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Nacht des Sports: Sport mit Volksfeststimmung

Nacht des Sports : Sport mit Volksfeststimmung

Die vierte Auflage der „Nacht des Sports“ war trotz des LSVS-Skandals wieder einmal ein Besuchermagnet. Zahlreiche Teilnehmer probierten an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken die mehr als 50 Mitmachangebote aus.

Bei strahlendem Sonnenschein herrscht auf dem Gelände der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken reges Treiben. Bei der vierten Auflage der „Nacht des Sports“ des Landessportverbands für das Saarland (LSVS) kommen jüngere wie ältere Teilnehmer aus dem ganzen Saarland wieder in den Genuss, ihre bis dato verborgenen sportlichen Interessen zu wecken und sich bei mehr als 50 Mitmachangeboten nach Herzenslust auszutoben. Sie können alles ausprobieren und austesten. Der LSVS-Skandal tut der Freude an der Veranstaltung scheinbar keinen Abbruch. Das bestätigt Robert Reiter, einer der Hauptorganisatoren der „Nacht des Sports“: „Die Rückmeldung der teilnehmenden Gäste und Verbände war insgesamt positiv. Draußen war bei dem guten Wetter sehr viel los. Aber auch im Schwimmbad und den anderen Hallen herrschte guter Besuch.“

Nachdem im Vergleich zu den Vorjahren der Veranstaltungsbeginn um eine Stunde vorverlegt worden war, strömten die Besucher ab 17 Uhr immer zahlreicher auf das Gelände der Hermann-Neuberger-Sportschule. Auffällig war laut Reiter vor allem ein Aspekt. „Der Anteil an Familien mit Kindern war diesmal besonders hoch“, sagt er rückblickend – und ergänzt im Zusammenhang mit dem LSVS-Skandal: „Angesichts der Situation sind wir mit der Resonanz sehr zufrieden.“

Das untermauern viele Besucher bei einer Tour über das Gelände. Besonders viel Trubel herrschte bei bestem Wetter auf dem Rasen im Leichtathletik-Stadion, wo sich die Angebote im Rugby, Lacrosse und Jugger regem Zulauf erfreuen: „Ich glaube, ich bin hier Mädchen für alles“, sagt Robin Dräger, der den Besuchern den Trendsport Jugger erklärt – und dabei ununterbrochen gefragt ist. „Definitiv, Jugger wird immer beliebter. Viele haben nicht zuletzt deshalb Spaß daran, weil es etwas Episches an sich hat. Wir sind zum vierten Mal hier. Diesmal ist noch mehr los als sonst, weil das Wetter besser ist“, sagt der 25-jährige Saarbrücker.

Beim Jugger muss der Spielball (Jugg) so oft wie möglich durch einen bestimmten Spieler – Läufer genannt – ins gegnerische Mal befördert werden, während die mit Schaumstoffstäben bewaffneten Gegner versuchen, den Weg zum Mal zu blockieren. Sie duellieren sich dabei mit den „bewaffneten“ Akteuren der angreifenden Mannschaft. „Gerade in Schulen und Erziehungszentren hat es einen großen Wert, weil es eigentlich ein Fair-Play-Sport ist. Es geht nicht darum, sich die Köpfe einzuhauen. Die Kinder lernen, dass es gar nicht schlimm ist, sich treffen zu lassen“, erläutert Dräger.

Rüdiger Ulrich hat Jugger getestet. Das Urteil des 52-Jährigen zu diesem Trendsport: „Es macht Spaß. Wobei Regeln und Trefferwertung vielleicht noch verbesserungswürdig sind.“ Aber es sei halt ein Funsport. „Und da steht nun mal der Spaß im Vordergrund“, meint der 52-Jährige, der zur „Nacht des Sports“ an sich sagt: „Ich war schon mehrfach dabei – einfach weil es sehr witzig ist. Die netten Leute, die gute Stimmung. Und dass man so viel ausprobieren kann.“ Zuvor war Ulrich diesmal beim Aikido: „Das ist gut für alle möglichen Muskeln. Da könnte ich mir vorstellen, das im Verein zu betreiben“, erklärt der Saarbrücker.

„Sport mit Volksfeststimmung“, sagt der 40 Jahre alte Dennis Kranz aus Gersweiler zur „Nacht des Sports“. Er sei zwar „mit Volleyball gut bedient. Aber schön, hier so viel probieren zu können“. Nebenan schwingt die siebenjährige Emilia zum ersten Mal im Leben den Golfschläger. „Halte ihn etwas tiefer. Ja. Und jetzt musst du nur noch geradeaus zielen“, erklärt ihr Christoph Ringling, Jugendwart des Golfverbands Saarland, während Papa Roman Braga aus Dudweiler die Veranstaltung lobt. „Wir haben davon in der Zeitung gelesen. Es ist lustig, obwohl die Warteschlangen manchmal lang sind. Aber das ist schon super, es hat sich voll gelohnt – vor allem für die Kinder“, sagt er nach Besuchen beim Bogenschießen, Karate und nun Golf. Emilia betont: „Es hat mir sehr gut gefallen.“ Und ihre gleichaltrige Freundin Mariam ist scheinbar ein echtes Golf-Talent, denn schon der erste Schlag landet direkt im Loch. „Wir hatten ziemlich großen Zulauf“, bestätigt Ringling, dass es sich auch für die Golfer selbst gelohnt hat. Marupi Weisgerber aus Alsweiler ist in einer Gruppe mit 46 Mitschülern vor Ort. „Toll, dass man hier alles ausprobieren kann. Wir waren eben beim Boxen, da wurde mir gesagt, dass ich eine gute Anlage habe“, verrät die Elfjährige, die man also vielleicht bald im Ring sehen wird. Ihre zwölf Jahre alte Freundin Milena Magar aus Hasborn sagt: „Boxen finde ich auch sehr gut.“ Dagegen hat Finja Backes, 12, eine andere Meinung. „Das ist eher nichts für mich“, sagt die Hasbornerin zum Faustkampf. Der Hauptaspekt der „Nacht des Sports“ ist hier vollauf erfüllt: austesten, für gut befinden – oder eben nicht.

Den LSVS-Skandal hat sicher niemand positiv wahrgenommen. Doch auf die vierte „Nacht des Sports“ nahm das scheinbar kaum Einfluss – weshalb auch Organisator Reiter sagt: „Es spricht nichts gegen eine fünfte Auflage im kommenden Jahr.“

 Stabhochsprung ist eine komplexe Sportart. Die neun Jahre alte Mia Maas aus Saarbrücken probiert sie aus – unterstützt von zwei Helfern.
Stabhochsprung ist eine komplexe Sportart. Die neun Jahre alte Mia Maas aus Saarbrücken probiert sie aus – unterstützt von zwei Helfern. Foto: Thomas Wieck
 Beim Jugger auf dem Rasen im Leichtathletik-Stadion haben die Teilnehmer ihren Spaß. Die Trendsportart zog viele Besucher in ihren Bann.
Beim Jugger auf dem Rasen im Leichtathletik-Stadion haben die Teilnehmer ihren Spaß. Die Trendsportart zog viele Besucher in ihren Bann. Foto: Thomas Wieck
 Der zehn Jahre alte Marlon Werno zeigt in der Schwimmhalle, wie man sich auf einem Paddelbrett fortbewegt, ohne runterzufallen.
Der zehn Jahre alte Marlon Werno zeigt in der Schwimmhalle, wie man sich auf einem Paddelbrett fortbewegt, ohne runterzufallen. Foto: Thomas Wieck

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