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Straßenumbenennung in Völklingen: Kolonialviertel in Heidstock fragwürdig

Namen sind nicht Schall und Rauch : Die Straßennamen im Heidstocker Kolonialviertel sind sehr fragwürdig

Die mögliche Straßenumbenennung im Völklinger Stadtteil Heidstock polarisiert die Bürgerinnen und Bürger. SZ-Redakteur Marco Reuther hat dazu eine ganz klare Meinung.

Wo zieht man die Grenze? Dass nach dem Krieg all die Adolf-Hitler- und Göring-Straßen vollkommen zu Recht wieder umbenannt wurden, wird wohl – abgesehen von unverbesserlichen Alt- und Neu-Faschisten – niemand infrage stellen. Geht es um Kolonialverbrecher, deren Gräueltaten geschichtlich weiter zurückliegen und auch nicht mehr allgemein im Bewusstsein verankert sind, sieht die Sache offenbar anders aus. Es kommt mir jedenfalls, gelinde gesagt, schon etwas seltsam vor, dass viele Menschen auf dem Völklinger Heidstock – was bei einer Info-Veranstaltung der Stadt deutlich wurde – nichts dagegen haben, dass sie in Straßen wohnen, die nach Karl Peters, Adolf Lüderitz, Hermann von Wissmann, Gustav Nachtigal und Paul von Lettow-Vorbeck benannt sind.

Sicher ist eine Straßenumbenennung, wie sie aus ähnlichen Gründen in Saarbrücken umgesetzt wird, auch mit einem gewissen Aufwand für deren Bewohner verbunden. Ob der aber viel größer ist, als zu einer Bürger-Infoveranstaltung zu gehen und seinem Unmut Luft zu machen, mag dahingestellt sein.

Als Gegenargument wurde in Völklingen angeführt, dass die Kolonialverbrechen nicht in Vergessenheit geraten dürfen, damit sie nicht wiederholt werden. Doch natürlich verbinden heute die meisten Menschen nichts mehr mit besagten Namen. Also wären dann wirklich große Schilder in den Straßen notwendig, die tagtäglich auf die Untaten jener Männer hinweisen. Bin schon ganz gespannt, wie das dann ankommt.