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STB will Turn-Schule an Sportschule Saarbrücken und Landeskader auslösen

Auslösung des Landeskaders : Die große Frage nach dem Warum

Auf dem Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere erfährt Xenia Mauer, dass der Landeskader aufgelöst werden soll. Das würde für die 16-Jährige aus Güdingen das Aus für Rhythmische Sportgymnastik auf Spitzenniveau bedeuten.

Wenn Xenia Mauer an das vergangene Wochenende denkt, fängt sie an zu strahlen und zu lachen. „Das war echt cool. Das war der größte Erfolg in meiner Karriere“, sagt die 16-Jährige aus Güdingen. Sie wurde bei den deutschen Meisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik in Dortmund Sechste. „Ich war schon richtig stolz, als ich das Finale der besten Acht erreicht habe. Die Konkurrenz war wirklich stark“, erzählt Xenia Mauer. Mit dem Finale mit ihrem Lieblingsgerät, dem Reifen, ist sie aber nicht ganz zufrieden. „Ich habe eine einfache Übung vermasselt, das gab Punktabzug und hat ein bisschen genervt.“

Die einfache Übung ist für Normalsterbliche ein Ding der Unmöglichkeit. Der Reifen wird etwa drei Meter in die Höhe geworfen. In der Flugphase des Reifens geht die Athletin in den Handstand und fängt den Reifen mit den Beinen. Eine perfekte Körperspannung gehört zu der Übung. „Das ist eine Standardübung, und ich war einfach nicht konzentriert genug“, erklärt Xenia Mauer.

Zwischen vier und sieben Stunden trainiert sie täglich im Turn-Zentrum an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken. Die Güdingerin gehört zum saarländischen Landeskader und besucht das Saarbrücker Rothenbühl-Gymnasium, eine sogenannte Eliteschule des Sports. Dort trainiert sie auch morgens.

„Als kleines Mädchen bin ich zu Hause schon auf allem rumgeturnt und habe mit Bällen jongliert. Mit sechs Jahren habe ich zu meiner Mama gesagt, dass ich Gymnastin werden will“, blickt die 16-Jährige zurück. Beim TV Fechingen hat sie ihre Karriere gestartet. Bereits mit zehn Jahren zählte sie zum Landeskader. Und mit zwölf Jahren kam der Wechsel zum Olympiastützpunkt nach Schmiden bei Stuttgart.

 Xenia Mauer
Xenia Mauer Foto: Heiko Lehmann

Xenia Mauer lebte dort weit weg von ihren Eltern und Freunden in einem Internat. „Am Anfang war das alles spannend. Ich musste mich mit zwölf Jahren alleine um alles kümmern – waschen, kochen, sauber machen. Das war ein richtiges Abenteuer“, sagt sie. Auch Erfolge stellten sich ein. Mit dem TSV Schmiden gewann sie die deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Doch das Abenteuer endete nach eineinhalb Jahren. „Das Heimweh wurde irgendwann einfach zu groß. Ich kann mich an ein Telefonat mit meiner Mama erinnern, bei dem ich nur geweint habe. Ich konnte nicht mehr und wollte nur noch zurück nach Hause“, erklärt die Güdingerin.

Die erfolgreiche Karriere ging aber weiter. Im Vierkampf mit allen Geräten – Keulen, Band, Reifen, Ball – wurde sie Saarlandmeisterin und zudem eine der besten Gymnastinnen in der Bundesliga-Mannschaft des TV St. Wendel. Der Höhepunkt folgte am vergangenen Wochenende mit dem sechsten Platz bei der deutschen Meisterschaft.

Ein Höhepunkt, der gleichzeitig der letzte gewesen sein könnte. Der Saarländische Turnerbund (STB) möchte das Turn-Zentrum an der Hermann-Neuberger-Sportschule auflösen und damit auch den Landeskader. „Ich bin immer noch sauer, wütend und enttäuscht. Die Nachricht bekamen wir mitten in den Vorbereitungen für die deutschen Meisterschaften mitgeteilt. Ich habe versucht, es für den Wettkampf auszublenden, aber es fiel nicht leicht“, sagt Xenia Mauer.

Die STB-Entscheidung hätte für alle Landeskader-Athletinnen weitreichende Folgen. Aus sieben Trainingseinheiten pro Woche würden nur noch zwei Vereins-Trainingseinheiten werden. Erfolge wie der sechste Platz bei der deutschen Meisterschaft würden unmöglich werden, auch der Start in der Bundeslgia. Und am Rotenbühl-Gymnasium fließt Xenias Mauers Note in der Rhythmischen Sportgymnastik in das Abitur mit ein.

„Ich wollte eine Kampfrichter-Ausbildung machen und irgendwann auch mal Trainerin werden. Die Rhythmische Sportgymnastik ist nicht nur ein Hobby. Sie ist ein großer Teil des Lebens und des Alltags von uns allen. Und jetzt versuchen irgendwelche Leute unsere Leben zu bestimmen. Das Schlimmste ist, dass wir immer noch keinen plausiblen Grund genannt bekamen, warum der Saarländische Turnerbund das Turn-Zentrum schließen möchte“, sagt Xenia Mauer.

An diesem Mittwoch, 9. Juni, möchte der STB in einer Videokonferenz mit den Eltern der Athletinnen reden und Fragen beantworten. Ob es noch eine Rettung für die Rhythmische Sportgymnastik im Saarland geben kann, ist offen.