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Sulzbach unter Schock: Trauer um Opfer in Ravanusa nach Gas-Explosion

Partnergemeinde auf Sizilien : Sulzbach unter Schock – Nach Gasexplosion ist die Trauer um die Opfer in Ravanusa groß

Sulzbach steht unter Schock. Die Stadt trauert mit den Menschen in ihrer sizilianischen Partnergemeinde Ravanusa. Dort kam es zu einer verherenden Gasexplosion.

Die Glocken der evangelischen und der katholischen Kirche läuteten am Freitag um kurz nach 14 Uhr in Sulzbach. Vor dem Rathaus hing die italienische Flagge auf halbmast. Hinter dem Rathaus versammelten sich etwa 30 Menschen, um eine Schweigeminute für die zehn Todesopfer in der italienischen Gemeinde Ravanusa abzuhalten.

„Wir stehen immer noch alle unter Schock. Neben den zehn toten Menschen gibt es noch etwa 100 Menschen, die durch die Gasexplosion obdachlos wurden. Viele Bürger, die heute in Sulzbach leben, haben ihre Wurzeln in Ravanusa. Wir verneigen uns vor den Opfern und trauern mit den Angehörigen“, sagte Sulzbachs Bürgermeister Michael Adam (CDU).

Ravanusa ist seit 20 Jahren die Partnergemeinde Sulzbachs. Freundschaftliche Beziehungen bestehen noch länger. Am Samstag vergangener Woche ereignete sich in Ravanusa auf Sizilien ein schreckliches Unglück. Bei einer Gasexplosion ist ein vierstöckiges Wohnhaus eingestürzt und mehrere Häuser im Umkreis wurden ebenfalls komplett zerstört. „Manchmal fragen wir uns, welche Bedeutung so eine Partnerschaft hat. Ravanusa ist sehr weit weg und da kann man nicht einfach mal so mit dem Auto hinfahren. In dieser schweren Zeit wissen wir, wie wichtig diese Freundschaft ist. Heute, etwa zur gleichen Zeit, findet in Ravanusa die Beerdigung aller Todesopfer statt. Darunter ist auch ein ungeborenes Kind, das den Namen Samuel bekommen hat. Wir sind mittlerweile froh, dass alle Obdachlose wieder ein Dach über dem Kopf haben“, sagte Elfriede Nikodemus. Sie ist die Vorsitzende des Sizilianischen Freundeskreises des Regionalverbandes Saarbrücken. Seit 20 Jahren gibt es den Verein, der gegründet wurde, um die Partnerschaft zwischen Sulzbach und Ravanusa zu unterstützen. Der Freundeskreis startet zum Wochenbeginn eine Spendenaktion für die Opfer in Ravanusa und hat bis Freitag schon 6500 Euro zusammenbekommen. Mehr als 18 000 Euro Spenden haben Davide Lana aus Sulzbach und sein Freund Michele Loggia in Ravanusa bereits gesammelt.

Davide Lana's Großeltern stammen aus Ravanusa. Sie hatten bis zur vergangenen Woche noch ein Ferienhaus in Ravanusa. „Ich war am Samstagabend zu einem Spieleabend bei Freunden in Sulzbach. Dann habe ich bei Facebook plötzlich die Fotos aus Ravanusa gesehen. Ich habe gesehen, dass die Explosion genau in unserer Straße war. Unser Haus ist komplett zerstört. Wir waren erst im Oktober mit unserer ganzen Familie dort“ erzählt der 29-Jährige. Er ist jedes Jahr für längere Zeit in Ravanusa. Die Todesopfer sind Nachbarn und Freund. Davide Lana kennt sie alle. Auch das junge Ehepaar von nebenan. „Das ist wie hier in Deutschland in den kleineren Gemeinden. Da kennt jeder jeden. Die junge Frau war schwanger und wäre genau heute 30 Jahre alt geworden. Jetzt sind sie tot - sie, ihr Mann und ihr ungeborenes Kind“, sagt der junge Sulzbacher und kämpft mit den Tränen.

Er hat sie im Oktober noch alle getroffen und ihnen alles Gute bis zum nächsten Jahr gewünscht. Auch Pietro, einem Mann, der über 70 Jahre alt ist und ebenfalls in direkter Nachbarschaft wohnte. „Pietro hat mir erzählt, dass er einen so lauten Knall noch nie zuvor in seinem Leben gehört hatte. Dann ist ihm die Haustüre entgegengeflogen und er rannte nur noch aus dem Haus. Sekunden später ist das ganze Haus eingestürzt. Er hat überlebt. Pietro hat erst in diesem Jahr seine Frau verloren. Jetzt hat er auch noch sein Haus verloren und er hat gar nichts mehr“, berichtet Davide Lana von dem Unglück.

Dass ihr Ferienhaus komplett zerstört wurde, interessiert ihn nicht besonders. „Ich weiß, dass meine Großeltern für das Haus sehr hart gearbeitet haben. Aber es ist nur ein materieller Verlust. Wir haben Freunde und Bekannte verloren, das ist viel schlimmer. Es wird in Ravanusa nie mehr so sein, wie es mal war“, erklärt der 29-Jährige, der sich wie alle Anwesenden am Freitag in das Kondolenzbuch eintrug, das Bürgermeister Michael Adam in den nächsten Wochen seinem Freund und Bürgermeister von Ravanusa, Carmelo D’Angelo, zukommen lassen wird.

Die Stadtverwaltung und der Regionalverband Saarbrücken unterstützen diese Spendenaktion. Spenden sind möglich auf folgendes Konto: Sparkasse Saarbrücken IBAN DE09 5905 0101 0003 0018 15, Stichwort „Ravanusa“.