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Wildschweine in Völklingen: Neuer Jäger für Fürstenhausen und Fenne

Tiere suchen nach Nahrung : Völklingen eröffnet Jagd auf Wildschweine – Anwohner fürchten um Kinder, Tierschützer schreiten ein

Die Tiere dringen auf Nahrungssuche immer häufiger in Wohngebiete vor. Völklingen kämpft gegen Wildschweine – mit harten Mitteln. Jetzt will die Stadt wieder scharf schießen.

Ulf Hoffmann hat gute Laune und ist zum Spaßen aufgelegt. „Wir haben auch versucht, ein Bild von mir aufzuhängen, aber das konnte die Wildschweine nicht verjagen“, witzelt er. Der Verwaltungsbeamte freut sich darüber, dass er dem Völklinger Stadtrat endlich von Erfolgen der Stadt im Kampf gegen die Wildschweine berichten kann. Sie hätten ihr Vorgehen mit anderen Kommunen im Regionalverband abgesprochen, denn alle hätten „das gleiche Problem, aber keine Lösung“. Zusammen hätten sie ein „ganzheitliches Konzept für den Schutz der Bürger vor den Wildschweinen“ erarbeitet, das in Völklingen bereits umgesetzt wird.

Konkret heißt das: Die Stadt hat wieder einen Jäger gefunden, der das Waldgebiet Fürstenhausen/Fenne pachtet. Alberto Majone soll für die nächsten fünf Jahre den Wald bejagen und dabei möglichst viele Wildschweine töten. Als Pächter muss er auch Wildschäden kompensieren, die in seinem Gebiet aufkommen. Hoffmann sagt allerdings, dass dieses Jahr in Geislautern und Fenne gar kein Wildschaden gemeldet worden sei.

Auslöser für die erhöhte Aufmerksamkeit ist auch eher, dass die Tiere immer häufiger aus dem Wald in bewohnte Gebiete vorgedrungen sind, um dort nach Nahrung zu suchen. Dabei haben sie einige Gärten umgegraben. Videos von den Tieren machten im Internet die Runde und schürten bei einigen Anwohnerinnen und Anwohnern Ängste, dass die eigenen Kinder nicht mehr sicher seien. Besonders die CDU und Wir Bürger Völklingen haben sich daraufhin der Sorgen angenommen und ein hartes Vorgehen gegen die Wildschweine gefordert. „Wir sind schon seit zwei Jahren an dem Thema dran“, sagt Ortsvorsteher Stephan Tautz (Wir Bürger).

In den Völklinger Stadtteilen selbst ist der neue Jäger jedoch gar nicht zuständig. Er darf dort keine Tiere schießen und muss auch nicht für Schäden aufkommen. Stattdessen jagt Majone gezielt in den Randgebieten des Waldes, erklärt die Stadt. Auf zwei sogenannten Drückjagden hätte der Jäger bereits 24 Tiere erschossen. Doch nicht alle Anwohner unterstützen dieses Vorgehen. Paul Ganster (Linke) berichtet, dass eine Tierschützerin 14 Wildschweine mit Futter in ihre Garage gelockt hätte, um sie vor der Druckjagd zu schützen. Hoffmann ist trotz dieser Eingriffe zuversichtlich, dass die Stadt die Wildschweine loswerden kann.

Langfristig könnte das jedoch schwer werden. Im Saarland wurden im Jahr vor der Pandemie rekordverdächtige 13.000 getötete Wildschweine gemeldet, doch trotzdem leben immer mehr der Tiere in den Saar-Wäldern. „Je mehr geschossen wird, desto mehr sind da“, sagt Detlef Reinhard, der jagdpolitische Sprecher des Nabu. Reinhard ist selbst Jäger und erklärt dieses Phänomen mit einem Überangebot an Futter. Der durch den Klimawandel gestresste Wald und die Maisfelder der Landwirtschaft würden Wildschweinen viel Nahrung bieten, sodass die sozialen Tiere auch in großen Gruppen gut leben könnten. Noch besser als im Wald hätten es die Tiere jedoch in der Stadt. „Wildschweine sind sehr intelligente Tiere. Sie wissen, dass es in bewohnten Gebieten immer etwas zu essen gibt und sie dort keine Jäger ertragen müssen“, erklärt Reinhard.

Was also tun, wenn die Regulierung der Tiere durch die herkömmliche Jagd bislang nicht klappt? „Es gibt auch die Strategie der Fanganlagen. Damit fängt man eine ganze Rotte und erschießt sie dann alle“, erklärt Reinhard. Dafür muss jedoch das Tierschutzgesetz ausgesetzt werden. Es gäbe natürlich auch die Möglichkeit, die Tiere nicht mehr zu jagen. „Dann müssten wir allerdings aushalten, dass Wildschweine in Wohngebiete vordringen“, wirft Reinhard ein.