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Corona-7-Tage-Inzidenz im Kreis Saarlouis im Land am h?chsten - Warum?

Corona-Inzidenz-H?chstwert : Was hat Saarlouis, das die anderen nicht haben?

Die 7-Tage-Inzidenz ist die entscheidende Zahl f?r Lockerungen. Nicht gut f?r Saarlouis, der als einziger Kreis im Saarland ?ber 100, die anderen quasi mit runterzieht. Wie l?sst sich das erkl?ren?

?Wir knabbern jetzt noch an der 100?, zitierte die SZ Saarlouis am Mittwoch die Kreisverwaltung. 108 betrug der 7-Tage-Inzidenzwert der Corona-Neuinfektionen in der abendlichen Meldung der Kreisverwaltung Saarlouis. Das Knabbern geht noch etwas weiter, und im Grunde hat der Landkreis, hat Saarlouis mit dem wichtigen Zahlenwert noch an etwas anderem zu knabbern: Weil ?berall im Saarland, also in den Landkreisen Merzig-Wadern, St. Wendel, Neunkirchen und Saarpfalz sowie dem Regionalverband Saarbr?cken, der Inzidenzwert unter 100 liegt, bremst Saarlouis aktuell f?rs ganze Land (wir berichteten).

?Ja was machen die denn da??, fragen sich die Menschen vom Bliesgau ?ber den St. Johanner Markt und den Bostalsee bis an die Obermosel. Gute Frage, deshalb gibt unsere Zeitung diese Frage an Karen Benesch, der Leiterin des Saarlouiser Gesundheitsamts weiter. ?Das kann ich Ihnen nat?rlich so einfach nicht sagen?, sagt Benesch. ?Allenfalls kann ich sagen: Wir machen unsere Arbeit sehr gut und sehr genau. Wir haben auch unser eigenes Testzentrum und erreichen nach wie vor die Kontaktpersonen.? Die Gleichung seit Beginn der Pandemie gilt immer noch: Wer testet, bekommt auch positive Testergebnisse.

 Karen Benesch ist Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Saarlouis
Karen Benesch ist Leiterin des Gesundheitsamts des Kreises Saarlouis Foto: Ulrike Paulmann

Stellt sich also die Frage nach Schwerpunkten des Infektionsgeschehens. Die wird die Gesundheitsamts-Leiterin mit der SZ durchgehen. Aber zuvor bittet sie, etwas Grunds?tzliches nicht au?er Acht zu lassen. ?Gestern?, sagt sie im Gespr?ch am Mittwoch, ?hatten wir den Inzidenzwert 108, Tendenz fallend. Am 2. Mai waren es 156. Ich kann deshalb nicht ganz nachvollziehen, was an den Zahlen zu dramatisieren ist.? An der Tendenz ?ndert sich auch nicht grunds?tzlich etwas, wenn, wie am Mittwochabend gemeldet, der Wert noch einmal etwas ansteigt (siehe Info).

Sie wei? selbstverst?ndlich, dass die 100er-Grenze, in deren N?he sich die aktuellen Zahlen bewegen, wegen der m?glichen Lockerungen unter 100, im Geflecht von Saarland-Modell und Bundesnotbremse wichtig ist. Dass jetzt aber ausgerechnet hier der Bremsklotz zu liegen scheint, ist dann eben auch ein bisschen Pech f?r Saarlouis. ?brigens rechnet Benesch f?r n?chste Woche mit Werten unter 100 ? wenn denn? Pfingsten nicht irgendwelche Ausbr?che beschert. Das vom Kreis so bezeichnete diffuse Infektionsgeschehen hat n?mlich immer noch nicht den einen, sondern viele heimische Herde: Die ?berwiegende Mehrzahl der Ansteckungen ereignet sich im privaten Bereich, erl?utert? Benesch: ?Es h?ngt nun mal ein Gro?teil von den Leuten ab.?

Doch was ist mit den gemutma?ten Besonderheiten des Landkreises Saarlouis? Die N?he zur deutsch-franz?sischen Grenze (die ohnehin im Regionalverband gr??ere Auswirkungen haben m?sste) sorgt nach Erkenntnissen von Benesch ?nicht f?r Auff?lligkeiten?. Das durchaus erkennbare und mit den oft folgenden Quarant?ne-Anordnungen bedeutende Infektionsgeschehen in Schulen und Kitas liegt in Saarlouis ebenfalls im landes?blichen Bereich.

Zur dritten Mutma?ung, dass die verh?ltnism??ig hohe Zahl von Industriearbeitspl?tzen vor allem in Dillingen und Saarlouis eine Rolle spielen k?nnte, sagt Benesch ganz klar: ?Das sehe ich nicht so. In unseren gro?en Betrieben gab es keine gr??eren Geschehen. Die haben sehr gute Hygienekonzepte, und wir arbeiten ganz hervorragend mit den Betriebs?rzten zusammen.?

Und dann ist da noch die Landesaufnahmestelle in Lebach. Die gibt es nur in diesem Kreis, und von dort gab es aus der letzten Aprilwoche mit 51 F?llen einen vermeintlich gro?en Ausschlag nach oben bei positiven Tests. Ja, best?tigt die Leiterin des auch f?r Lebach zust?ndigen Gesundheitsamts. Das hatte sich auf den zu jenem Zeitpunkt ?ber 160 liegenden Wert ausgewirkt, die 7-Tage-Inzidenz logischerweise nicht zum Sinken gebracht.

Aber es hatte etwas vom Fluch der guten Tat. Als n?mlich im April unter den verpflichtenden Tests bei Neuank?mmlingen in der Landesaufnahmestelle eine leichte H?ufung festgestellt worden war, entschieden sich Benesch und andere Verantwortliche daf?r, den Langzeitbewohnern Tests anzubieten. 300 von etwa 960 Menschen machten mit, und dabei kamen die 51 positiven Tests heraus. Als Erkl?rung f?r den aktuellen knapp ?ber 100 liegenden Wert taugt dieses Ergebnis von Ende April aber ohnehin nicht, denn 7-Tage-Inzidenz bedeutet ja R?ckblick auf die vergangenen sieben Tage und nicht vor drei Wochen.

Die eine Antwort auf die Frage ?Was ist da los?? gibt es also nicht. Karen Benesch greift es noch einmal auf. Sie sieht keinen Grund zu dramatisieren. Und wenn sie auch nicht ank?ndigen will und kann, wann die 100 weggeknabbert sein wird, sagt sie: ?Ich sehe das optimistisch. Mit Fortschritten bei den Impfungen werden wir im Juni hier im Landkreis wie fast ?berall? bei der Bek?mpfung der Pandemie gut vorankommen.?