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Saarbrücken: Neue Pläne für ein Kunst- und Kreativzentrum am Osthafen

Sektor Heimat : Neue Pläne für ein Kunst- und Kreativzentrum am Saarbrücker Osthafen

Die Macher vom Verein Sektor Heimat wollen zeigen, dass sie mehr können als Parties. Sie planen ein großes Ding, ein Kulturzentrum. Wie könnte das gehen? Und was hat Corona damit zu tun?

Dass am Sektor Heimat ohne Unterlass gewerkelt wird, dürfte für niemanden mehr ein Geheimnis sein. Auch ohne Aussicht auf die nächste große Party hat der für das Kleinod am Osthafen verantwortliche Verein Sektor Heimat – Institut für urbane Gestaltung dort im letzten Jahr gebaut, verschönert, erweitert. Neben futuristischen DJ-Pults und kreativen Chill-Out-Zonen lässt der Verein aber gerade noch etwas ganz anderes entstehen, nämlich die notwendigen Strukturen für ein genreübergreifendes, interdisziplinäres Kunst- und Kulturzentrum.

Alles neu macht Corona, wäre man fast geneigt zu sagen. Ganz im Gegenteil, erklären da die Sektor Heimatler: Das Ziel eines solchen Zentrums sei schon in der Vereinssatzung aus dem Jahre 2016 fest verankert. Ein solches Projekt aber parallel zu den in nicht-pandemischen Zeiten stattfindenden Parties zu realisieren – unmöglich. „Für uns bedeutete die Pandemie auch das große Geschenk der plötzlich vorhandenen Zeit“, erklären die Vereinsmitglieder, die sich wie üblich lieber im Kollektiv äußern, statt einzelne Akteure in den Vordergrund zu stellen.

Dass die Errichtung dieses Kunst- und Kulturzentrums gerade jetzt für den Verein Sektor Heimat oberste Priorität hat, hängt aber auch mit der Ausschreibung des alten Rhenania Gebäudes zusammen. Denn das Gebäude am Osthafen, das bisher der Stadt gehörte und in dem die Sektor Heimatler mit einem Zwischennutzungs-Vertrag ihre legendären Parties veranstalten konnten, steht zum Verkauf. Die Sektor Heimatler aber wollen bleiben, sogar gemeinsam mit ihrem Partner, der Greencells Group, das Gebäude kaufen.

 So sieht’s derzeit am Silo am Osthafen aus.
So sieht’s derzeit am Silo am Osthafen aus. Foto: Iris Maria Maurer

„Wir sind glücklich in guter Kommunikation mit der Stadt zu sein“, verkünden die Sektor Heimatler, „gleichzeitig ist natürlich auch klar, dass dort nicht einfach eine Riesendisko entstehen soll“. Zweidrittel der Fläche des Rhenania Gebäudes will der Verein später (Sozio-)kulturell nutzen, es sollen große Werkstätten für Kunsthandwerk entstehen. Auf einer zusätzlichen Freifläche von circa 2000 Quadratmetern sollen Präsentationsflächen, Ateliers, Proberäume, und Ausstellungsräume realisiert werden. Wer bereit ist, selbstständig und kontinuierlich zu arbeiten, ja auch „in einem erweiterten Familienkreis mit Synergieeffekten aufzugehen“ wie der Verein sagt, soll im Kunst- und Kulturzentrum für kleines Geld Raum zu arbeiten bekommen, Profis wie Nachwuchstalente. Auch ein Stipendienprogramm will der Verein Sektor Heimat im Idealfall realisieren, sowie eine notwendige Infrastruktur für Kontakte bereitstellen. Das geplante Kunst- und Kulturzentrum am Osthafen versteht der Verein Sektor Heimat dabei als „Gründungsstätte, Berufsstätte und gleichzeitig Anlaufstätte“, wie sie erklären, „so einen Ort gibt es bisher nicht“.

Der Verein Sektor Heimat würde innerhalb dieses Kunst- und Kulturzentrums die Funktion einer Art Strukturen bereitstellenden Kurators und Beraters einnehmen. Auch finanziell soll sich das Projekt natürlich tragen.

 Die junge Kultur- und Kreativszene soll am Saarbrücker Silo eine berufliche Perspektive bekommen. Geplant ist ein Kunst- und Kulturzentrum. 
Die junge Kultur- und Kreativszene soll am Saarbrücker Silo eine berufliche Perspektive bekommen. Geplant ist ein Kunst- und Kulturzentrum.  Foto: Iris Maria Maurer

Um sich langsam an dieses Maß an Professionalität heranzutasten, aber auch um der „Stadt zu zeigen, dass wir mehr können als Veranstaltungen“, wie der Verein sagt, haben die Sektor Heimalter nun Die kleine Heimat realisiert. Über befreundete Architekten hat der Verein die Möglichkeit bekommen, für ein Jahr ein schon weiter verkauftes, derzeit aber leerstehendes Gebäude in St. Arnual für ein Jahr günstig zu nutzen. Dort hat der Verein zwölf Arbeitsplätze realisiert. Zu einer kleinen Miete arbeiten dort jetzt Möbeldesigner und Keramiker, Schmuckdesigner und Upcycler Seite an Seite. „Wir versuchen hier schon alles zu optimieren, eine Balance zwischen Struktur und Kreativität zu finden, Knowledge und Erfahrungswerte rauszuziehen“, erklärt der Verein, „wir probieren hier im Kleinen das, was wir später im Großen realisieren wollen“.

Zwar ist in Der kleinen Heimat auch eine Fläche als Ladenlokal eingeplant, im Angesicht der Pandemie werden die Produkte, die in den Werkstätten des Zwischenprojektes entstehen, zunächst aber nur online angeboten. So oder so: Die Einnahmen aus den verkauften Produkten dienen nicht nur der Refinanzierung des Projektes, sondern ein Drittel fließt auch in ausgewählte gemeinnützige Organisationen, die im Vorfeld festgelegt werden. Denn auch das ist dem Verein Sektor Heimat wichtig: Gemeinnütziges, karitatives Engagement. „Langfristig sehen wir uns definitiv auch im Bereich „Inklusion und soziale Arbeit“, verraten die Sektor Heimatler. Auch wenn dabei, wie sie zugeben müssen, immense bürokratische Hürden auf sie zukommen. Dennoch. Das Ziel ist klar abgesteckt: 30 Prozent ihrer Arbeit als Verein soll auf das Kunst- und Kulturzentrum entfallen, wiederum 20 Prozent auf den Aspekt soziale Arbeit.

Dass Corona nicht nur Türen (vorerst) geschlossen, sondern auch neue geöffnet hat, ist wohl keine Erfahrung die nur der Verein Sektor Heimat gemacht hat. Wohl selten öffnen sich diese jedoch derart visionär Richtung junge Kunst- und Kreativszene einer Stadt wie in diesem Fall.