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Saarbrücken: Geisterhaus mitten in Stadt - was ist geplant?

Das hat die Stadt vor : Leerstand mitten in der Stadt: Schon wieder ein Geisterhaus in Saarbrücken (Bildergalerie)

Seit Jahren steht ein vierstöckiges Geschäfts- und Wohnhaus mitten in der Innenstadt von Saarbrücken leer. Die „Bier-Akademie“ im ersten Stock ist längst Vergangenheit. Es sieht heruntergekommen und schäbig dort aus. Die Stadtverwaltung will jetzt das Gespräch mit dem Eigentümer des Gebäudes suchen.

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Gewiefte Immobilien-Kaufleute würden sicher von einem „Filetstück“ sprechen: Mitten in der Saarbrücker Innenstadt, direkt gegenüber von Rathaus und Stadtbibliothek, steht ein vierstöckiges Geschäfts- und Wohnhaus leer. Das weiß getünchte Haus in der Betzenstraße 8/Ecke Kupfergasse macht ein heruntergekommenen Eindruck. Tausende Menschen, die die zentrale Bushaltestelle mit mehreren Bus-Linien der Saarbahn nutzen, schauen tagtäglich auf das triste Haus gegenüber an der Ecke zur Kupfergasse. Auch Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) hat beim Blick aus dem Fenster seines Dienstzimmers dieses Haus vor Augen, bei dem sich so gar nichts zu tun scheint.

Verbotshinweis in falschem Deutsch

Im Erdgeschoss sind die Fenster mit Metallplatten gesichert und komplett abgedeckt. „Plakatierern verboten!“ hat wohl der Eigentümer, dessen Namen die Stadtverwaltung nicht nennt, zwei Mal auf das größere Fenster in roter Schrift aufgebracht. Ob da ein Schreibfehler vorliegt oder ob es Probleme mit der deutschen Sprache gibt... – jedenfalls hat die Botschaft Wirkung gezeigt, Plakate hat noch niemand dort angeklebt. Dafür „zieren“ mehrere Graffiti, deren Urheber und Botschaften wohl nur die „Sachverständigen“ der Sprayer-Szene entschlüsseln können, den Erdgeschossbereich. Eine leere Bierflasche steht auf dem Fenstersims: Wurden hier in besseren Zeiten Speisen und Getränke durch das Fenster verkauft?

Auch die Namen an den vier Knöpfen der Klingelleiste sind verschwunden. An einem der vier Briefkästen fehlt bereits die Abdeckung, aus zwei Briefkästen schauen Werbeprospekte heraus. An der Ecke zur Kupfergasse, über deren Durchfahrt sich ein Teil des Gebäudes befindet, ist im Erdgeschoss einst ein Spielsalon beheimatet gewesen. Die Werbeschilder künden noch davon. Beim Blick durch das schmutzige Glas der Eingangstür ist Bauschutt zu erkennen. Ist das noch vom Abriss der Inneneinrichtung des Spielcasinos? Oder deutet dies auf erste Anstrengungen zu einer Sanierung hin?

Früher gab es in der ersten Etage die „Bier-Akademie“

Im ersten Stock sind die Fenster sowohl an der Vorder- als auch an der Rückfront mit Stellwänden von innen versehen. An der Vorderfront sind Ätzungen in den Glasscheiben zu bewundern, die Szenen aus dem Brauhandwerk darstellen. Und es gibt die Marken von allerhand Biersorten in den Scheiben zu lesen. „Dortmunder Kronen“, „Jever“ oder „Bitburger“ künden davon, dass in der ersten Etage einst das Bier in Strömen geflossen ist. Mehr als 100 Sorten seien dort im Angebot gewesen, berichten Kunden von früher. Darunter Biermarken aus vielen europäischen Ländern. Damit war die „Bier-Akademie“ eine Institution, die ihresgleichen in Saarbrücken suchte.

Wie Daniel Schumann, der Sprecher von OB Conradt und der Stadtverwaltung, der SZ auf Anfrage berichtet, befindet sich das Gebäude Betzenstraße 8 in Privatbesitz. „Es steht seit mehreren Jahren leer“, sagt Schumann. Derzeit gingen von dem Gebäude keine Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung aus, betont der Stadtsprecher.

Stadt Saarbrücken will mit dem Eigentümer sprechen

Die Landeshauptstadt habe 2021 ein digitales Leerstands-Management für den Innenstadtbereich beschlossen und arbeite im Rahmen des Modellprojekts „Stadtlabore für Deutschland – Leerstand und Ansiedlung“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. „Das Leerstands-Management ist Bestandteil der Professionalisierung des Innenstadt-Managements und soll auch nach Abschluss des Modellprojekts fortgeführt werden“, erklärt Schumann. Es sei ein Instrument, das die Verwaltung und die „Immobilienakteure“ bei der Nachbelegung von Leerständen unterstützt. In diesem Rahmen sei bereits ein Dialog mit einer Vielzahl an Akteuren aus der Immobilienwirtschaft geführt worden. Nicht jedoch mit dem Eigentümer des heruntergekommenen Gebäudes Betzenstraße 8. „Wir werden auch das Gespräch mit dem Eigentümer des Gebäudes in der Betzenstraße suchen“, betont jetzt der Sprecher des Oberbürgermeisters.

Wie viel das Gebäude in der Betzenstraße 8 wert ist, kann Schumann nicht beziffern. „Die Ermittlung des Immobilienwertes erfolgt in der Regel durch ein Wertgutachten. Die Landeshauptstadt hat aufgrund der privaten Eigentümer-Struktur nicht die Hoheit über die Erstellung eines solchen Gutachtens“, sagt Schumann.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Stadtverwaltung sucht Gespräch mit dem Eigentümer des „Geisterhauses“ Betzenstraße 8