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Überquellende Mülltonnen in Saarbrücken: Wann Müllabfuhr Abholung verweigern darf

Ratten werden angelockt : Überquellende Tonnen in Saarbrücken – Wann die Müllabfuhr die Abholung verweigern darf

Überquellende Mülltonnen sind nicht schön, miefen, locken Ratten an und behindern die Müllabfuhr. Wer zu kleine Tonnen hat, kann zu größeren Abfallgefäßen gezwungen werden.

„Müll ist die Pest eines überverpackten Zeitalters“, schrieb der Wiener Publizist Fritz Rinnhofer. Und wie die Pest kommt auch der unsachgemäß abgestellte Müll gerne mal mit Ratten daher. Problematisch ist Müll besonders dann, wenn der Abfall nicht weit vom Haus fault und Bürger ihre Mülltonnen überquellen lassen.

Nach einer entsprechenden Beschwerde aus Völklingen wollten wir wissen: Können Hausbesitzer, bei denen sich die Mülltonnen ständig als zu klein erweisen, eigentlich dazu verdonnert werden, sich größere Gefäße anzuschaffen? Um es vorwegzunehmen: Ja, das geht.

In acht der zehn Regionalverbands-Kommunen läuft die Müllentsorgung unter der Federführung des Entsorgungsverbandes Saar (EVS), nur die Landeshauptstadt und die Stadt Völklingen sind selbst für die Entsorgung zuständig – Saarbrücken über den Zentralen kommunalen Entsorgungsbetrieb (ZKE). Auf unsere Anfrage weist die Pressestelle der Stadt Saarbrücken auch darauf hin: „Überquellende Tonnen und daneben liegender Abfall sind oftmals nicht nur ein optisches Problem, das in vielen Kommunen zu Unmut führt. Auch bei der Leerung dieser Tonnen ergeben sich Schwierigkeiten“, denn die Arbeit der Müllabfuhr wird so erschwert, und für deren Mitarbeiter kann sogar eine Verletzungsgefahr entstehen. Auch bedeuten zu kleine Tonnen für die Beschäftigten Mehrarbeit, wenn Abfälle aus dem Behälter quellen und auf den Boden fallen. „Deshalb“, so die Stadtpressestelle, „kontrolliert der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE) mit eigenem Personal systematisch, ob ein ausreichendes Gefäßvolumen an den einzelnen Anwesen in Saarbrücken vorhanden ist“. Zudem hätten die Müllwerker das gesamte Stadtgebiet im Blick, und Hinweisen auf überfüllte Tonnen werde auch nachgegangen.

Welche Größe sollten die Mülltonnen pro Haushalt haben? „Satzungsgemäß wird bei der Bemessung des Volumens bei Restabfall ein Richtwert von mindestens zehn Liter je Person und Woche angenommen. Dieser Richtwert legt aber die Nutzung der Biotonne und ein sehr gutes Trennverhalten zugrunde. Klappt es mit der Mülltrennung im Haus nicht, kann das Gefäßvolumen schnell nicht mehr ausreichen.“ Die Konsequenz: „Ist eine übervolle Mülltonne nicht nur einmalig aufgefallen – zum Beispiel nach Weihnachten oder nach anderen Feiertagen –, sondern quillt das Gefäß ständig über, so haben Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer die Aufstellung eines ausreichenden Behältervolumens durch den ZKE nach einer entsprechenden Anhörungsfrist zu dulden.“

Neben dem Vermeiden von Abfällen sei eine gute Mülltrennung das A und O, damit die Tonnen erst gar nicht überquellen und die Bürger „auch bares Geld sparen“. Der ZKE unterstütze hier im Zweifel mit einer Sortierhilfe (www.zke-sb.de/service/sortierhilfe). Und, so ein weiterer Hinweis: „Beim Tauschmarkt www.zke-sb.de/service/tauschmarkt finden Dinge, die zum Wegwerfen noch zu schade sind, einen neuen Besitzer oder eine neue Besitzerin und reduzieren so nicht nur das Müllaufkommen, sondern sind ein aktiver Beitrag zur Ressourcen-Schonung.“ Bei Hinweisen auf überquellende Tonnen aus der Bevölkerung werde der beschriebene Sachverhalt überprüft und gegebenenfalls ein entsprechendes Verfahren eingeleitet. 

Der EVS ist für Friedrichsthal, Großrosseln, Heusweiler, Kleinblittersdorf, Püttlingen, Quierschied, Riegelsberg und Sulzbach zuständig. Pressesprecherin Marianne Lehmann schildert: „Mit unseren Abfuhrunternehmen ist vertraglich vereinbart, dass zunächst ein Aufkleber an eine überfüllte Tonne angebracht wird, der die Nutzer darauf aufmerksam macht, dass das Gefäß bei nochmaliger Überfüllung stehen bleibt.“ Und das wird auch durchgezogen: „Sollte der Behälter erneut überfüllt bereitgestellt werden, wird er nicht entleert und abermals eine entsprechende Information hinterlassen.“ Wenn dann in der Folge davon auszugehen sei, dass die jeweilige Mülltonne dauerhaft zu klein ist, „sind die Vertragspartner gehalten, den EVS hierüber zu informieren. Wir fordern den Hauseigentümer dann – gemäß Paragraf 18, Absatz 2 der Abfallwirtschaftssatzung – zur Beantragung eines größeren bzw. zusätzlichen Behältervolumens auf und können, sollte keine Reaktion erfolgen, im Rahmen des Anschluss- und Benutzungszwangs ein ausreichendes Gefäßvolumen zuweisen.“ In der entsprechenden EVS-Satzung heißt es: „Der zum Anschluss Verpflichtete hat die ausreichende Anzahl und die ausreichende Größe der Abfallbehälter oder andere Abfallbehältnisse zu beantragen. Kommt er dieser Pflicht nicht nach, kann der EVS Art, Größe und Anzahl der notwendigen Abfallbehälter anordnen.“

Ab und an zu viel Müll sollte aber kein Problem sein, denn EVS bietet für sechs Euro pro Stück bei der jeweiligen Kommunal-Verwaltung spezielle Säcke an, in denen zusätzlicher Abfall neben die Tonne gestellt werden kann.

 Nein, das muss nicht sein: Dreck neben den Tonnen. 
Nein, das muss nicht sein: Dreck neben den Tonnen.  Foto: rup/ROLF RUPPENTHAL 01727172400

Ansprechpartner bei zu kleinen Mülltonnen gibt es beim EVS unter Tel. (06 81) 50 00-7 45 oder -7 06, bzw. unter der E-Mail-Adresse anschluss-abfall@evs.de. Ansprechpartner im Bereich der Landeshauptstadt finden sich bei der ZKE per E-Mail an: zke-gefaeskontrolle@saarbruecken.de, die satzungsrechtliche Vorschriften gibt es als PDF-Datei unter: www.zke-sb.de/media/download-5ced28b150ec3.