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Vorstoß nach Schwimmschiff-Aus: Bald wieder Schifffahrten ab Saarbrücken?

Schwimmschiff Vaterland ist weg : Neue Debatte nach Schwimmschiff-Aus: Gibt es bald wieder Schifffahrten ab Saarbrücken?

Der Landeshauptstadt fehlt seit Monaten ein wichtiger Anziehungspunkt: Es fahren keine Ausflugsschiffe mehr. Die Tourismuszentrale mahnt, zu einer Stadt am Fluss gehöre auch ein solches Angebot. Anfragen von Urlaubern und Einheimischen nehmen zu. Wie geht es jetzt weiter?

Ralf Kirch blickt wehmütig auf die Saar. Der Chef des City-Marketings war einer von denen, die 1999 zur 1000-Jahr-Feier der Landeshauptstadt, das Saar-Spektakel mit entwickelt haben. Und jetzt? Nicht mal mehr ein Fahrgastschiff, das im Sommer täglich mit Gästen nach Güdingen oder bis nach Saargemünd schippert. Passé. Die „Stadt Saarbrücken“ nach Mecklenburg-Vorpommern verkauft, die „Frohsina“ fährt derzeit auch nicht mehr, Ex-Betreiber Günter Emmer ist im Ruhestand und der Ponton „Vaterland“ abgesoffen.

Tourismus-Experten wünschen sich Gastronomie-Angebot auf Saar-Schiff

Ein Trauerspiel für die Landeshauptstadt, zumal Birgit Grauvogel als Chefin der Tourismuszentrale schon mahnt: „Wir brauchen den Flusstourismus auf der Saar. Für eine Stadt am Fluss ist ein solches Angebot wesentlich. Viele Menschen wollen die Gegend auch mit dem Schiff entdecken“,sagt Grauvogel. Sie ist fest davon überzeugt, dass man auch mit einem hochwertigeren Angebot an Gastronomie auf einem solchen Schiff mehr Neugierige, Urlauber und Freunde des guten Essens anlocken könnte. Ein neuer Betreiber könnte auch solche Fahrten inhaltlich aufwerten, findet Grauvogel: „Was spricht dagegen, zum Beispiel nach Frankreich zu fahren und mit einem Veranstalter vor Ort zu kooperieren, der dann etwa in Saargemünd einen attraktiven Restaurantbesuch beisteuert. Dann können die Ausflügler gleichzeitig noch die hochwertige französische Küche kennenlernen.“

An Ideen mangelt es nicht, doch leider fehlt das Wichtigste zur Umsetzung: ein Fahrgastschiff. Und ob der neue Betreiber der „Frohsina“ gedenkt, auch regelmäßig Fahrten auf der Saar anzubieten, darüber herrscht in Saarbrücken derzeit ein großes Rätselraten. Noch rätselhafter ist, wie man überhaupt an ein neues Schiff kommen will. „Unser Ziel muss es sein, bis zur nächsten Saison zumindest als Grundvoraussetzung wieder ein Angebot an Fahrten hinzubekommen“, sagt Ralf Kirch. Der Druck wächst, zumal auch das City-Marketing nach Auskunft von Kirch inzwischen viele Anfragen von Urlaubern und Einheimischen erreicht. Die Tourismuszentrale berichtet Ähnliches. Kirch setzt zunächst mal auf die „Frohsina“. Doch er kann sich auch vorstellen, einen Schiffsbetreiber aus dem Bundesgebiet dazu zu bewegen, in Saarbrücken und Umgebung zu fahren. Um dieses Ziel zu erreichen, müsse in erster Linie die Stadt Saarbrücken aktiv werden und bundesweit nach geeigneten Schiffsbetreibern suchen. Einem Interessenten müsse man dann eine möglichst attraktive Anlegestelle und in der Anfangsphase wohl auch Finanzmittel aus dem Topf der Wirtschaftsförderung zur Verfügung stellen.

Kehrt das Schwimmschiff „Vaterland“ zurück nach Saarbrücken?

