1. Saarland
  2. Saarbrücken
  3. Sulzbach

Theatergruppe Ü50 tritt im Salzbrunnenhaus in Sulzbach auf

Teils poetisch, teils herrlich verrückt : Theatergruppe Ü50 spielt mit Herzenslust und Komik

Die Theatergruppe Ü50 hat ihr Publikum am Samstagabend im Salzbrunnenhaus unterhalten. Zur Freude der Zuschauer gab es sprachliche Verwirrungen, Schiller-Unkenntnis und handgemachte Musik.

Man nehme einige sprachliche Verwirrungen, etwas Unkenntnis über die Werke von Schiller und mache aus Dionys, dem Tyrannen einen Lebensmittelhändler, zu dem Damon statt mit einem Dolch mit einer Tafel Schokolade schlich, garniere das Ganze schließlich mit handgemachter Musik und Lyrik und schon hat man einen vergnügten und höchst unterhaltsamen Theaterabend.

Dass es am Samstag Abend draußen ungemütlich windig und nass war, störte die zahlreichen Gäste im kuschelig warmen, vollbesetzten Salzbrunnenhaus nicht im geringsten. Sie lachten aus Herzenslust und spendeten den Akteuren kräftig Applaus. Denn was gibt es schöneres, als nach so langer Auszeit einen regnerischen Herbstabend in guter Gesellschaft mit kulturellen Leckerbissen aus Musik, Theater und Sketchen zu versüßen. Es war teils poetisch, teils herrlich verrückt, was die Theatergruppe Ü50 im Salzbrunnenhaus dem Publikum an Unterhaltung bot. Ihre Vorstellungen sind längst fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Salzstadt.

„Was lange währt, wird endlich gut. Ich danke der künstlerischen Leiterin Brigitte Thul für das Zusammenstellen dieses kulturellen Menüs. Ich bin ja auch schon Ü50 und freue mich, dass ich deswegen kommen durfte“, feixte Bürgermeister Michael Adam bei seiner Begrüßung. Was folgte, war eine abwechslungsreiche Mischung aus Sketchen in Hochdeutsch und Mundart sowie eine Lesung von eigenen Gedichten. Der erste absurde Sketch „Missverständnisse im Krankenhaus“ machte klar, dass eine klare Kommunikation zwischen Pflegerin und Patientin das A und O ist. Oder zumindest sein sollte. Wenn die Krankenschwester (Iris Matzke) sagt „WIR nehmen jetzt einmal UNSERE Medikamente“, heißt das in dem Fall NICHT, dass die Tabletten auf beide Personen aufgeteilt werden müssen. Das amüsierte Publikum wusste natürlich sofort, was mit dieser Aussage gemeint sein soll – die etwas verschrobene Patientin auf dem Krankenlager (Ulrike Blatt) schien diese und andere Aussagen der Pflegekraft aber gänzlich misszuverstehen.

Eine Aneinanderreihung von peinlichen Missverständnissen und skurrilen Verstrickungen gab es auch beim nächsten Sketch „Wartesaal im Bahnhof!. Eine etwas ungebildete Dame (Johanna Mager) bringt hierin einen Reisenden (Arno Mager) zum Wahnsinn mit ihrer Unwissenheit über Friedrich Schiller. Mit gepackten Koffern stehen sie am Bahnsteig und unterhalten sich über den Dichter. „Kenne Sie vielleicht ,Die Räuber’?“, fragt er sie auf saarländisch, um Ihr auf die Sprünge zu helfen. „Menne Sie die Leut’ vom Finanzamt?“ „Neee, von Schiller! Oder kenne Sie vielleicht de Willhelm Tell? Der hat gesaht ,Durch diese kahle Hose muss er ....“. Weiter kam der Ärmste nicht und die Zuschauer klopften sich auf die Schenkel vor Lachen. „Also wenn ich Sie mir so aangugge, komme ich mir vor, wie Calais.... also genau gegenüber von Doover!“ Dabei ging es eigentlich nur um den Nachlass eines Schreibtischs, auf dem Schiller Maria Stuart bearbeitet haben soll. Aber das war dann doch eine ganz andere Geschichte.

Aus ihren Büchern „Heiter bis Tiefgründig“ und „Nimm dir Zeit“ las Iris Matzke Gedichte über Herbststürme und Katzendiven, selbsterdachte Märchen des Großvaters oder die magische Zahl Zwei. Dabei gab sie so manchen guten Ratschlag, die Zeit bewusst zu genießen. Man solle sich Zeit nehmen und Inseln im Alltag schaffen, denn „allzu kurz der Augenblick – holt der Alltag dich zurück!“. Die musikalische Umrahmung vor, nach und zwischen den Stücken übernahm Rainer Rodin mit seiner Gitarre und einem poetischen Programm aus Eigenkompositionen und Interpretationen bekannter Musikerkollegen.

Beim letzten Sketch des Abends wurde eine Radiosprecherin (Ulrike Blatt) beim Versuch, ein klassisches Gedicht vorzutragen, immer wieder durch eine Stimme aus dem Kontrollraum (Iris Matzke) unterbrochen. Da kamen wichtige Fragen auf, wie: Warum ritt der Vater beim Erlkönig auf einem Pferd und hatte sich kein Taxi genommen und warum durfte das Kind noch so spät auf sein, wo es doch längst ins Bett gehörte. Bei Schillers „Glocke“ wurden mögliche Probleme mit der Gewerkschaft thematisiert und der Tyrann Dionys bat schließlich darum „Es sei gewährt mir die Bitte, zu sein in Eurer Skatrunde der Dritte“.

Nach gemeinsam gesungenen Liedern ließen die Akteurinnen und Akteure schließlich den kurzweiligen Abend in einer gemütlichen Runde gemeinsam mit ihren Gästen ausklingen. Auch da wurde noch lange gelacht. „Ein Genuss war das, das hat richtig Spaß gemacht!“, hörte man aus allen Ecken.

Die Theatergruppe Ü50 sucht Menschen ab 50 Jahre, die sich der fröhlichen Truppe gerne anschließen möchten und selbst gern einmal Theater spielen wollen. Der Spaß steht dabei im Vordergrund. Geprobt wird mittwochs zwischen 16 Uhr und 17.30 Uhr im Salzbrunnenhaus. Interessierte dürfen gerne vorbei kommen. Für 2022 ist ein gemeinsames Programm mit dem „Heart-Chor“ geplant.