1. Saarland
  2. Saarlouis

Betriebsrat erwartet Kampf um Ford-Werk Saarlouis: „Es geht um uns alle"

„Es geht um uns alle im Saarland" : Ford-Betriebsrat rechnet mit Kampf um Werk in Saarlouis – Hunderte Stellen schon gestrichen

Der Kampf um die Zukunft des Ford-Werks in Saarlouis geht in seine entscheidende Phase. Schon vor dem großen Aktionstag am 14. September machen der Betriebsrat und die Beschäftigten klar, wie sie ihre Zukunft sehen. Schon dieses Jahr wurden Hunderte Stellen abgebaut.

Die 5000 Beschäftigten im Ford-Werk Saarlouis werden immer energischer und schalten schon vor dem großen Aktionstag am 14. September um 15.30 Uhr auf dem Großen Markt in Saarlouis zum Erhalt des Werkes immer mehr in den Kampfmodus. Am Mittwoch stimmte der Betriebsrat mit einer ausführlichen Information die gesamte Belegschaft darauf ein, um was es geht: „Es geht um uns alle im Saarland. Sollten unsere Arbeitsplätze im Saarland verschwinden, wären die Folgen nicht nur für uns und die Kolleginnen und Kollegen bei den Zulieferern, sondern auch für Bäcker, Friseure, Maurer, Dachdecker und andere gravierend“, stellt der Betriebsrat in seiner Info dar. Alle Saarländerinnen und Saarländer, die zur Kundgebung kommen können, ruft der Betriebsrat zur Beteiligung auf.

Ausführlich wird in der Betriebsrats-Info ausgeführt, welche Maßnahmen jetzt bereits im Saarlouiser Werk laufen, um den Standort auch über 2025 hinaus abzusichern. Wörtlich heißt es: „In unserem Werk laufen viele Projekte, um Kosten zu senken und uns fit für die Zukunft zu machen.“ Derzeit würden in der Endmontage Fahrzeuge vom Typ Ford Mustang Mach-E repariert, die Probleme mit der Batteriezelle haben. „Diese Reparaturen wurden bei uns so vorbereitet und geplant, dass wir hier wertvolle Erfahrungen für künftige Modelle sammeln können. Sogar Händlerbetriebe kamen sich bereits diesen Reparaturbereich ansehen, um so von unseren Erfahrungen zu profitieren“, heißt es weiter. „Vor diesem Hintergrund würde es also auch Sinn machen, langfristig in unserem Werk ein entsprechendes Second-Life-Center aufzubauen, um Batteriezellen zu recyceln und die Materialien somit ressourcenschonend wieder zu verwerten“, betont der Betriebsrat. Über dieses Projekt diskutiere man derzeit mit der Geschäftsführung.

Neue Ausbildung für die Zukunft

Zudem werde in Saarlouis demnächst sowohl im Rahmen eines Qualifizierungsprogramms (MAQ) für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie in der beruflichen Erstausbildung das Berufsbild „Informatiker für Systemintegration“ ausgebildet. Dies sei ein Zukunftsberuf, der im Zeitalter der Digitalisierung den technischen Wandel am Standort Saarlouis vereinfachen soll.

Der Betriebsrat verweist darauf, dass auch eine Reihe von Vorleistungen zur Zukunftssicherung bereits erbracht worden sind. Dazu gehöre auch ein Personalabbau. Dieser betreffe für 2021 insgesamt rund 600 Menschen. 300 davon seien bereits  sozialverträglich ausgeschieden, die andere Hälfte stehe noch an.  

Zugleich kritisiert der Betriebsrat, dass die Ford-Geschäftsführung mit einigen Grundsatzentscheidungen die Lage zusätzlich erschwert habe. Dazu gehöre der Grundsatzbeschluss, sich bereits auf Sicht komplett vom Verbrennungsmotor zu verabschieden und ab 2030 nur noch Elektrofahrzeuge herzustellen. „Es wird von Ford keine neue Generation von Verbrennerfahrzeugen geben. Auch diese Entscheidungen sind getroffen. Solche Entscheidungen lassen sich zwar gut kritisieren, das ändert aber meist nichts an der Realität, der wir uns alle stellen müssen“, heißt es in der Betriebsrats-Info. Belegschaft und Betriebsrat müssten sich deshalb in Verhandlungen mit der Ford-Spitze darauf konzentrieren, als Standort ein batterieelektrisches Nachfolgemodell für den Focus zu bekommen, der noch bis 2025 produziert wird. „Fragen, ob elektrische Fahrzeuge wirklich besser für unsere Umwelt sind, oder andere Scheindiskussionen sind dabei absolut nicht zielführend.“

Zukunft zweier Modelle unklar

Im direkten Vergleich zu anderen Ford-Standorten wird erläutert, dass Ford-Köln das erste von zwei Elektromodellen auf der MEB-Plattform von Volkswagen fertigen wird. Die Fertigung eines zweiten Modells auf dieser Plattform werde aktuell geprüft.

Das Werk in Valencia fertige noch die Modelle Kuga, Mondeo, S-Max, Galaxy und Transit-Connect. Außerdem verfüge der Standort Valencia noch über ein Motorenwerk. Aktuell stehe schon fest, dass der Mondeo bereits Ende 2022 ersatzlos ausläuft. „Wie es mit den Modellen S-Max und Galaxy weitergeht, ist bisher noch nicht bekannt“, heißt es in der Betriebsrats-Info. „Schaut man sich jedoch die mittelfristige Strategie von Ford an, so kann man davon ausgehen, dass auch diese Modelle verschwinden werden. Die jeweiligen Tagesraten der beiden Pkw sind ebenfalls mittlerweile auf einem sehr geringen Niveau angekommen“, wird ausgeführt. Anders stelle sich die Situation für den Ford Kuga dar. Bei einer üblichen Zykluslaufzeit eines Modells sei davon auszugehen, dass die Fertigung wohl noch über 2025 hinaus gehen wird. „Zudem gibt es hier hohe Verkaufszahlen.“ Außerdem habe Ford bereits angekündigt, die Fertigung kleiner Nutzfahrzeuge wie den Transit Courier ab 2023 in das rumänische Werk Craiova zu verlagern. Der in Craiova erst kürzlich neu aufgelegte Ford Puma werde wohl ebenfalls noch länger produziert werden, schätzt der Ford-Betriebsrat.