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Schwimmschiff Vaterland: Neuer Ärger – jetzt droht langer Rechtsstreit

Neues Kapitel im „Vaterland“-Drama : Nach Schwimmschiff-Bergung: Jetzt droht ein langer Rechtsstreit

Im Drama um das Schwimmschiff „Vaterland“ droht ein neues Kapitel: Der Streit zwischen Eigner und Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung ist eskaliert.

„Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Das alte Sprichwort trifft auf das Schwimmschiff „Vaterland“ zu, das, seit es nicht mehr im Stadtzentrum der Landeshauptstadt schräg im Saarwasser liegt, bei weitem weniger Aufmerksamkeit erfährt. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSA) in Saarbrücken hatte vor dem 3. September noch öffentlich Druck aufgebaut und eine zwingende Beseitigung vom Burbacher Saarufer bis zu diesem Stichtag gefordert. Man betonte, dass seitens des WSA auch keine Gesprächsbereitschaft mehr bestehe und man auf die Verschrottung des Schwimmschiffs oder eine Umsetzung auf ein anderes Grundstück bestehen müsse (wir berichteten). Dann ist der Stichtag verstrichen und es geschah erst einmal: nullkommanichts.

Vom WSA besteht inzwischen auch keine Gesprächsbereitschaft mehr mit den Medien. Mehrere schriftliche Anfragen blieben unbeantwortet. Bei einem Anruf hieß es lapidar: die Ansprechpartner seien alle derzeit nicht greifbar und man wisse nicht, wann sich das ändere. Aber das WSA ist auch in einem Dilemma, denn Lothar Steinacker, der Ehemann der Schiffseignerin, hat gegen die Beseitigungsverfügung Widerspruch eingelegt und seinen Anwalt eingeschaltet und damit die Behörde erst einmal in den Rechtsweg gezwungen.

Funkstille zwischen dem WSA und den Schwimmschiff-Besitzern

Steinacker sagt, er habe seit der Bergung nichts mehr vom WSA gehört. Er erhebt außerdem Vorwürfe, eine unsachgemäße Bergung habe Schäden am Schiffsrumpf verursacht. Es bahnt sich an, dass Gutachter einzuschalten sind, was wieder Zeit kostet und das Verfahren zu lähmen droht.

In Burbach liegt die „Vaterland“ derweil auf dem Trockenen und bietet einen jämmerlichen Anblick. Das einst aufgequollene Holz des Aufbaus zieht sich wieder zusammen, es klaffen Lücken und Löcher. Das Schiff ist ein Wrack. Immer wieder spazieren Passanten vorbei und fragen sich, was daraus noch werden soll. Achim Sprengart, ein Saarbrücker Gastronomieberater, hat die Hoffnung, dass man den Rumpf retten und einen neuen Aufbau erstellen könne. Er sei im engen Austausch mit Steinacker, der jedoch noch immer auf eine Antwort der Versicherung warte. Aber auch das ist kompliziert, denn Steinacker ist nicht Versicherungsnehmer, sondern Geschädigter. Er ist dem guten Willen der Versicherung seines Ex-Pächters ausgeliefert – und von der sei bislang gekommen: nullkommanichts. Die Zahl der offenen Fragen steigt also weiter. Zahlt der Versicherer überhaupt? Und wenn ja, was? Hat die Bergungsfirma einen zusätzlichen Schaden angerichtet? Muss dafür eine andere Versicherung aufkommen? Kann man das Schiff retten? Was kostet das überhaupt ? Und kann es dann nach Saarbrücken zurück? Der Fragenkatalog wird immer größer und die Zahl der Beteiligten ebenfalls. Ein juristischer Streit vor den Gerichten erscheint sicher. Wer die durchschnittlichen Verfahrensdauern kennt, kann sich ausrechnen, dass noch mehrmals Schnee auf das Wrack fallen wird.

Wie geht es mit der Berliner Promenade in Saarbrücken weiter?

Wie es an der Berliner Promenade weitergeht, bleibt damit ebenfalls offen. Das WSA hatte in einer früheren Erklärung kundgetan, dass man den vollständigen Verfahrensabschluss abwarte, bevor man über den Liegeplatz am Willi-Graf-Ufer neu entscheide. Bei der Stadt Saarbrücken sieht man das Problem, kann aber wenig tun. Stadt-Pressesprecher Thomas Blug verweist auf die Zuständigkeit der Bundesbehörde WSA. „Es gab und gibt aber durchaus Interessenten, die sich über einen Gastro- und/ oder Personenschifffahrtsbetrieb auf der Saar informieren“, ergänzt er und sieht ein deutliches Interesse am Liegeplatz unter der Berliner Promenade. Die Wirtschaftsförderung der Stadt berate hier gerne, sagt er. Allerdings geht ohne das WSA hier gar nichts. Nullkommanichts.

Aufmerksam beobachtet wird das Ganze im saarländischen Wirtschaftsministerium. Sprecherin Jennifer Collet erklärte auf Anfrage der SZ: „Die touristische Personenschifffahrt hat ihren ganz eigenen Charme und leistet damit einen besonderen Beitrag zum touristischen Angebot im Land, aber auch in der Landeshauptstadt.“ Man würde es begrüßen und unterstützen, wenn Saarbrücken wieder neue Fahrgastschiffe bekäme. Über das Schwimmschiff äußerte sich das Ministerium nicht, hier sieht man keine Zuständigkeit.