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Irrer Fund im Völklinger Weiher: Es heißt „Craspedacusta sowerbii“

Was ist das für ein komisches Glibber-Tierchen? : Irrer Fund im Völklinger Weiher: Es heißt „Craspedacusta sowerbii“

Was der zehnjährige Ben Etgen bei einem Spaziergang mit Großvater im Erbachweiher entdeckte ist äußerst ungewöhnlich.

Zugegeben: bei dieser Information unseres Lesers Volker Etgen beschlich uns – aus Unkenntnis – im ersten Moment der Verdacht, dass es hier um einen Aprilscherz zur falschen Zeit handelt. Doch es gibt sie tatsächlich: kleine – und für Menschen vollkommen ungefährliche – Süßwasserquallen. Dass sie aber auch schon im Saarland gesichtet wurden, darüber haben wir in unserem Zeitungsarchiv nichts gefunden.

Was der zehnjährige Ben Etgen bei einem Spaziergang mit Großvater Volker Etgen im Erbachweiher entdeckte – der Weiher gehört zum Völklinger Stadtteil Geislautern –, ist also äußerst ungewöhnlich. „Hier schwimmt eine Qualle!“, rief der Junge aus dem Großrosseler Ortsteil Dorf im Warndt seinem Großvater unvermittelt zu. Der ist selbst Mitglied im Nabu Ludweiler, hilft zum Beispiel, manchmal gemeinsam mit dem Enkel, Frösche und Amphibien über die Straße zu bringen. Aber obwohl er selbst in der Natur bewandert ist, dachte auch er zunächst an einen Irrtum des Enkels: „Ich wusste gar nicht, dass es Süßwasserquallen gibt!“ Doch der wissensdurstige Junge – „er ist ein sehr guter Beobachter“, so sein Großvater – beharrte auf seiner Entdeckung. So untersuchte Volker Etgen die Angelegenheit genauer und musste feststellen: „Tatsächlich! Eine etwa zwei Zentimeter große Süßwasserqualle schwamm nahe am Ufer entlang, mit zusammenziehender Bewegung ihres Schirms. – Und Ben fand noch mehrere große und kleine Quallen in Ufernähe.“

 Ben Etgen mit „seiner“ Süßwasserqualle, die er in einem Weiher im Warndt entdeckte.
Ben Etgen mit „seiner“ Süßwasserqualle, die er in einem Weiher im Warndt entdeckte. Foto: Volker Etgen

Unerwartet zum Forscherteam geworden, organisierten die beiden ein sauberes Gurkenglas, um eine Qualle herauszufischen und den Fund so fotografisch dokumentieren zu können. Anschließend wurde die Qualle wieder freigelassen. „Zu Hause“, so Volker Etgen, „wurde, nach kurzem recherchieren, klar, dass es sich um die Süßwasserqualle Craspedacusta sowerbii handelt, die in warmen Jahren Bade- und Baggerseen bevölkert.“ Diese Quallen-Art ist selbst ein Rekordhalter: Sie besteht zu 99,3 Prozent aus Wasser und hat somit den höchsten bei Tieren festgestellten Wassergehalt.

 Süßwasserqualle aus dem Erbachweiher im Warndt (höhere Auflösung als identisches Foto).
Süßwasserqualle aus dem Erbachweiher im Warndt (höhere Auflösung als identisches Foto). Foto: Volker Etgen
 Süßwasserqualle aus dem Erbachweiher im Warndt, Nahaufnahme. 
Süßwasserqualle aus dem Erbachweiher im Warndt, Nahaufnahme.  Foto: Volker Etgen

Der Name ist „Craspedacusta sowerbii“ hat einen Durchmesser bis 2,5 Zentimeter, stammt vermutlich aus Asien und ist die einzige Süßwasserqualle, die sich auch nach Europa verbreitet hat. Sie ernährt sich von Kleinkrebsen, Rädertieren und Einzellernmögen und mag saubere, allenfalls langsam fließende Gewässer, in denen sich die Uferzone gut erwärmen kann. Im vorigen September wurden erstmals Süßwasserquallen in Luxemburg, im Obersauer Stausee entdeckt. Im Erbachweiher sind die Quallen inzwischen wieder verschwunden. Quallen entwickeln sich durch sogenannte Knospung aus Polypen, also aus kleinen Nesseltieren, die sich ortsgebunden etwa an einem Stein verankert haben. Warum sich festsitzenden Polypen überhaupt in freischwimmende Quallen verwandeln, untersuchte ein Forscherteam der Christian-Albrechts-Universität in Kiel: Verantwortlich sind offenbar ein bestimmter Hormonrezeptor und ein spezielles, von den Forschern neu entdecktes Eiweißmolekül, zudem die Temperatur des Wassers.