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Staatstheater Saarbrücken spielt "Spieler und Tod" von Björn SC Deigner

Vor der Premiere: Interview mit Björn SC Deigner zu „Spieler und Tod“ : Viele Tode – in aller Öffentlichkeit

Ein Schauspieler und der Tod. Oder eigentlich sogar viele Tode. Es wird auf jede nur erdenkliche Weise gestorben in dem Stück „Spieler und Tod“, das am Freitag, 12. November, 20 Uhr, in der Sparte 4 des Saarländischen Staatstheaters uraufgeführt wird. Warum das trotzdem lustig werden könnte, erzählt Autor Björn SC Deigner im Interview.

Die Corona-Pandemie hat den Tod täglich in die Nachrichten gebracht. Und doch war und ist das Sterben in weiten Teilen vor allem der deutschen Bevölkerung seltsam unbemerkt geblieben. War das ein Grund für Sie, dieses Stück zu schreiben?

Björn SC Deigner: Das Stück ist tatsächlich schon vor der Corona-Krise entstanden. Es hat durch diese aber eine besondere Form der Aktualität gewonnen. Sie haben recht: Mich hat beschäftigt, dass wir das Sterben professionalisiert und damit aus der Gesellschaft verbannt haben. Etwas sehr Intimes muss in Institutionen wie Hospize oder Pflegeheime abgegeben werden; viele Betroffene haben keine andere Wahl. Dadurch wird das Sterben ein blinder Fleck unseres Zusammenlebens. Als Gegenentwurf könnte man sagen, wollte ich einen Theaterabend schreiben, der den Tod eher lächelnd feiert.

Nur das Theater ist unsterblich, nur Theatertote stehen immer wieder auf. Uns Menschen kann zu jeder Stunde, zu jeder Minute der Sensenmann holen. Eine Zumutung! So könnte man grob vereinfacht zusammenfassen, was man im Programm des Staatstheaters über Ihr Stück lesen kann. Kommt das hin? Oder wie würden Sie erklären, was uns Zuschauer erwartet?

Björn SC Deigner: Jeder Mensch hat wohl eine gewisse Vorstellung von der Erscheinung des Todes. Diese hat sich in den letzten Tausenden Jahren sehr verändert und erzählt, wie wir auf Tod zugreifen, welches Verhältnis wir zu ihm haben. Insofern ist der Tod wohl immer schon reinstes Theater. Ich wollte das zum Aufhänger nehmen, und in Variationen Situationen schreiben, in denen ein Schauspieler immer wieder sterben muss: ein sehr besonderes Fach der Schauspielerei, dass Kollegen auf der Bühne schließlich auch genießen. Dies wiederholt sich so sehr, dass man zurecht fragen kann, wie Thorsten Köhler meinte: Wer ist eigentlich wessen Hölle? Was tut der Tod nur um Himmels willen mit einem, der nicht klein zu kriegen ist?

 Björn SC Deigner.
Björn SC Deigner. Foto: Niklas Vogt

„Spieler und Tod“ soll auch ein lustiges Theaterstück sein. Normalerweise stecken ja Wiener dahinter, wenn es um amüsante literarische Tode geht. Was bewegt einen gebürtigen Heidelberger, sich diesem schwarzhumorigen Genre zu nähern?

Björn SC Deigner: Ich habe ungarische Vorfahren, das mag dazu beigetragen haben…! In der Tat interessiere ich mich sehr für die Wiener Gruppe. Jene Autorengruppe um Ernst Jandl, Oswald Wiener, Friederike Mayröcker oder Konrad Bayer machte schon früh absurde und auch lustige Versuche, sich von der früheren Generation loszusagen – was nach dem Zweiten Weltkrieg ja auch nötig war. Ich glaube, dieses Potential, das Sie „wienerisch“ nennen, das hat uns heute noch etwas zu sagen. Das Lachen im Theater ist politisch, daran glaube ich.

Vor drei Jahren haben Sie mit Ihrem Stück „In Stanniolpapier“ durchaus unerfreuliche Erfahrungen als Autor gemacht. Der Regisseur Sebastian Hartmann ließ am Deutschen Theater Berlin von ihrem Text so wenig übrig, dass der Verlag sogar das Wort „Uraufführung“ streichen ließ. Mit welchem Gefühl blicken Sie heute der Inszenierung Ihrer Stücke entgegen? Haben Sie Sorge, was Thorsten Köhler aus „Spieler und Tod“ machen könnte?

Björn SC Deigner: Es ist ja die Idee des Theaters, dass eine Regie und ein Ensemble auf den Text reagieren und darin auch Freiheiten haben. Wenn man damit nicht einverstanden ist, ist man vielleicht beim Roman besser aufgehoben… Ich glaube, dass es wichtig ist, dass Regie und Autorschaft eine Form von Austausch herstellen, die für beiden Seiten Freiräume lässt und zugleich Vertrauen aufbauen kann. Mit Thorsten Köhler gab es von Anfang an eine sehr zugewandte und offene Kommunikation, sodass ich neugierig bin, was er und sein Ensemble erarbeitet haben.

Sie sind Autor für Theater und Hörspiel, Sie sind Sounddesigner und Komponist. Allein im November wird nicht nur „Spieler und Tod“ uraufgeführt. Am Theater Bamberg wird „Der endlos tippende Affe“ erstmals zu sehen sein. Und im Frühjahr gibt es im Theater Meinigen die Uraufführung von Ihrem „Waldstück“. Wann machen Sie das alles?

Björn SC Deigner: Ja, wenn Sie das so aufzählen, kann einem wirklich etwas schwindelig werden… Aber im Ernst: Man muss den Zeitraum, in dem ein Text geschrieben wird, unterscheiden vom Premierenzeitpunkt. „Spieler und Tod“ war schon geschrieben, als sich Thorsten Köhler zur Uraufführung entschloss. Dann kam die Schließung der Theater durch die Pandemie, und die Premiere verschob sich. So kommt nun eine enge Reihung an Uraufführungen zustande, die aber zum Glück nicht bedeutet, dass alle zwei Monate ein neuer Text über meinen Schreibtisch gehen muss. Schließlich wollen auch Texte reifen.

 Michael Wischniowski schaut sich als Tod all die Theatertode an.
Michael Wischniowski schaut sich als Tod all die Theatertode an. Foto: SST/HONKPHOTO HOLGER KIEFER

„Spieler und Tod“ feiert am Freitag, 12. November, 20 Uhr, Uraufführung in der Sparte 4 des Saarländischen Staatstheaters (Eisenbahnstraße, im Garelly-Gebäude). Karten: 0681 3092-486 oder www.staatstheater.saarland