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So waren die Kulturdezernenten in Saarbrücken: Von Rainer Silkenbeumer zu Walter Schwarz-Paqué und Eric Schrader

Rückblick auf 30 Jahre Kulturpolitik in Saarbrücken : So waren die Saarbrücker Kulturdezernenten (mit Bildergalerie)

Um die Neuwahl eines Kulturdezernenten für die Landeshauptstadt Saarbrücken ist ein erbitterter Streit entbrannt. Wir fragen nun: Was macht eigentlich einen guten Kulturdezernenten aus?

Die Wogen gehen hoch. Seit bekannt wurde, dass die Grünen-Stadtratsfraktion im Verbund mit den Koalitions-Partnern von der CDU die freiwerdende Stelle des Kulturdezernenten der Landeshauptstadt (!) Saarbrücken als Versorgungsposten für einen fachfernen Kollegen missbrauchen wollen, sind vor und hinter den Kulissen heftige Kämpfe im Gang. An diesem Dienstag, 8. Juni, will der Stadtrat abstimmen.

Vor dem Hintergrund dieser Diskussion wollen wir uns einmal anschauen, wer die Kulturdezernenten der letzten Jahrzehnte waren. Was ist das kulturelle Erbe von Rainer Silkenbeumer (Ende der 1980er-Jahre bis 2004), Walter Schwarz-Paqué (bis 2007), Eric Schrader (bis 2015) und Thomas Brück (bis 2021)?

Rainer Silkenbeumer, der Kämpfer

Wer schon eine längere Zeit in Saarbrücken lebt und sich für Kultur interessiert, der wird sich unweigerlich an Rainer Silkenbeumer erinnern. Nie zuvor und nie danach gab es einen streitbareren Kulturdezernenten in dieser Stadt. Man kann sagen: In seiner Amtszeit dominierte das Thema Kultur die öffentliche Diskussion. Unvergessen sind seine Versuche, die damals noch sehr zerstrittene und wenig homogene freie Kulturszene an einen Tisch zu holen. An diesen Debatten-Abenden flogen wahrlich die Fetzen. Aber es wurde diskutiert. Silkenbeumer ging für seine Anliegen auch schonmal mit dem Kopf durch die Wand, lieferte sich gnadenlose Gefechte mit seiner SPD, die er Jahre später auch verließ. Sein Vorbild, könnte man sagen, war der legendäre Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann.

Allerdings wurde auch damals schon in der Saarländischen Landeshauptstadt nahezu jeder neue Impuls mit dem Argument „Wir haben kein Geld“ abgewürgt. Silkenbeumer ließ sich davon nicht (immer) bremsen. Er war ein großer Spenden-Sammler. Auch fast jede Haushaltsberatung wurde zur Schlacht.

Und gebürtige Hannoveraner nutzte alle staatlichen Fördermittel, die es gab und holte mit dem von ihm gegründeten Projekt „Arbeit und Kultur“ arbeitslose Kulturwissenschaftlerinnen und Künstler ins Kulturamt. In seiner Amtszeit wurden so u.a. die damalige Kreativwerkstatt für Kinder in Schafbrücke, das Rockbüro, ein Literaturbüro, das Festival Saarbrücker Sommermusik und etliche andere Projekte gegründet. Auch das Filmhaus in der Mainzer Straße entstand. Silkenbeumer kämpfte außerdem dafür, dass die Stadt die Saarbrücker Garage übernehmen und zum Kulturzentrum ausbauen sollte. Nicht wenige bedauern bis heute, dass er scheiterte. Immerhin blieb die Halle als Kulturort erhalten.

In Silkenbeumers Zeit fiel auch die organisatorische Neuausrichtung der großen Festivals. Die Perspectives und der Ophüls-Preis wurden in Festival-GmbHs ausgelagert, damit sie flexibler arbeiten konnten. Insbesondere fürs Theater-Festival Perspectives dürfte das die beste Zukunftssicherung gewesen sein.

Walter Schwarz-Paqué, der Einsame

Auf Rainer Silkenbeumer folgte der Architekt Walter Schwarz-Paqué, der von der FDP kam. Er stürzte sich unter dem Motto „Visionen, aber keine Hirngespinste“ mit stürmischem Engagement in das neue Amt und hatte sich vorgenommen, einen Kulturentwicklungsplan aufzustellen. So wollte er das kulturelle Profil schärfen und die wenigen Mittel gezielter einsetzen. Dafür begab sich Schwarz-Paqué auf eine Debatten-Tour, lud zu zahlreichen öffentlichen Diskussions-Abenden ein. Er brachte wohl nahezu alle Akteurinnen und Akteure zusammen.

Leider fehlte ihm die Erfahrung im Umgang mit einer Verwaltung. Schwarz-Paqué eckte an, rannte gegen unsichtbare Wände. Als die damalige Oberbürgermeisterin Charlotte Britz auch noch seinen Kulturentwicklungsplan kassierte, trat er zurück.

Erik Schrader, der Diplomat

Das Vorschlagsrecht für seinen Posten lag weiter bei der FDP. Nach vielen Debatten und einigen Querelen wählte der Stadtrat schließlich den aus Berlin angereisten Erik Schrader. Der hatte u.a. bis dahin einen Berliner Kunstverein geleitet und erwies sich als Glücksfall. Schrader war ein begnadeter Moderator und Strippenzieher. Ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen sorgte er zum Beispiel dafür, dass das das Theater im Viertel am Landwehrplatz ein neues, schönes Theater bekam. Auch die Saarbrücker Stadtgalerie kehrte in seiner Amtszeit zurück zum alten Glanz. Er war der freien Szene ein verlässlicher und kompetenter Partner.

Dabei war Schrader quasi der Gegenentwurf zu Rainer Silkenbeumer. Nüchtern und ohne öffentliche Wallungen arbeitete er im nahezu Verborgenen. Trotzdem war er durch und durch ein Kulturmensch mit einer großen Begeisterung etwa für die Performance-Gruppe Die Redner. Viele Saarbrücker Kulturmenschen bedauerten es, dass er keine zweite Amtszeit bekam. Er selbst hätte auch gerne weitergemacht. Aber mit der SPD und ihrer Oberbürgermeisterin war das nicht zumachen.

Thomas Brück, der Lückenbüßer

Die Sozialdemokraten opferten statt dessen das gesamte Amt. Denn der Kulturdezernent, der auf Schrader folgte, war keiner. Thomas Brück von den Grünen hatte sich nie auf dieses Stelle beworben. Er war schon städtischer Umweltdezernent als die SPD und ihr damaliger Fraktionsvorsitzender Peter Bauer beschlossen, auf eine Dezernenten-Stelle zu verzichten. Und zwar ausgerechnet auf die des Schul- und Kulturdezernenten. Trotz erbitterten Widerstands aus der Öffentlichkeit wurde dieser Plan vollzogen. Thomas Brück bekam das Kultur-Ressort dazu. Und über Jahre hörte man eher wenig von ihm.

Jetzt soll wieder ein Kulturdezernent gewählt werden. Erstmals haben die Grünen wirklich das Vorschlagsrecht. . .

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Kulturdezernenten der letzten 30 Jahre