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Interview Dewes: So hat Corona die VHS Dillingen verändert

Serie Erwachsenenbildung in Corona-Zeiten : „Keine Schieflage, aber ich mache mir Sorgen“

Einige Kurse fielen aus, andere gab es online. Wie die Pandemie die VHS Dillingen verändert hat, berichtet deren Leiter Stefan Dewes.

Herr Dewes, wie hat sich die VHS Dillingen mit der Pandemie verändert? Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Stefan Dewes: Die Ungewissheit hat mich am meisten beschäftigt. Wir mussten von Mal zu Mal neu entscheiden, hatten keinerlei Planungssicherheit, das hat uns alle belastet. Viele Kurse fielen über Monate komplett aus, wurden verlegt, abgesagt. Was mich aber sehr gefreut hat, ist, dass unsere Stammkunden viel mitgemacht haben, auch kreativ wurden. Gerade im Sprachbereich waren unsere Stammkunden zuverlässig, sind in die Onlinekurse gewechselt, das hat gut funktioniert. Aber das soziale Miteinander hat natürlich gefehlt. Sprachenlernen ist bei der VHS immer auch mehr als reines Lernen, es lebt von der Begegnung und der Interaktion. Das war so nur bedingt möglich. Als wieder Präsenz möglich war, waren etwa die Masken sehr hinderlich.

Was ist in dieser Zeit Neues entstanden, wo haben Sie das Angebot an die Umstände angepasst?

Dewes: Tatsächlich lief die Umstellung auf reinen Onlinekurs sehr erfolgreich im EDV-Bereich, was auch naheliegend ist. Hier haben wir auch festgestellt, dass andere Kurszeiten den Teilnehmern entgegenkommen, viele belegen einen solchen Kurs neben dem Beruf, die haben wir zeitlich eher in den Abend gelegt. Hier könnte man sich vorstellen, dass auch manches langfristig online weitergeht.
Ganz katastrophal hat sich die Pandemie im Bereich der Gesundheitskurse ausgewirkt: Hier fand vieles gar nicht mehr statt. Wir haben zwar Versuche gemacht, sie online weiterzuführen, aber das wurde nicht gut angenommen. Der Bereich ist quasi komplett weggebrochen, ebenso der der Sprachanfängerkurse.

Haben Sie durch die Online-Angebote auch neue Kunden erreichen können?

Dewes: Kaum. Aus den laufenden Kursen sind die Kunden nur teilweise ins Online-Angebot gewechselt, teilweise aber gar nicht. Allerdings haben wir bereits vor Corona eine neue Vortragsreihe in der Reihe „VHS Wissen live“ in Zusammenarbeit mit 200 anderen Volkshochschulen bundesweit von München aus gestartet, mit hochkarätigen Referenten. Das läuft sehr gut und passte natürlich auch gut in diese Zeit. Die erfolgreichste Ausgabe handelte übrigens von Corona und erreichte um die 500 Zuhörer.

War das Online-Angebot für Sie und die Referenten eine große Umstellung?

Dewes: Ja, denn vorher hatten wir eigentlich gar keine Online-Kurse. Und wir haben auch nur etwa fünf Prozent aller angebotenen Kurse überhaupt ins Internet verlegt, 12 von insgesamt 240, auch mangels Nachfrage. Das hat mich aber nicht überrascht, denn die VHS ist nicht die Institution, die man wählt, wenn man online lernen will, bei uns geht es viel um den sozialen Aspekt, gemeinsam lernen, andere kennenlernen.

Die VHS Dillingen hat einen Schwerpunkt in der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Wie sah es da aus?

Dewes: Die Grundbildung braucht eine ganz enge Betreuung. Das funktioniert online nicht, wir haben das versucht. Erst jetzt läuft das wieder regelmäßig an. Die berufliche Weiterbildung ist hingegen zu 100 Prozent weitergelaufen, teilweise haben wir hier auf Homeschooling umgestellt, manches ging in Präsenz weiter, in kleinen Gruppen mit einem angepassten Hygienekonzept. Auch unsere Kurse zur Abiturvorbereitung etwa liefen wie im Vorjahr komplett online.

Was haben Sie sich für die nahe Zukunft überlegt, wie geht es mit Corona weiter?

Dewes: Wir müssen auf die Gegebenheiten reagieren, wie die ganze Zeit. Letzten Endes überlassen wir es aber den Teilnehmern und den Dozenten, wie sie Kurse machen wollen. Wir stehen immer im engen Austausch mit dem Ministerium, was geht, was dürfen wir, und auch mit anderen VHS, wie die Regeln auszulegen sind, denn die Verordnung ist zum Teil sehr vage oder auch widersprüchlich.

Haben Sie die Befürchtung, dass sie langfristig viele Kunden verlieren?

Dewes: Ja, das ist leider jetzt schon absehbar. Im Extremfall waren Kunden eineinhalb Jahre nicht mehr im Kurs, die kommen vielleicht auch nicht mehr. Und der ganze Unterbau fehlt: Es starten kaum neue Sprachkurse zum Beispiel, es kommt wenig nach.

Das bedeutet für die VHS ja auch finanzielle Ausfälle.

Dewes: Die Lage ist schlecht, aber noch nicht bedrohlich. Wir bekommen Fördermittel des Landes, um die Ausfälle abzufangen. Wir sind noch nicht in Schieflage, aber ich mache mir Sorgen, weil ich nicht weiß, ob wir noch mal die Stundenzahl erreichen, wie wir sie vor der Pandemie hatten. Wir hatten 2020 ein gutes Drittel weniger Unterrichtsstunden (siehe Info).