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Theater Lindenhof Melchingen gastiert auf dem Theaterschiff Saarbrücken

Neues Programm auf der Saar : Das Theaterschiff in Saarbrücken kann wieder durchstarten – mit einer prominenten Bühnentruppe

Frank Lion, der Chef des Saarbrücker Theaterschiffs Maria-Helena bringt ein legendäres Bühnenensemble an die Saar. Aber das ist noch nicht alles, was es auf dem Theaterschiff gibt.

Frank Lion ist, das darf man wohl sagen, durchaus ein cleverer Kultur-Mensch. Er hat im Lauf der Jahre einige Pfade durchs Dickicht staatlicher Kulturförderung geschlagen und so sein Theaterschiff Maria-Helena stets auf Kurs gehalten. Wovon ja die saarländische Kulturlandschaft nicht wenig profitiert.

Auch in all der Corona-Zeit haben er uns seine Schiffs-Crew so nicht nur überlebt, sondern im Sommer sogar das große Festival „Encore!“ auf die Beine gestellt. „Der Sommer war gigantisch“, sagt er beim SZ-Besuch. „Wir hatten 47 Veranstaltungen in drei Wochen und super viel Publikum“. Das Festival fand weitgehend auf einer schwimmenden Open-air-Bühne auf der Saar statt. Finanziert wurde es aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes. Profitiert haben die Menschen im Regionalverband.

Um an solche Fördergelder zu kommen, plaudert Frank Lion ein bisschen aus dem Nähkästchen, muss man die Augen offen halten und schnell sein. Innerhalb weniger Tage haben er und seine Mitstreiterin Barbara Bruhn – als sie kurz vor Ostern vom neuen Fördertopf erfuhren – ein Konzept aus dem Boden gestampft, den Regionalverband als Mitstreiter gewonnen und den „echt anspruchsvollen“ Antrag abgeschickt. Die Anmeldefrist war extrem kurz angesetzt, „das war unsere Chance“. Die wurde erfolgreich genutzt, und „Encore!“ konnte loslegen.

Auch in diesen Tagen dürfen sich die Theaterfreunde wieder über ein besonderes Angebot freuen, das ohne öffentliche Förderung nicht finanzierbar wäre. Schon gar nicht in Corona-Zeiten mit reduzierter Zuschauerzahl. Der Fonds Darstellende Künste fördert die Reihe „Theater im Fluss“ auf der Maria-Helena. Die startete im Frühsommer bereits open air. Nach der Sommerpause geht sie nun weiter - diesmal unter Deck. Und bringt ein paar verheißungsvolle Gastspiele.

 Das Theater Lindenhof Melchingen ist eines der bekanntesten politischen Volkstheater Deutschlands. Am Freitag, 12. November, gastieren die Lindenhofler mit dem Stück "Chaim & Adolf" auf dem Theaterschiff Maria-Helena.
Das Theater Lindenhof Melchingen ist eines der bekanntesten politischen Volkstheater Deutschlands. Am Freitag, 12. November, gastieren die Lindenhofler mit dem Stück "Chaim & Adolf" auf dem Theaterschiff Maria-Helena. Foto: Richard Becker/RICHARD BECKER

An diesem Freitag  bereits geht es los. Und es gastiert das moderne Volkstheater schlechthin: Das Theater Lindenhof Melchingen ist tatsächlich ein Urgestein des „neuen Volkstheaters“. Seit 40 Jahren wird hier, auf der Schwäbischen Alb, unterhaltsam-kritisches Theater gemacht. Die Lindenhofer sind in ganz Deutschland bekannt. Nach Saarbrücken kommt das Ensemble mit dem Stück „Chaim & Adolf“. Da spielen zwei Schach in der Kneipe, und hauen sich dabei gegenseitig die deutsche Vergangenheit um die Ohren – aber nicht schwerblütig sondern wie es das Volkstheater will, „mit amüsanten Wortgefechten“, so die Kritik.

Auch das Stück, das ein paar Tage später zu sehen ist, ist politisches Theater. „Gegen die Demokratie“ ist ein Gastspiel des Urania Theater Köln, das Esteve Solers Stück als deutsche Erstaufführung inszeniert hat. In sieben Szenen wird das SCheitern der Demokratie beschrieben – um umso deutlicher zu machen, wie wichtig die demokratischen Errungenschaften für die Menschen ist. Der moderne Mensch, so Soler, halte Konsum für Demokratie. Dagegen stellt er dieses „Streit-Angebot“. Am 24. November ist es zu sehen.

Auch eine Premiere wird es bei Theater im Fluss geben. Das Luna Kollektiv, beheimatet in Berlin, Annaberg-Buchholz (ja den Ort gibt es, er liegt im Erzgebirge) und neuerdings Saarbrücken, spielt hier erstmals sein Stück „Schwestern3“. Ursprünglich hätte die Produktion im Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz Premiere haben sollen, vor Monaten schon. Aber dann kam Corona und dann wechselte Lucia Reichard von ebendiesem Theater als Regieassistentin ans Saarländische Staatstheater. Und bringt jetzt das fertige Stück, eine zeitgemäße Bearbeitung von Tschechows „Drei Schwestern“, aufs Theaterschiff. Premiere ist am 10. Dezember.

Wer mitschwimmen will bei Theater im Fluss muss sich ein bisschen beeilen. Denn Frank Lion will den Schiffsbauch nicht bis zum letzten Platz füllen – obwohl er das dürfte. „Zugelassen sind 120 Zuschauer, aber da wären wir echt voll, und auch 90 bis 100 will ich im Moment nicht haben“. Der Kultur-Kapitän geht lieber auf Nummer sicher. „Das Theaterschiff darf auf keinen Fall zum Corona-Hotspot werden“. Nur 30 bis 40 Zuschauende will er ins locker bestuhlte und übrigens mit neuer Lüftung und gutem Luftfilter ausgestattete Schiffs-Theater lassen.

Mit einer solchen Auslastung wäre so ein privater Theaterbetrieb natürlich nicht rentabel zu betreiben. Das geht nur, weil „Theater im Fluss“ vorab schon finanziert ist. Auch ansonsten hat die Schiffs-Crew durch Corona kaum Einnahmen. „Ich kann froh sein, dass ich den Kredit fürs Schiff seit 2019 bezahlt habe“, sagt Lion, „sonst hätte ich massive Probleme gehabt“. So aber, meint er, seien er und seine Maria-Helena dank staatlicher Corona-Programme gut durch die Krise gesegelt bisher.

www.theaterschiff-maria-helena.com