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Frauenhaus in Völklingen-Wehrden: Plan sorgt für Anwohner-Aufstand

Nachbarschaft äußert Ängste : Anwohner-Aufstand in Völklingen-Wehrden gegen geplantes Frauenhaus

In Völklingen-Wehrden soll ein Frauenhaus entstehen, eine Außenstelle des Saarbrücker Frauenhauses der Awo. Die Nachbarn sind dagegen. Die Awo versucht, die Wogen zu glätten.

Eine Gefahr für die Nachbarn? Oder doch nicht? Es war schon Thema in politischen Gremien, doch die endgültige Entscheidung über das in Völklingen-Wehrden geplante Frauenhaus ist noch nicht gefallen. Wir sprachen mit Nachbarn, Betreiber und Investor.

Das Frauenhaus – wenn es denn verwirklicht wird – liegt in einem Sackgassenbereich in Wehrden, sieht von außen wie ein frisch saniertes Zweifamilienhaus aus, nach hinten gibt es einen gepflasterten Hof mit Garagen. Vorgesehen sind drei Einzelzimmer und zwei Familienzimmer für fünf Frauen mit bis zu fünf Kindern. „Eine Betreuerin wird bis 20 Uhr vor Ort sein, danach besteht Rufbereitschaft“, so die Auskunft der Völklinger Stadtverwaltung.

Die Nachbarn: Am Freitagnachmittag hatten wir uns mit etwa 20 Nachbarn vor Ort getroffen, die sich, teils auch schon schriftlich und gegenüber der Stadtverwaltung, klar gegen das Projekt aussprechen. Alle betonen jedoch, dass sie Frauenhäuser als gute und notwendige Einrichtungen ansehen, der Standort in Wehrden sei jedoch ungeeignet. Was alle gleichermaßen verärgert: Die Straße ist ein reines Wohngebiet, als der Bebauungsplan 1964 entstand, waren „Anlagen für soziale Zwecke“ in Wohngebieten noch nicht erlaubt. Nun muss das Areal  erst zu einem „Mischgebiet“ umgewandelt werden, und das öffne auch anderen Änderungen Tür und Tor. Auch seien etwa zulässige Lärmimmissionen in einem Mischgebiet ungünstiger – und man sei schon genug durch die ständige Geräuschkulisse von Autobahn und Hütte gebeutelt. 

Verärgerung auch darüber, dass Verwaltung und Investor schlecht bis gar nicht informiert hätten und auch später, abgesehen von „Wir Bürger Völklingen“, keine Vertreter der Stadtratsfraktionen gekommen seien, was man aber als Bürger vor einer Entscheidung im Stadtrat erwarten dürfe. „Es wurde über unsere Köpfe hinweg entschieden“, so eine Anwohnerin

Zudem gab es, mit unterschiedlicher Gewichtung, etliche weitere Einwände, insbesondere die Angst vor den gewalttätigen Ex-Partnern der Frauen. Es gebe Fälle, in denen solche Männer vor Frauenhäusern aufgetaucht seien. Das dürfe es auf keinen Fall geben, zumal in einer ruhigen Nachbarschaft mit Kindern, in einer Sackgassen-Situation und ohne nahe Polizeistation. Darüber hinaus sei der Standort schon deshalb nicht mehr geeignet, weil die genaue Adresse schon veröffentlicht wurde. Ohnehin sei grundsätzlich ein Standort in der Innenstadt besser. Zumal – was schlecht für die Bewohnerinnen sei – das Gelände hinter dem Haus in Wehrden kaum  eingesehen werden kann. Auch im Völklinger Sicherheitsbeirat habe es geheißen, „dass der Platz hier für ein Frauenhaus ungeeignet ist“.

Des Weiteren würden zwar offiziell keine Frauen mit Drogenproblemen oder ähnlichem aufgenommen, „aber das fällt ja nicht immer auf, bevor es zu spät ist“. Manche Anwohner führten auch ins Feld, dass man sich gerade wegen der Ruhe hier niedergelassen habe, und dass ein Frauenhaus in der Nachbarschaft eine Wertminderung des Eigentums bedeute: „Wenn ich mir was kaufen wollte und höre, in der Nachbarschaft ist ein Frauenhaus, dann würde ich auch erstmal zurückzucken.“ Nicht zuletzt steht der Vorwurf im Raum, dass die Entscheidung zwischen Awo, Investor und Stadt schon im Vorfeld „inoffiziell“ gefallen sei.

Der Betreiber des Frauenhauses soll die Arbeiterwohlfahrt (Awo) werden. Deren Landesgeschäftsführer Jürgen Nieser zieht einen Vergleich zum über 40 Jahre in Saarbrücken bestehenden Frauenhaus: „Bedrohliches Auftreten oder aggressives Verhalten gegenüber Anwohnern konnte in 40 Jahren saarländischer Frauenhausarbeit nicht beobachtet werden.“ Die Gewalt werde innerhalb der Familie ausgeübt. Nieser: „In den Fällen, in denen Männer am Frauenhaus auftauchen, beziehen sich Bedrohungslagen explizit darauf, mit der Ex-Partnerin in Kontakt zu kommen.

Auf Grundlage dieser jahrzehntelanger Erfahrung an den drei bestehenden Frauenhausstandorten im Saarland, können wir den Gefährdungsaspekt für die Nachbarschaft nicht erkennen.“ Etwa von betrunkenen Randalierern und entsprechenden Brennpunkten könne an Frauenhäusern keine Rede sein. Mit dem – kleinen – Frauenhaus in Völklingen wolle man vor Ort ein niederschwelliges und qualitativ gutes Angebot machen.  Und man wolle auf jeden Fall ein gutes Verhältnis zur Nachbarschaft, auf die man auch noch zugehen werde.

Der Investor ist mit seinem Unternehmen Bernd Wilhelm, der davon ausgeht, dass die Vorstellung, wer in Frauenhäusern lebt, wohl nicht immer richtig sei, „das ist jedenfalls keine Abschaum-Klientel“. Der Umgang mit Adressen von Frauenhäusern sei zudem, je nach Betreiber, unterschiedlich, „manche gehen ganz offen damit um“. Vom vorgesehenen Wehrdener Haus – „eines der  kleinsten Frauenhäuser Deutschlands“ – sei zudem die nächste Polizeistelle nur drei Kilometer entfernt, „das ist näher als beim Frauenhaus in Saarbrücken“, das übrigens, ebenfalls in einer Sackgasse, in einer recht guten Gegend liege, die nicht herabgezogen worden sei und dessen Nachbarn keine zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen getroffen hätten.

Er geht auch davon aus, dass ein Frauenhaus „nicht in ein Gewerbegebiet, sondern in die Mitte der Gesellschaft gehört“. Eine Wertminderung sehe er nicht, er habe dort selbst ein weiteres Haus, das ein normales Wohnhaus bleibe, und würde sich dann ja mit dem Frauenhaus ins eigene Fleisch schneiden. Er hoffe auch, dass sich, wie bei anderen Projekten, die Wogen glätten, wenn das Haus etabliert sei und problemlos laufe.

Infos zu den Awo-Frauenhäusern im Saarland: www.awo-saarland.de/frauenhaeuser.