplett abgeschlossen ist, wird der Liegeplatz nicht verpachtet. Da schaffen wir keine Tatsachen. Unser Ziel war es ja auch nie, den Liegeplatz zu räumen und das Schwimmschiff aus dem Stadtbild loszuwerden. Uns ging es einzig um die Beseitigung einer Gefahr für die Schifffahrt“, erklärt Schmidt. Die „Vaterland“ habe den Schiffsverkehr gefährdet, allein deshalb habe man die Beseitigung erzwungen.

Vorwürfe, das Schiff bei der Bergung beschädigt zu haben, weist Schmidt zurück: Man habe mit den Bergungsunternehmen so sorgsam wie möglich gearbeitet. Steinacker hatte dem WSA vorgeworfen, die „Vaterland“ mit zwei statt drei Kränen geborgen und damit ein Zerbrechen des Rumpfes billigend in Kauf genommen zu haben. Zu diesem Bruch sei es dann auch gekommen. „Die Bergungsfirma wollte im Stadtgebiet drei Kräne einsetzen, um das Schwimmschiff im Wasser anzuheben. Um es aus dem Wasser herauszuheben, setzte man zwei Kräne ein. Da war nie vom Einsatz dreier Kräne die Rede, stattdessen benutzte man Spezialhölzer als Auflage statt Ketten, gerade um den Rumpf zu schonen. Dass der trotzdem nachgegeben hatte, lag am Zustand des Rumpfes“, wehrt sich Schmidt gegen die Beschädigungsvorwürfe. „Hätten wir Ketten eingesetzt, wie das üblich ist, wäre der Rumpf vermutlich zerschnitten worden.“

Steinacker habe seine Vorwürfe bisher auch nur in der Presse geäußert. Dem WSA liege noch keine schriftliche Erklärung vor. Schmidts Fazit: „Wir haben dem Schwimmschiff alle strompolizeilichen Genehmigungen wiederrufen. Wir glauben nicht, dass eine Reparatur günstiger ist als ein Neubau.“ An der Linie des WSA werde sich nichts ändern. Schmidt ließ durchblicken, dass die monatelange passive Haltung des Eigner-Ehepaars die Geduld des WSA überstrapaziert habe.