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Völklingen & Püttlingen: Kriegsfund verzögert Bau neuer Oberstufen-Schule

Völklingen und Püttlingen : Kriegsfund verzögerte Bau neuer Oberstufen-Schule

Die Oberstufen der Gemeinschaftsschulen aus Vöklingen und Püttlingen haben seit Dezember ein neues Zuhause. Wir haben uns vor Ort in dem Millionen-Projekt umgesehen und erfahren, warum sich der Bau wegen eines ungewöhnlichen Fundes verzögert hat.

Der Zweite Weltkrieg sorgte für Verzögerungen beim Bau des neuen Oberstufen-Gebäudes der vier Gemeinschaftsschulen (GS) aus Völklingen und Püttlingen – und das 75 Jahre nach seinem Ende: Bei den Ausschachtarbeiten waren die Bauarbeiter im vorigen Jahr auf die Überreste einer alten Flakstellung gestoßen – nicht eines Bunkers, wie es zunächst geheißen hatte. Das Abtragen nur eines Teils der meterdicken Betonschicht dauerte Wochen, schilderte der Püttlinger Architekt Willi Latz. Auch Lieferprobleme bei den Feuerschutztüren hatten für Verzögerungen gesorgt. Doch seit dem 1. Dezember ist das Gebäude eröffnet. Da Corona keine Feier erlaubte, gab es stattdessen am Montag einen kleinen Rundgang.

Um es vorweg zu nehmen: Das neue Gebäude kann sich sehen lassen. Die Klassenräume sind auf zwei Etagen um ein kleines Atrium angeordnet, das Tageslicht durch ein Glasdach und die Glastüren der Räume erhält. Da das Gesamtgebäude gewissermaßen in die zu Köllerbach und Saar abfallende Landschaft hineingegraben ist, kann das eigentliche Schulgebäude ebenerdig erreicht werden, aber auch – von der Rückseite her – die darunter liegende Mensa, die dank hohe Scheiben viel Tageslicht abbekommt und multifunktional nutzbar ist. Durch seine vorgeblendeten Klinkerwände und den hohen Glasanteil wirkt der Bau zudem filigraner, als er in Wirklichkeit ist.

Für die Gebäude der weiterführenden Schulen zuständig und somit Bauherr ist der Regionalverband Saarbrücken. Regionalverbandsdirektor Peter Gillo (SPD) erinnerte daran, dass die Regionalversammlung den Beschluss zu diesem Neubau bereits 2016 gefasst hatte, die Erdarbeiten starteten im Juni 2019. Trotz besagter unvorhersehbarer Verzögerungen – eigentlich sollten die Arbeiten vorigen Februar beendet sein – sei man, angesichts der Größenordnung des Projektes, eigentlich noch im Rahmen geblieben. Gekostet hat der Neubau rund 9,7 Millionen Euro, etwa 1,2 Millionen mehr, als ursprünglich veranschlagt. Wobei auch die Kostensteigerung zum Teil der alten Flakstellung geschuldet sei, wie auch den gestiegenen Baukosten.

Sehr angetan zeigten sich auch die Leitenden der Gemeinschaftsschulen, für die das Haus gewissermaßen ein Stein gewordenes Bekenntnis zu ihrer Schulform ist, so etwa Kerstin Jugl-Koch (GS Peter Wust). Valentina Trützschler (GS Sonnenhügel) sieht zudem in dem Haus einen Beitrag, Schülerinnen und Schüler beim Weg zu Abitur oder Fachabitur zu unterstützen. Thomas Lothschütz (GS Hermann Neuberger) „befürchtet und hofft“, dass das Haus eigentlich schon zu klein ist, denn die Schülerzahl wird noch wachsen. Simone Lehmann, Oberstufenleiterin der GS Sonnenhügel, nannte die derzeitigen Zahlen: 191 junge Leute gehen hier zur Schule, davon 44 aus Püttlingen. Die Elfer-Klassen aus Püttlingen und Lauterbach verbleiben an ihren alten Schulen. Insgesamt biete das Haus, so die Infos des Regionalverbandes, Platz für 300 Schülerinnen und Schüler.

Katrin Molter, stellvertretende Leiterin der GS Graf Ludwig, freute sich über „eine der modernsten Schulen im Saarland“ und betonte, dass man Schulen heute, angesichts der langen täglichen Aufenthaltszeiten, nicht nur als Lern-, sondern auch als Lebensraum gestalten müsse. Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) würdigte die Zusammenarbeit mit dem Regionalverband, der sich beim Bau der Schule auch nicht habe lumpen lassen – auch nicht in Sachen Digitalisierung. Für die Völklinger Oberbürgermeisterin Christiane Blatt (SPD) ist das neue Gebäude  eine weitere Aufwertung des „Bildungs- und Schulstandorts Völklingen“.

Zwischenzeitlich musste die Besucherschar weiterziehen, denn da schon in Betrieb, wurde die Mensa pünktlich zur Essenszeit von den ersten Schülern „gestürmt“. Mensa und Kantine sind so ausgelegt, dass 200 Schülerinnen und Schüler gleichzeitig essen können, wobei auch ein Drei-Schicht-Betrieb möglich ist. Insgesamt könnten täglich bis zu 1000 Mahlzeiten zubereitet werden, so dass auch das Ausliefern von Mahlzeiten an externe Schulstandorte möglich ist. Zum Kantine-Team der Mensa gehören zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – vorwiegend Teilzeitkräfte – der SWA („Saarpfalz-Werkstatt für angepasst Arbeit“ – eine Einrichtung der Lebenshilfe).

Insgesamt, so Architekt Latz (Büro Arus) habe man beim Bau der Schule ganz bewusst auch auf hochwertiges Material zurückgegriffen. Zum einen sei das nachhaltiger – so sei etwa die Klinker-Fassade sehr haltbar und müsse nicht nach zehn Jahren neu gestrichen werden. Zum anderen habe man aber auch die Erfahrung gemacht: „Überall, wo wir gute Materialien einsetzen, wird das auch wertgeschätzt von den Nutzern“, das mache sich dadurch bemerkbar, dass es spürbar weniger Vandalismus-Schäden gebe.