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Feuerwehr-Autos aus Dillingen auf Hawaii-USA-Hemd aufgetaucht – Ärger um Fund

Irrer Fund im Internet : Wut über Hawaii-Hemden: Wie kommen die Feuerwehrautos aus Dillingen auf die Shirts aus den USA?

Was hat die Feuerwehr in Dillingen mit der Inselkette Hawaii im weit entfernten Pazifik zu tun? Rein gar nichts. Und was ein Neunkircher Fotograf mit einem Unternehmen in San Francisco? Auch nichts. Und trotzdem kommen alle zusammen – wider Willen der Saarländer.

Christopher Benkert staunte nicht schlecht, als ihm bei Facebook im Internet eine Reklame angezeigt wurde. Zuerst registrierte der Neunkircher Feuerwehrsprecher gar nicht so recht, was ihm da zum Kauf angepriesen wurde. Er schaute einfach weiter. „Dann scrollte ich zurück“, sagt der 33-Jährige. Und dann fiel es ihm erst auf: „Das war wirklich skurril: ein Hawaiihemd mit Feuerwehrwagen. Aus Dillingen.“ Gleichmäßig mehrfach über das gesamte Kleidungsstück verteilt, dazwischen – wie passend – überall Palmen.

 Mit diesem Bild der Dillinger Feuerwehr hat ein Unternehmen mit US-amerikanischer Adresse im Internet Hemden bedrucken lassen, offensichtlich ohne mit dem Neunkircher Fotografen Christopher Benkert über die Nutzungsrechte zu sprechen.
Mit diesem Bild der Dillinger Feuerwehr hat ein Unternehmen mit US-amerikanischer Adresse im Internet Hemden bedrucken lassen, offensichtlich ohne mit dem Neunkircher Fotografen Christopher Benkert über die Nutzungsrechte zu sprechen. Foto: Christopher Benkert

Das Stück ist für 26,22 Euro beim Internethändler zu beziehen. Ein Schnäppchen, wie er glauben macht. Denn ursprünglich sollte das gute Teil für mehr als 43 Euro über die virtuelle Ladentheke gehen. Zumindest wenn der durchgestrichene Preis auf dem Internetportal tatsächlich mal der reguläre gewesen sein sollte.

 Neunkircher Feuerwehrsprecher Christopher Benkert.
Neunkircher Feuerwehrsprecher Christopher Benkert. Foto: Christopher Benkert/Feuerwehr Neunkirchen

Benkert ist indes gar nicht zum Scherzen zumute. „Als ich das registriert hatte, habe ich erstmal ‚Anwalt!’ geschrien.“ Denn der Feuerwehrmann ist passionierter Fotograf. Dieses Bild, was auf dem Hemd zu sehen, ist die Kopie einer seiner Aufnahmen. Die wiederum stammt von der digitalen Datenbank BOS-Fahrzeuge. Hier sind Abertausende Fotografien von Einsatzfahrzeugen zu finden, unter anderem von Polizei, Rettungsdiensten und eben Feuerwehren. „Es ist eindeutig, dass der Hersteller des Hawaii-Hemdes hier ein Bild einfach heruntergeladen und verwendet hat“, ist Benkert überzeugt. Denn er habe keines für diese Zwecke bereitgestellt, sei auch nicht gefragt worden, ob es dafür genutzt werden darf.

 Eine Firma mit Adresse in San Franzisko vertreibt Hemden mit Aufdrucken der Feuerwehr aus Dillingen - ohne Rücksprache mit dem Fotorechteinhaber.
Eine Firma mit Adresse in San Franzisko vertreibt Hemden mit Aufdrucken der Feuerwehr aus Dillingen - ohne Rücksprache mit dem Fotorechteinhaber. Foto: www.merchgift.com

Damit handle es sich um einen Verstoß gegen die Urheberrechte. Bilder, auch wenn sie im Internet oder sonstwo frei zugänglich sind, dürfen laut Gesetz nicht einfach für die eigenen Zwecke genutzt werden. Egal, ob diese Aufnahmen von einem Profi oder aus privaten Quellen stammen.

Benkert habe jedenfalls kein Foto für dieses Textilstück freigegeben. Das müsste er wissen. Denn er ist als Administrator für die Verwaltung der Bilderdatenbank verantwortlich und somit auch für eventuelle Freigaben.

Was will der so um seine Ansprüche gebrachte Hobbyfotograf aus Neunkirchen nun unternehmen? Um das betreffende Unternehmen auf Schadenersatz und Zahlung von Honoraren für die Nutzung auf den Oberteilen zu verklagen, „bräuchte ich zwei Anwälte: einen in Deutschland und einen, der meine Interessen in den USA vertritt. In Amerika geht das meistens nur nach Vorkasse“, habe Benkert mittlerweile herausgefunden.

Ein Rechtsvertreter in den Vereinigten Staaten sei demnach notwendig, weil laut Interneteintrag die Firma ihren Sitz im kalifornischen San Francisco hat. Ob dies allerdings alles so hieb- und stichfest ist, bezweifelt Benkert. Denn bei seiner Suche nach konkreten Ansprechpartnern bei dem Internetshop sei er letztlich in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi gelandet. „Das wäre eine Kampf gegen Windmühlen, die Firma zu verklagen“, ist er überzeugt. Darum wird er wohl oder übel auf rechtliche Schritte verzichten.

Wie voraussichtlich sein Kollege aus Hamburg. Dieser füllt die deutsche Datenbank ebenfalls mit Aufnahmen von Einsatzfahrzeugen. Und war ebenso perplex, als er Hamburger Fahrzeuge auf anderen Varianten des Sommeroutfits erspähte, berichtet Christopher Benkert.

Dillingen und Hamburg sind beileibe nicht die einzigen in dieser illustren Hawaii-Runde. Es gibt im Angebot unzählige Varianten in mannigfaltigen Grundfarben und Wagen-Abdrucken aus ganz Deutschland, unter anderem aus Wiesbaden, Dresden und Magdeburg. Darunter sind nicht nur Feuerwehren, sondern auch die Polizei aus Baden-Württemberg und Hessen.