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Corona-Proteste: 120 Menschen gehen gegen Impfpflicht in Saarlouis auf die Straße

Anstrengender Einsatz für die Polizei : Erneut Proteste in Saarlouis: 120 Menschen gehen gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße

Nachdem bereits am Freitag bis zu 300 Menschen unangemeldet durch die Innenstadt von Saarlouis liefen, protestierten am Montag erneut rund 120 Personen gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung. Die Polizei war gezwungen Platzverweise zu verteilen und sah sich etlichen hitzigen Diskussionen ausgesetzt.

Am Montagabend ist es in der Innenstadt von Saarlouis erneut zu Protesten gegen die Corona-Maßnahmen und eine mögliche Impfpflicht gekommen. Gegen 18 Uhr liefen nach Angaben der Polizei schätzungsweise bis zu 120 Personen unangemeldet vom Großen Markt in Richtung Kleiner Markt und machten mit Trillerpfeifen und vereinzelten Schildern aus Pappe auf sich aufmerksam.

Wie zuletzt am Freitag, als rund 300 Menschen unangemeldet durch die Stadt gezogen waren, wurde auch hier wieder in einschlägigen Chatgruppen auf der Plattform Telegram zu der Aktion aufgerufen. Die Polizei war mit mehreren Beamten und Einsatzfahrzeugen vor Ort und begleitete den in den Aufrufen als „Spaziergang“ bezeichneten Protest durch die Innenstadt.

Teilnehmer liefern sich lautstarke Diskussionen mit Beamten

Gute Nerven brauchten die Beamten, als es im vorderen Bereich der Französischen Straße zu teils hitzigen Diskussionen mit den Protestierenden kam, die durch die zu diesem Zeitpunkt gut besuchte Einkaufsmeile laufen wollten, von einer Polizeikette aber daran gehindert wurden. Auch am Rande des Weihnachtsmarktes kam es zu lautstarken Diskussionen, als die Menge hier erneut in Richtung Französische Straße einbiegen wollte und von den Beamten daher kurzzeitig angehalten werden musste.

 Am Rande des Großen Marktes kam es zeitweise zu lautstarken Diskussionen, als die Protestierenden durch die von der Polizei abgesperrten Französischen Straße wollten.
Am Rande des Großen Marktes kam es zeitweise zu lautstarken Diskussionen, als die Protestierenden durch die von der Polizei abgesperrten Französischen Straße wollten. Foto: Tom Peterson

Über die benachbarte Bibelstraße ging es zurück auf den Großen Markt, wo ein Mann kurzzeitig eine Ansprache hielt und betonte, dass die Protestierenden keine Verschwörungstheoretiker seien, sondern „freie“ und „ganz normale Menschen“. Nur wenige Minuten zuvor hatte einer der Teilnehmer, der nach SZ-Informationen der örtlichen Reichsbürger-Szene zugeordnet werden kann, noch versucht, durch eine der Polizeiketten zu gelangen, indem er behauptete, Pressevertreter zu sein. Die Polizei sprach in Bezug auf die Protestierenden insgesamt von einem größtenteils bürgerlichen Spektrum.

Maskenpflicht nicht immer eingehalten – Polizei erteilt Platzverweise

An die geltenden Hygienebestimmungen – wie etwa die Maskenpflicht, die generell bei Nichteinhaltung des Mindestabstandes von 1,50 Meter gilt – haben sich die Protestierenden nach Angaben der Polizei nur teilweise gehalten. Im Zuge des Abends kam es zudem zu Identitätsfeststellungen und Platzverweisen, wie ein Polizei-Sprecher erklärte.

Politiker warnen vor Radikalisierung

Auch wenn die bisherigen Corona-Proteste im Saarland friedlich verliefen, warnen mittlerweile auch mehrere Saar-Politiker vor einer möglichen Radikalisierung der Proteste hierzulande.

Kurz zuvor war es in anderen deutschen Städten, wie etwa Erfurt, Berlin, Dresden, Greiz oder Braunschweig, bei ähnlichen Veranstaltungen zu teils gewalttätigen Übergriffen gegen Polizeibeamte und anwesende Journalisten gekommen.