Noch komplizierter wird es wohl, wenn man ein neues Restaurantschiff nach dem Vorbild der ehemaligen „Vaterland“ wieder an das Saarufer in Saarbrücken installieren will. Ein speziell dafür geeignetes Schiff mit all den Anforderungen stehe nicht mal eben in Deutschland irgendwo zur Verfügung. Möglicherweise müsse es ein Investor oder Betreiber erst bauen lassen. Was noch erheblich mehr ins Geld gehen würde, als zumindest wieder ein Fahrangebot auf die Beine zu stellen. Dennoch appelliert Kirch an die Landeshauptstadt, auch die Möglichkeit eines neuen Restaurantschiffs in Erwägung zu ziehen. Hochwertige Gastronomie in einer Qualität, wie sie früher auf dem Schiff „Vaterland“ angeboten wurde, sei mit Sicherheit auch ein Magnet, um zusätzliches Publikum anzuziehen. Manager Kirch schwärmt heute noch: „Die Fischsuppe im Restaurant auf dem Schiff ‚Vaterland’ war legendär.“ Zugleich empfiehlt er, gezielt in Gastronomiekreisen nachzuhören, wer bundesweit für ein solches Konzept in Frage käme.

Auch der Betreiber des Theaterschiffes unweit der Alten Brücke, Frank Lion, rät der Stadt dringend dazu, die Aktivitäten entlang des Saarufers möglichst schnell wieder mit einem hochwertigen Angebot auszuweiten. Seit 2007 betreibt er das Schiff. Und es fährt regelmäßig. „Wir sind das einzige fahrende Theaterschiff in Deutschland“, sagt Lion mit Stolz. Auf dem Schiff selbst finden nahezu ganzjährig Vorstellungen statt. Erst kürzlich ist noch eine schwimmende Außenbühne für das derzeit stattfindende Festival „Encore“ hinzugekommen. Auch Lion legt sich eindeutig fest: „Wasser übt eine große Anziehungskraft aus. Eine Stadt am Fluss hat in der Regel einen ganz besonderen Charme. Viele Menschen fühlen sich durch ein entsprechend attraktives Angebot auf dem Wasser angezogen.“ Er plädiert ebenfalls dafür, wieder ein Restaurantschiff am Saarufer in Saarbrücken zu installieren.

Hürden für neues Schiff auf der Saar wären überwindbar

Generell positive Signale kommen auch aus dem Wasser- und Schifffahrtsamt Koblenz als zuständiger Stelle. Ein neuer Schiffsbetreiber müsse weder mit großen Hürden, noch einer langen Bearbeitungszeit von Genehmigungen rechnen, stellt Tobias Schmidt vom Fachbereich Schifffahrt klar. Allerdings müssten alle Interessenten auch bestimmte Grundregeln einhalten. „Wer ein Fahrgastschiff mit Passagieren fahren will, der braucht ein Schiff mit einem entsprechenden Schiffsattest. Das ist wie eine Zulassung für das Schiff. Das kann man ein wenig mit einer Zulassung für ein Auto vergleichen. Man braucht zudem eine Besatzung und einen Schiffsführer mit einem entsprechenden Patent“, sagt Schmidt.

Hinzu kommen gewerbliche Voraussetzungen. Auch benötige der Schiffsbetreiber einen Standortliegeplatz mit einer Zusteigemöglichkeit, die bestimmte Anforderungen erfüllen muss. Dafür sei ein Antrag erforderlich. Genügt der Standortliegeplatz den Anforderungen, „dann wird eine Strom- und Schifffahrtspolizeiliche Genehmigung erteilt“, schildert Schmidt das Verfahren. Voraussetzung zur Genehmigung sei zudem, „dass es keine Gefährdung für die laufende Schifffahrt gibt“. Das Land erteile dann noch eine wasserrechtliche Erlaubnis. Die Bearbeitung von Anträgen könnten schon innerhalb von vier Wochen erledigt werden. Die gesetzlichen Hürden sind also nicht das Hauptproblem, um wieder mehr Abwechslung und Touristen auf die Saar zu bringen. Es bleibt daher wohl eher die Mammutaufgabe, einen Investor oder Schiffsbetreiber zu finden. Wer will auf der Saar fahren? Bewerbungen erwünscht.