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Stiefel in Saarbrücken ist geschlossen, Brauer Bruch macht weiter

Saarbrücker Traditionsgasthaus : Der „Stiefel“ steht vor einem großen Umbruch

Das Saarbrücker Traditionshaus am St. Johanner Markt wird nicht mehr öffnen, die Bruch-Brauerei ist insolvent. Wie geht es weiter?

Gute Geschichten sind gut fürs Geschäft. Das weiß auch die Saarbrücker Brauerfamilie Bruch. „Wenn die Mauern des Stiefels erzählen könnten, sie hätten so manches zu berichten“, schreiben die Bruchs in der Chronik des Hauses am St. Johanner Markt. Einem Haus, in dem die Geschichte der Brauerei begann. Einem Haus, in dem nun aber auch ein Kapitel Familien- und Brauereigeschichte beendet wurde.

Die Insolvenz hätte man womöglich aus eigener Kraft beenden können, sagt Brauerei-Chef Thomas Bruch. „Aber Corona hat gewirkt wie ein Brandbeschleuniger“, erklärt er. Corona sei für Brauereien und Gastronomiebetriebe eh schon eine große Herausforderung. In Kombination mit einem Insolvenzverfahren sei da dann nichts mehr zu machen gewesen.

Der Stiefel am Markt und das Brauereigelände in der Scheidter Straße am Rotenbühl sind in Folge der Insolvenz des Familienunternehmens verkauft worden. 2,5 Millionen sollen für den Stiefel gezahlt worden sein, 2,6 Millionen für das Brauereigelände. Klar ist: Lukas Bruch wird in der Scheidter Straße weiter Bier brauen.  Unklar ist noch, wer den Stiefel gekauft und was er mit ihm vorhat. Von einem bayerisch-saarländischen Gasthaus ist die Rede.

Es liege ihm fern, da gute Ratschläge zu geben, sagt Frank Hohrath, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) im Saarland. Aber der Stiefel und die Braugaststätte Stiefelbräu seien an dieser Stelle genau das Richtige gewesen. Aus Hohraths Sicht würde ein solches Gastronomiekonzept mit saarländischer Küche an diesem Ort weiterhin gut funktionieren. Aber man lasse sich überraschen, denn auch andere Konzepte könnten dort „natürlich sehr spannend“ sein. Er gibt zu bedenken: „Die Qualität muss an diesem Standort hoch sein. Qualität ist wichtig.“

Die Bruchs verabschieden sich nicht von irgendeiner Immobile. Dort wo heute der Stiefel steht, gründete 1702 Johann Daniel Bruch eine Brauerei. Im Nebengebäude hatte ein Schuster namens Nickel Kiefer ein Gasthaus eröffnet, das er mit Verweis auf seinen Beruf „Zum Stiefel” nannte. „Und er hatte ein schönes Töchterlein, in welches sich besagter Daniel Bruch verliebte: der Ursprung der Brauerfamilie Bruch“, heißt es in der Firmenchronik.

Seit 1990 wurde im Stiefelbräu wieder Bier gebraut, das das Angebot aus der großen Brauerei ergänzte und der Gasstätte ein besonderes Flair verlieh. Ob die neuen Besitzer auch die Brauanlage nutzen werden und eigenes Bier herstellen werden, ist offen. Bisher hüllen sich alle Beteiligten in Schweigen. Die Familie Bruch teilt lediglich mit, dass sie „Abschied nimmt“ vom St. Johanner Markt.

Die Entscheidung, Stiefel und Stiefelbräu „nicht mehr unter der Leitung der Familie Bruch und somit der Stiefel Gastronomie GmbH zu öffnen, fiel schweren Herzens“, heißt es von Seiten der Stiefel Gastronomien GmbH. „Wir denken mit Freude an die vielen gemeinsamen Jahre mit Ihnen, unseren Gästen und mit unserem Stiefel, einem Saarbrücker Original, zurück. Wunderbare Erinnerungen hängen an diesem Haus, viele Menschen haben unseren Weg gekreuzt, viele sind geblieben. Viele Liter Bier wurden hier gebraut und genossen, viele Gefillde verzehrt und viele schöne Stunden und Lebensabschnitte gelebt“,  heißt es im Abschiedsgruß der Familie auf der Internetseite des Unternehmens.

 Das Gasthaus „Zum Stiefel“ in Saarbrücken ist aktuell geschlossen. Wie es mit dem Traditionslokal nach der Ära Bruch weitergeht, darüber halten sich alle Beteiligten noch bedeckt. Für 2,5 Millionen Euro soll es verkauft worden sein.
Das Gasthaus „Zum Stiefel“ in Saarbrücken ist aktuell geschlossen. Wie es mit dem Traditionslokal nach der Ära Bruch weitergeht, darüber halten sich alle Beteiligten noch bedeckt. Für 2,5 Millionen Euro soll es verkauft worden sein. Foto: BeckerBredel
 Das Gelände der Bruch-Brauerei in der Scheidter Straße in Saarbrücken: Lukas Bruch will hier weitrer Bier brauen. 
Das Gelände der Bruch-Brauerei in der Scheidter Straße in Saarbrücken: Lukas Bruch will hier weitrer Bier brauen.  Foto: BeckerBredel
 Thomas Bruch
Thomas Bruch Foto: Niklas Folz

Ganz verabschieden werden sich die Bruchs aber auch aus der Gastronomie nicht. In der St. Arnualer Tabaksmühle soll es unter Bruch-Regie weitergehen. Auch die Undine in der Bismarckstraße will Britta Bruch weiterbetreiben. Und Thomas Bruch ist sich sehr sicher, dass sein Sohn Lukas auch die Brautradition der Familie weiterführen kann. Die Geschichte geht also weiter, irgendwie.